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Kinderwunsch trotz Depressionen?

Erst kürzlich habe ich euch von meinem Kinderwunsch erzählt, der seither den Alltag bestimmt und mir stets ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Immer wieder gucke ich kleinen Knirpsen nach, wühle mich durch Kinderkleidung und träume von einer gemeinsamen Zukunft. Doch trotz aller Euphorie und Vorfreude stehen auch allerhand Ängste im Raum, die den Augenblick trüben und auf ihre Art und Weise zunichte machen.

Denn ich bin eine von vielen, die mit einer psychischen Krankheit konfrontiert wurde und seither ihr Leben mit meistern muss. Längst werden diese mit modernen und theoriebegleitenden Konzepten weitgehend gelöst, doch nicht immer kann eine Depression oder emotional instabile Persönlichkeitsstörung behandelt werden. In meinem Fall reicht eine medikamentöse Behandlung sowie jährliche Klinikaufenthalte nicht mehr aus, weshalb ich fortan auch eine sogenannte Gruppentherapie in einer speziellen Einrichtung besuchen muss. Letzteres sollte bereits seit Anfang des Jahres vonstatten gehen, allerdings war meine Angst vor den fremden Persönlichkeiten und unterschiedlichsten Krankheitsbildern vor Ort präsenter denn je. Vielleicht habe ich genau deswegen immer wieder nach Ausreden gesucht um diesen Termin nicht wahrnehmen zu müssen.

Mittlerweile jedoch gehe ich regelmäßig meinen Terminen nach und besuche zusätzlich eine Selbsthilfegruppe, die vorhandene Fragen, Ängste und Sorgen lindern und den Rücken stärken soll. Auch die Momente mit dem Therapiehund Charlie erscheinen wertvoller denn je und erlauben mir einen Augenblick der Freude.

Nach den jeweiligen Therapiestunden kreisen unzählig viele Gedanken umher und regen regelrecht dazu an über Dinge nachzudenken, die man nur selten ausspricht oder erst gar nicht in den Mund nehmen mag. Allem voran eine berechtigte Sorge bezüglich meines Kinderwunsches und den anhaltenden Krankheitssymptomen. Es gibt so viele Kleinigkeiten die ich einfach nicht wie ein „normaler“ Mensch ausüben kann, an denen ich scheitere und mit Tränen auf den Wangen liegen lassen muss. Sei es das Telefonieren mit fremden Menschen, einfache Kontaktaufnahmen zu gleichaltrigen oder aber banale Dinge wie shoppen gehen, an den See legen oder aber arbeiten gehen.

 

Kinderwunsch trotz Depressionen?

 

In diversen Foren habe ich mich längst darüber informiert und auch mit meiner Betreuerin über den Kinderwunsch gesprochen, doch die Ängste kann mir letztendlich keiner nehmen. Ganz im Gegenteil, während meine Betreuerin mir stets Mut zuspricht und bereit ist mir unter die Arme zugreifen, wird man in Foren regelrecht zerkleinert. Ein depressiver Mensch darf laut Aussagen einiger keinen Kinderwunsch äußern, immerhin sollte er erstmal sein Leben auf die Reihe kriegen. Ein sehr kluger Ratschlag (nicht) der mir allerhand Kopfzerbrechen bereitet hat.

Bin ich aufgrund meiner depressiven Phasen wirklich bereit für ein Kind? Oder erhoffe ich mir dadurch die Liebe und Zuneigung zu bekommen, die mir in den letzten Jahren gefehlt haben? Sollten Menschen mit Depressionen ihren Wunsch nach einer intakten Familie untergraben, nur weil das Leben nicht immer in den richtigen Bahnen verläuft?

Trotz meiner Krankheit kann ich ein weitgehend „normales“ Leben leben und bin dank meiner Tabletten immer seltener auf Hilfe außerhalb angewiesen. Demnach stehe ich den Äußerungen der Foren-Gemeinde sehr kritisch gegenüber. Denn auch mit Handicap kann ich eine gute Mutter sein und dem Kind die Liebe und Zuneigung schenken, die es benötigt.

Seit meinem Wunsch nach einem eigenen Kind ist im Übrigen auch die Erinnerung an mein Sternenkind präsenter denn je. Vor knapp 9 Jahren überraschte mich der kleine Krümel mit einer ordentlichen Schwangerschaftsübelkeit. Die Ultraschallbilder zeigten erste Details wie Fingernägel, zudem war der Herzschlag zu hören und sehen. Ein unerwartetes Wunder das meinen Alltag ordentlich durcheinander brachte und dabei nur bedingt für Freude sorgte. Manchmal träume ich von meinem Krümel, stelle mir vor wie er sich entwickelt hätte und meinen Alltag begleitet. An Tagen wie diesen fühlt der Augenblick sich unglaublich fremd an. Auch überkommen mich Selbstzweifel und Ängste die man nicht auszusprechen vermag. Der Schmerz sitzt noch immer tief, doch ein Blick in den nächtlichen Himmel zaubert mir dabei auch immer wieder ein Lächeln auf die Lippen. Denn ich bin mir sicher, einer dieser Sterne ist mein Sternenkind, dass mich stets begleitet und schützend seine Hände über mich legt.

Janine

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10 Comments

  • Reply Carmen

    Ich verstehe, dass dich die Beiträge in diesen Foren verunsichern. Und es ist ja auch richtig, dass du dich im Internet informierst. Aber ich glaube die einzige Person, die das wirklich einschätzen kann, bist du allein. Nur du kennst deine Krankheit wirklich am besten.
    Menschen, die in solchen Foren schreiben, gehen auch immer vom schlimmsten aus. Such mal auf Google nach Kopfschmerzen. Zu hundert Prozent sagt dir in irgendeinem Forum jemand, dass du einen Hirntumor hast.
    Was ich damit sagen will; hör auf dein Herz und sei ehrlich zu dir selbst.
    Ich wünsche dir ganz viel Kraft.
    Carmen ♥

    11. April 2017 at 8:53
  • Reply nici

    Ach süße….
    Was andere Sagen, besonders in Forum, sollte man nicht hören und sie reden lassen. Ich finde, dass einige gerade im Internet, ihre Erziehung vergessen haben. Ich wünsche dir alles Gute und freue mich, wenn wir irgendwann eine kleine Janine sehen dürfen 🙂 Ein Baby, kann das Leben extrem verändern. Auch ich war vorher körperlich und seelisch kaputt und habe durch die Schwangerschaft erst gelernt zu leben. Wer sagt, dass solche Menschen kein Kind bekommen sollte, ist absolut quatsch, den da kann ich nur aus Erfahrung sprechen. Erst nachdem mein Kind auf der Welt war, habe ich nicht nur mein Leben in Griff bekommen, bis gesund gewesen und kann endlich arbeiten gehen. Davor, undenkbar gewesen.

    Alles liebe

    11. April 2017 at 9:01
  • Reply Melly1972

    Liebe Janine

    das ist ein sehr schweres Thema. Da ich selber seit 21 Jahren an Rheuma erkrankt bin und selbst einen Kinderwunsch hatte, kenne ich diese Gedanken. Bei mir wären es eben körperliche Einschränkungen gewesen und deswegen bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ein Kind nicht da drunter leiden sollte. In meinem Fall, häufige Krankenhaus Aufenthalte, liege oft, weil nichts mehr geht usw. Zu dem die Medikamente. Ich habe es aus der Kinder Sicht beurteilt. Ich hätte dem nicht gerecht werden können. Was sich jetzt im Laufe der Jahre auch bestätigt hat. Auch ist es ein finanzieller Punkt. Ich möchte meinem Kind auch was bieten können. Klar muss es nicht immer alles und das teuerste sein aber ich möchte auch nicht immer sagen müssen, nein Mama hat doch nicht so viel Geld. Klar steht Liebe und Zuneigung an erster Stelle und kostet kein Geld aber trotzdem. Zu dem ich auch schon etliche Jahre jetzt berentet bin. Es wäre also immer am Existenz Minimum gewesen. Trotz der vielen Jahre die ich gearbeitet habe. Wollte ich nicht. Ich konnte in der Situation nicht nur an meine Bedürfnisse denken

    Ich möchte dich nicht verletzen aber ich denke, du wolltest ja hören was man denkt. Ich denke, dass es bei dir noch schwieriger ist. Aufgrund deiner Betreuung, deine Therapien usw. Du kannst ja dann nichts selber bestimmen.Du kannst dich nicht einigeln, Kindergarten, Arzt Besuche, Spielplatz, treffen mit anderen Kindern und Müttern usw.

    An so was muss ja alles gedacht werden. Vielleicht solltest du erst mal stabiler werden und dann sehen, was die Zeit dir bringen wird. Aber im Moment denke ich, ist es der falsche Zeitpunkt, bzw viel zu früh da drüber nach zu denken.

    Alles nicht böse gemeint, ich kann auch deine Wünsche verstehen. Ich drücke dich mal

    11. April 2017 at 9:11
  • Reply Nina Moschi

    Das ist ein sehr komplexes Thema. Nicht zu pauschalisieren.Du kennst dich selber am besten. Du musst wissen was du willst und wenn ein Kind auf der Welt ist wächst man über sich hinaus.

    11. April 2017 at 9:37
  • Reply Karin Karkutsch

    Hallo , ich finde es sehr mutig von dir das du es hier aufschreibt.
    Ich leide auch seit ca 25 Jahren unter Depressionen und ich habe immer mal Schübe wo ich mich nicht wohl fühle und es mit nicht gut.
    Ich kann deine Ängste sehr gut verstehen und ich kann dir nur raten auf dich zu hören.
    Trotz meiner Krankheit habe ich 2 wunderbare Kinder , bei meinem ersten hatte ich einen größeren Schub als er 4 Jahre alt war. Sicherlich ich war immer in Behandlung und bekam den Tipp in eine Spielgruppe zu gehen damit mein Sohn auch unter Kinder kommt. Es war eine schwere Hürde für mich , die ersten male waren nicht so einfach , nach einer Zeit habe ich mich auf die Treffen immer mehr gefreut vor allem weil mein Sohn sich mit den Kindern sehr gut verstanden hat. Durch diese Gruppe habe ich viel gelernt und eine ganz tolle Freundin gefunden.
    Auch bei meinem kleinen Sohn hatte ich eine Phase diese dauerte zwar nicht so lange und diese haben wir sehr gut gemeistert.
    Ich denke grade in der heutigen Zeit ist es einfacher geworden sich Hilfe zu holen und zu bekommen , wenn du deinen Wunsch erfüllen möchtest baue dir ein stabiles Haus um dich herum auf. Denn mit denen die dich sehr gut verstehen und wo du Vertrauen hast gelingt dir alles. Ich wünsche dir ganz viel Kraft und gan viel Glück das dein Traum in Erfüllung geht

    11. April 2017 at 11:58
  • Reply Astrid Scholz

    Hallo Janine , es ist eine schwierige Situation. Und man sollt einiges Abwegen dabei auch ich verstehe dein Wunsch . Meine Schwester leidet sehr lange an Depressionen! Ihre Tochter ist jetzt 29 und musste oft darunter leiden . Und war sich oft selbst überlassen . Ich möchte dir nicht mit meinen paar Zeilen zu nahe treten oder dich verletzen. Ich wünsche dir alles Glück der Welt. Alles und jeder hat gute Ratschläge , höre auf dein Herz und wenn du bereit dazu bist : denke ich das du alles dafür zutun um das es seiner kleinen Familie gut dabei geht . Glg Astrid

    11. April 2017 at 12:07
  • Reply Gina

    Ach Gott,das tut mir leid. Menschen mit Depression tun mir unendlich leid. Ich habe auch eine Freundin und es zerreißt mir das Herz,sie in so einem Zeitraum zu sehen. Ich bin immer wieder froh,wenn sie aus ihrem Loch findet 🙁 ich selbst habe keine Depression,aber schreckliche Angst vor der Geburt…und mit Mitte 30 tickt die Uhr…..ich wünsche dir alles Gute und dass du alles schaffst,wann und wie du es dir wünschst. Wenn du mal nach dresden kommen solltest kannst du dich gern melden 🙂

    11. April 2017 at 14:59
  • Reply Julia T.

    Ich persönlich als Betroffene finde auch, dass es ein sehr schwieriges Thema ist. Ich habe auch bereits seit sehr jungen Jahren einen starken Kinderwunsch. Allerdings war ich dann 2007 mit 25 das erste Mal wegen Depressionen und instabiler Persönlichkeitsstörung in Behandlung. Es ging dann weiter, 2009 ein Klinikaufenthalt, 2012 zwei Klinikaufenthalte. Nach jedem Klinikaufenthalt dachte ich, es wäre alles gut und ich könnte normal leben, nur um dann ein paar Monate/Jahre später wieder rausgerissen zu werden. 2012 wurde ich dann 30, ein wichtiges Jahr, weil ich wusste, langsam MUSS es mir besser gehen wenn ich mir diesen Wunsch noch erfüllen will. Da ich selbst in schwierigen Familienverhältnissen aufgewachsen bin (mein Vater leidet auch an Depressionen und PTBS, das ist nicht schön für Kinder), möchte ich nicht, dass mein Kind unter solchen Umständen aufwächst. Also entschloss ich mich 2012 zu einer Gruppentherapie und habe anschliessend 3,5 Jahre eine Einzeltherapie gemacht. Erst danach wurde ich richtig stabil. Mittlerweile habe ich es geschafft auch beruflich wieder richtig im Leben zu stehen, was für meine psychische Stabilität sehr wichtig ist. Eine Freundin von mir hat im Dezember ein Baby bekommen. Seitdem bin ich froh, so lange gewartet zu haben, auch wenn es bei mir mit fast 35 wirklich Zeit wird, wenn nicht sogar zu spät wird. Aber ich sehe, wie meine komplett stabile Freundin mit fantastischem Umfeld wirklich mehr und mehr an ihre psychischen und körperlichen Grenzen kommt. So ein Baby ist kein Zuckerschlecken, bei aller die man hat Liebe nicht. Der Schlafmangel, die Verantwortung, die Probleme etc, ich bin mittlerweile froh, dass ich gewartet habe. Denn ich glaube, trotzdem dass ich seit Jahren Kinder möchte, es wäre mir zu viel gewesen, ich hätte mein Kind nicht so versorgen können, wie es das Würmchen bräuchte. Meine Depressionen werden auch nicht weggehen, allerdings habe ich sie mittlerweile in sämtlichen Stress – und Lebenslagen allein, ohne Therapie und Hilfe, bewältigen können. Mein letzter Klinikaufenthalt liegt 5 Jahre zurück. Deshalb denke ich, dass auch ich mich trotz Depressionen in den nächsten 2 Jahren ranwagen werde 🙂 Ich wünsche dir liebe Janine, dass du für dich das Richtige findest 🙂 Ein Außenstehender kann dir da eh nichts zu sagen. Wenn du glaubst/weißt, dass du für dich genug Stabilität hast und ein hilfsbereites Umfeld, dann folge deinem Herzen und achte darauf, dass es dir gut geht. Alles Gute 🙂

    11. April 2017 at 17:53
  • Reply Limalisoy

    Liebe Janine,
    lass dich nicht entmutigen. Denn ein Herzenswunsch, der sich erfüllt, kann eine Depression auch in andere Bahnen lenken. Ich weiß ja, wovon ich rede.
    Wichtig ist das stabile Umfeld und ein gutes Netzwerk für Momente, in denen du Unterstützung brauchst. Wenn du dir da keine Sorgen machen musst, sind gute Grundlagen geschaffen.
    Natürlich ist es mit Kindern kein Zuckerschlecken, aber ich kenne sehr viele Mütter, die trotz Depressionen wunderbar für ihre Kinder sorgen können und vor allen Dingen auch durch die kleinen Wesen neue Kraft bekommen. Ich bin nur eine von vielen 🙂
    Alles Gute für dich!
    Yvonne

    11. April 2017 at 20:45
  • Reply Michelle Früh

    Ich habe gerade Tränen in den Augen. Mir geht es nämlich genau wie dir. Ich kämpfe schon seit Jahren mit meiner Depression und weiß, dass ich sie nie los bekomme.
    Ich kann einigermaßen normal Leben. Wenn aber irgendetwas aus dem Rahmen fällt, breche ich ein. Deshalb habe ich mir auch den Kopf zerbrochen, ob das mit meinem Kinderwunsch vereinbar ist. Aber ich kann den Wunsch auch nicht von mir schieben. Da die Vorstellung niemals ein Kind zu haben unglaublich schmerzt. Ich weiß, dass ich eine gute Mutter sein kann. Auch wenn ich eingeschränkt bin.
    Wünsche dir alles Gute
    Liebe Grüße Michelle von beautifulfairy

    12. April 2017 at 12:22
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