Bin ich weniger Wert, weil ich keine Kinder habe?

An manchen Tagen fühlt sich das Leben einfach nur ungerecht und fremd an. Während in meinen Träumen stets alles nach Plan läuft, findet die Realität nur selten Platz um gelebt, erlebt und durchlebt zu werden. Immer wieder nage ich dabei am Rande der Zeit und lasse Zweifel offen, die den Moment unbewusst einschränken. Bin ich vielleicht emotional nicht in der Lage Normalität zu ertragen? Bin ich zu sensibel?

Keine Frage, die vergangenen Tagen glichen einem schier unüberwindbaren Berg, der einfach nicht zu erklimmen schien.

Der Nachbarschaftsstreit zerrte demnach enorm an meinen Nerven und raubte mir währenddessen immer wieder den Verstand. Während meine ungeliebten „Terror-Nachbarn“ ihren Alltag weiterlebten, zog ich mich unbewusst mehr und mehr zurück. In der Zwischenzeit folgten wir dem Rat Außenstehender und suchten das Gespräch mit der Wohnungsgesellschaft. Voll bepackt mit Hoffnung und Zuversicht, saßen wir der Sachbearbeiterin gegenüber und mussten schnell einsehen, dass man uns nicht wirklich für voll nahm. Immer wieder flossen mir dabei die Tränen die Wangen hinab – Grund genug für die Angestellte meine Psyche anzugreifen und mich als zu sensibel zu bezeichnen. Habe ich tatsächlich zu viele Emotionen in den Streit gesteckt? Ist es nicht normal, dass man irgendwann die Kraft verliert und den Tränen Freiraum gewährt? Bin ich deswegen nicht ernst zu nehmen?

Unzählig viele Fragen begleiten seither meinen Alltag und rauben mir unbewusst den Schlaf. Trotz vorhandener Beweise in Form von Videos, Fotos und Zeugen wurde uns schnell ein Brett vor den Kopf genagelt und jeder Funke an Hoffnung erloschen. Die Wohnungsgesellschaft sieht sich nicht in der Pflicht dem Streit ein Ende zu setzen und zweifelt aufgrund meiner Tränen den Sachverhalt an. Zudem wurde mehrfach betont, dass man ein kinderfreundliches Unternehmen sei und demnach einer Mutter mit Kindern keinen Stress bereiten dürfe. Als kinderlose Mieter sind wir demnach im Nachteil und sollten doch die Koffer packen und in ein anderes Objekt ziehen.

Ernsthaft?

Bin ich deswegen so viel weniger Wert, weil ich mit meinen zarten 27 jungen Jahren noch keine Kinder vorweisen kann? Sollten wir nicht genauso respektvoll behandelt werden wie Familien mit Kindern? Wenn es nach mir ginge, hätte ich schon längst einen kleinen Zwerg, der meinen Alltag begleitet und mich liebt und schätzt. Doch bis dato schien das Schicksal nicht auf meiner Seite zu sein, weshalb ich nun dafür Buße tragen muss?! Für mich eine völlig unverständliche und erschreckende Situation, die keineswegs schlimmer hätte kommen können. Seit Wochen werde ich terrorisiert, beleidigt und bedroht. Zuletzt sogar bespuckt. Auf meinem eigenen Balkon, der ein Platz der Ruhe und Erholung sein sollte. Und das einzige was die Wohnungsgesellschaft zu bieten hat, ist ein neues Wohnungsangebot.

In Worte lässt sich wohl nur schwer fassen wie fremd der Augenblick schien. Ich sank während dem Gespräch immer mehr in mich zusammen und hörte nur noch halbherzig der Unterhaltung zu. Es ist einfach unerträglich, unverständlich und so absurd…aber zugleich auch zu real und intensiv. Wie weit das gehen kann, zeigte mein Griff zum Telefon vor einigen Tagen. Die Beleidigungen nahmen ihren Lauf und plötzlich stand auch eine Gewaltandrohung im Raum, weshalb ich nicht lange zögerte und die Polizei um Hilfe bat. Zu dritt standen sie letztendlich vor mir und notierten den Sachverhalt, während ich mit den Tränen und der Angst kämpfte. Von einer Strafanzeige nahm ich diesen Abend Gebrauch, wenn auch eher zögerlich. Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass die nachfolgende Zeit erträglich bleibt und ich keine Angst mehr vor Gewalt Fremder haben muss.

Janine

1 Kommentar

  1. Ivonne
    1. August 2017 / 23:17

    Ohje das ist ja gleich etwas viel. Ich wünsche dir, das bald Ruhe einkehrt. So ein schlechtes Nachbarverhältnis geht an die Substanz. Ich bin ja immer für offen miteinander reden, ohne Vorurteile und gegenseitige Beschimpfungen. Leider gibt es aber so sture und uneinsichtige Menschen, wo jede Energie umsonst ist. Das ist schade und du musst dich dann fragen “ möchte ich das weiterhin ?“ und “ halte ich das seelisch und nervlich durch oder werde ich dadurch krank?“. Oft ist es dann besser, wenn man sich nach was neuen umsieht ( obwohl ihr ja erst umgezogen seid :-( ) Aber liebe Janine, irgendwann wenn du zur Ruhe gekommen bist , klappt es dann auch mit deinen Kinderwunsch. :-)

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