Mein Name ist Janine. Ich bin 27 Jahre alt. Meine Diagnose: Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS). Meine Krankheit beeinträchtigt bestimmte Vorgänge in den Bereichen Gefühle, Denken und Handeln was häufig zu problematischen und teilweise paradox wirkenden Verhaltensweisen in sozialen Beziehungen und mir selbst gegenüber führt. Häufig verstecke ich mich hinter meiner Krankheit und versuche so wenig Kontakt wie möglich nach außen zu bekommen. Dabei schwinden unbewusst Freundschaften, die einst voller Begeisterung gepflegt wurden. Immer wieder zwinge ich mich diesbezüglich selbst in die Knie um zu lernen und verstehen.

 

Bei der Borderline-Störung handelt es sich um eine Persönlichkeitsstörung, die durch Impulsivität und Instabilität von Emotionen und Stimmung, der Identität sowie zwischenmenschlichen Beziehungen charakterisiert ist. Es handelt sich um ein schwerwiegendes psychiatrisches Krankheitsbild, das auch als emotional instabile Persönlichkeitsstörung des Borderline-Typs bezeichnet wird.

 

Seit mehr als 5 Jahren stelle ich mir regelmäßig die Frage „Warum ich?“- konnte bis heute allerdings keine Antwort darauf finden. Mein Leben hat sich seither radikal verändert. Nicht nur körperlich sondern auch menschlich bin ich zu einem vollkommen fremden Menschen geworden, den ich beim Blick in den Spiegel kaum noch wiedererkenne.

Es ist unglaublich schwer in Worte zu fassen, was in einem vorgeht, weil man weiß, dass nicht alle um einen herum genauso fühlen – vor allem, wenn die Krankheit stigmatisiert wird. Mitgefühl erwarte ich demnach schon lange nicht mehr.

Arbeit, Beziehung, Familie – die Krankheit hat einfach alles verändert. 

 

Emotional instabile Persönlichkeitsstörung – Merkmale

Ein wesentliches Merkmal meiner Borderline-Persönlichkeitsstörung sind die impulsiven Handlungen ohne Berücksichtigung der Konsequenzen für mich selbst oder dritte Personen in Verbindung mit häufigen, unvorhersehbaren und launenhaften Stimmungsschwankungen. Hinzu kommt eine Neigung zu intensiven und instabilen Beziehungen, oft mit der Folge emotionaler Krisen, Störungen und Unsicherheiten bezüglich des Selbstbildes, der eigenen Ziele und inneren Präferenzen. Es zeigen sich ein anhaltendes Gefühl der Leere und Zornesausbrüche.

Ferner beobachtet man eine Tendenz zu streitsüchtigen Verhalten und Konflikten mit anderen Menschen, insbesondere, wenn impulsive Handlungen unterbunden oder getadelt werden. Ein wichtiges Kennzeichen dieser Störung ist die große Angst vor dem Alleinsein. Menschen mit dieser Erkrankung haben gelegentlich ausgeprägte Trennungsängste, Verlustängste oder Angst vor Isolation, auch wenn kein konkreter Grund dazu gegeben ist.

Während die Behandlung von Persönlichkeitsstörungen in erster Linie mit psychotherapeutischen Verfahren behandelt wird, gab es für mich zunächst nur die Möglichkeit einer medikamentösen Therapie. Diese bewirken in erster Linie eine Abmilderung von Symptomen und können beispielsweise impulsive oder selbstverletzende Handlung reduzieren.

Aktuell bin ich noch immer auf Medikamente angewiesen, besuche nebenher aber auch eine sogenannte Gruppentherapie die allerdings mäßigen Erfolg zeigt. Mir fällt es unglaublich schwer offen über meine Gefühle und Gedanken zu reden, weshalb ich meist ein verlogenes Lächeln aufsetze.

 

Therapeut und Sorgenfresser – Salome

Immer wieder habe ich versucht meine Ängste wiederzugeben, doch meine Stimme blieb fern. Lediglich meinen geliebten Vierbeinern konnte ich den Schmerz und Kummer nahe bringen um zumindest den Moment sorgenfrei erleben zu dürfen. Erst kürzlich eskalierte die Situation gewaltig und raubte mir beinahe den Atemzug. Wie von einer fremden Hand geführt saß ich auf dem Boden und drückte eine Tablette nach der anderen aus dem Blister. Die Tränen kullerten die Wangen hinunter und tropften auf den kühlen Boden. Mein Körper zitterte vor Angst, vor Wut, Entschlossenheit und Kälte. Circa 100 Tabletten lagen in meiner Hand und warteten darauf geschluckt zu werden.

Die Vernunft schien zu diesem Zeitpunkt ferner denn je. 

Unerreichbar und abgeschieden vom hier und jetzt war ich bereits in Gedanken bei meinem Sternenkind, als plötzlich ein angenehmes Schnurren zu hören war. Sekunden später spürte ich die Wärme und Nähe meiner geliebten Samtpfote Salome, die mich fragend ansah und vor mich warf. Ihr Schnurren beruhigte und holte mich aus dem Unbekannten zurück in die Realität. Ein Schutzengel?!

Für mich stand nach diesem erneuten Rückfall fest: „so kann es nicht weiter gehen!“.

Janine