Depressionen behandeln Teil I: Medikamentöse Behandlung

Depressionen nehmen in der heutigen Gesellschaft stetig zu, doch nur die wenigsten wissen etwas mit dem Krankheitsbild anzufangen. Während viele mit Vorurteilen diesbezüglich zu kämpfen haben und nur selten ein paar Worte darüber verlieren, gehe ich ganz bewusst mit meiner Geschichte und den Diagnosen um. Denn nur so kann man Betroffenen den Rücken stärken und Unwissenden die Augen öffnen.

Vorab: eine Depression ist eine Krankheit! Dennoch sind noch immer viele Irrtümer darüber im Umlauf und halten sich hartnäckig. Dabei kann eine Depression bei jedem auftreten auch bei Menschen denen es gut geht, die in einer glücklichen Partnerschaft leben oder beruflich erfolgreich sind. Es hat viel mit Veranlagung zu tun, wenn man diese Veranlagung hat, ist das Risiko groß, in diesen speziellen Zustand hineinzurutschen.

In den nachfolgenden Wochen/ Monaten möchte ich daher das Thema häufiger behandeln und von meinen Erfahrungen sowie meinem Krankheitsbild berichten. Ich möchte zeigen, dass keineswegs nur jene, die psychisch labil oder schwach sind eine Depression bekommen können. Zeitgleich aber auch Methoden und Möglichkeiten näher bringen, diesen täglichen inneren Kampf zu lindern beziehungsweise Wege vorzeigen die Betroffenen helfen können. Denn niemand kann das besser beurteilen als jemand der seit Jahren damit zu leben hat.

 

Depressionen behandeln Teil I: Medikamentöse Behandlung

Bevor ich mich für eine psychotherapeutische Behandlung entschieden habe, galt mein Hauptaugenmerk der medikamentösen Behandlung. Tatsächlich ist es sehr wichtig, sich vorab mit den Möglichkeiten einer solchen Behandlung auseinanderzusetzen, denn nur wenn man von überzeugt ist, nimmt man das antidepressiv wirksame Medikament auch regelmäßig und über einen ausreichend langen Zeitraum ein.

Meine ersten Erfahrungen habe ich vor gut 5 Jahren in einer psychiatrischen Einrichtung nahe meiner Heimat gemacht. Zu jenem Zeitpunkt war ich Patient dieser Anstalt und schloss eine Art Vertrag mit der Klinik ab, indem ich mein Einverständnis gab mich mit Medikamenten jeder Art behandeln zu lassen. Antidepressiva waren keineswegs fremd für mich, dennoch hatte ich bis dato nie ein solches Medikament genommen.

Anfangs stand Mirtazipin auf meinem Plan, ein Arzneistoff aus der Gruppe der noradrenergen und spezifisch serotonergen Antidepressiva. Der Wirkstoff Mirtazipin wird im deutschsprachigen Raum für die Behandlung von mittleren bis schweren depressiven Erkrankungen verwendet.

Lange haben die Schmelztabletten mich allerdings nicht begleitet, denn plötzlich traten ungeahnte Nebenwirkungen auf, die mich sogar in eine Spezialklinik brachten. Für einen Moment stand meine Welt still und mit ihr mein Leben an einem seidenen Faden.

Die Angst den Medikamenten gegenüber wuchs dadurch enorm an.

 

Behandlung mit Antidepressiva

Ob eine medikamentöse Behandlung sinnvoll ist, sollte man immer mit dem behandelnden Arzt absprechen. Denn die Behandlung damit hängt immer vom Schweregrad der Depression, aber auch den Präferenzen des Patienten ab. Bei leichten Depressionen kann daher erstmal auf die Einnahme von Antidepressiva verzichtet werden, während es für eine schwere Depression von Nöten ist.

Anders als eine Schlaf- oder Schmerztablette wirken Antidepressiva nicht unmittelbar nach der Einnahme. In der Regel zeigt sich erst nach etwa ein bis zwei Wochen täglicher Einnahme eine Abnahme der depressiven Symptome. Hinzu können (!, müssen aber nicht) sogenannte Nebenwirkungen aufkommen die von Übelkeit bis hin zu Gewichtszunahme/- verlust reichen können. Menschen reagieren auf Antidepressiva unterschiedlich!

Um langfristig einen Rückfall zu vermeiden, sollten die Medikamente natürlich täglich eingenommen werden. Ich habe mir hierfür einen festen Zeitplan angelegt um die Einnahme keineswegs zu vergessen. Eine Art Ritual unterstützt mich dabei, schließlich gibt es auch in meinem Leben Phasen, in denen ich die Einnahme der Medikamente verweiger und hoffe endlich ohne auszukommen.

 

Medikamentöse Behandlung – sinnvoll?

Eine medikamentöse Behandlung kann Besserung verschaffen zeitgleich aber auch allerhand Nebenwirkungen hervorrufen. Ob sich demnach eine Therapie lohnt kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden, schließlich reagiert jeder unterschiedlich darauf. Ich für meinen Teil möchte meine Medikamente aktuell allerdings nicht mehr missen wollen und bereue es keine Sekunde mich für diesen Schritt entschieden zu haben. Nicht immer bin ich zufrieden mit der Wirkungsweise und den enthaltenen Stoffen, dennoch fühle ich mich seit dieser Entscheidung deutlich besser. Meine Suizidgedanken und – versuche haben sich seither drastisch reduziert, ich schneide mich nicht mehr auf und habe nur noch wenig Angst vor fremden Menschen. Selbst Berührungen jeglicher Art fühlen sich angenehmer und erträglicher an. Trotz allem wünsche ich mir irgendwann ohne Antidepressiva leben zu können.

Janine

 

Im nächsten Teil meiner Serie „Depressionen behandeln“ wagen wir einen Blick auf die psychotherapeutische Behandlung und sprechen darüber, ob man das vorher gemeinsam festgelegte Therapieziel erreichen kann.

 

24 Kommentare

  1. Svenja
    28. Dezember 2017 / 11:58

    Ich finde es sehr gut, dass du darüber reden bzw auch aufklären möchtest. Depressionen sind in Deutschland immer noch ein tabu Thema und wird runtergespielt bzw nicht ernst genommen! Ich habe eigene Erfahrungen machen können.

    • Calista
      Autor
      28. Dezember 2017 / 12:01

      Ist aber doch echt schade und traurig das man als Betroffener nicht frei reden darf/kann. Die Leute haben leider alle noch einen Stock im Hintern..

  2. Manuela Leipold
    28. Dezember 2017 / 12:07

    Ich kenne das Gefühl hätte ich damals meinen Sohn nicht gehabt wüsste ich nicht ob ich heute noch hier wäre… ich war in einem tiefen Loch und hab mich komplett zurück gezogen.. es war sein Vater dran schuld das ich in so ein Loch gefallen bin er hat mich nach der Trennung 3 Jahre bedroht und gestalkt auch mein Umfeld auch jetzt nach Jahren ist die Angst noch da die wird man nicht mehr los leider hat mein Sohn das auch alles mit bekommen und seitdem sind wir andere Menschen

    • Calista
      Autor
      28. Dezember 2017 / 12:39

      Das glaube ich. Mein größter Halt ist mein Kater Chaley ohne den ich heute nicht mehr hier wäre. Es ist echt schön zu wissen das es Menschen, Tiere gibt, die uns in diesem Punkt so beeinflussen, dass wir die Entscheidungen nochmal überdenken

      • Manuela Leipold
        28. Dezember 2017 / 12:45

        Er war damals 3 er leidet jetzt auch noch drunter er ist einfach die wichtigste Person für mich und ich versuche immer alles damit er glücklich ist…

  3. Daniela
    28. Dezember 2017 / 12:09

    ich weiß gar nicht, warum so viele so negativ denken über diese Medikamente…. ja, sie haben Nebenwirkungen… haben wir auch spüren dürfen… radikale Gewichtszunahme, das Gefühl „zugedröhnt“ zu sein anfangs war schon arg (nicht ich, aber jmd, der mir sehr eng steht), war schon komisch… allerdings waren die häufigen Besuche auf Intensiv viel schlimmer, die Angst, sie zu verlieren… seit einem Jahr ist „Ruhe“, Medikamente nimmt sie derzeit keine mehr, macht aber weiterhin Therapie… ich bin froh, dass sie diesen Weg gegangen ist…

    • Calista
      Autor
      28. Dezember 2017 / 12:37

      Die Medikamente sind keineswegs ohne. Mal abgesehen von den Nebenwirkungen ala Gewichtszunahme etc können Antidepressiva weitaus mehr. Ich beispielsweise kam aufgrund dieser Medikamente (damals Mirtazipin) in eine Spezialklinik weil mein Kopf „aus“ war. Ich war einen Moment nicht mehr unter uns und das nur wegen dieser Medikamente. Lag dann ewig in dieser Spezialklinik und musste allerhand Tests über mich ergehen lassen, weshalb ich seither vorsichtig an Antidepressiva heran gehe.

  4. Martina Tinchen Balve
    28. Dezember 2017 / 12:16

    Dankeschön liebe Janine das du so offen darüber sprichst ! Hab durch meine Depression eine angststörung entwickelt…agrophobie die angst vor dem raus gehen.leider nimmt so mancher diese Krankheit nicht ernst !Das macht mich oft sehr traurig.ganz liebe grüße Tinchen

    • Calista
      Autor
      28. Dezember 2017 / 12:39

      Das kenne ich. Bei mir hat sich auch dadurch eine massive Angststörung entwickelt die leider auch heute noch präsent ist.

  5. Astrid Scholz
    28. Dezember 2017 / 12:21

    Ich verfolge ja so ziemlich von Anfang an deine Berichte. Und finde es schön das du deinen Weg gehst,und auch mitteilen kannst wie dein Gesundheits Zustand ist . Da ja leider die Öffentlichkeit das gerne verschweigt ! So etwas ist ernstzunehmen und sollte der Öffentlichkeit mehr bekannt gemacht werden. Hoffe für dich das es weitere Erfolge gibt bei dir . Danke dir für deine Worte hier wieder . LG Astrid

    • Calista
      Autor
      28. Dezember 2017 / 14:32

      Kann es irgendwie auch nicht nachvollziehen warum man bei einer solchen Krankheit die Augen verschließt und lieber schweigt. Dabei ist es so wichtig

  6. Sylvia Strätz
    28. Dezember 2017 / 12:27

    Mir geht es ähnlich. Leider ist trotz Tabletten keine Besserung in Sicht. Ich verkrieche mich weiterhin und möchte oft einfach nicht mehr sein. Auch in der Reha konnte mir nicht geholfen werden. Einen Punkt konnte ich abschließen, aber ich habe einfach zu viele Baustellen. Seelisch wie körperlich. So richtig kann mein Mann damit nicht umgehen. Ich fühle mich sehr oft allein gelassen. ich wünsche mir, das sich das Blatt nun mal wendet und das ich wieder Lebensfreude gewinne. LG Das Thema ist sehr interessant und ich bleibe bei dir.

    • Calista
      Autor
      28. Dezember 2017 / 12:42

      Ich wünsche dir das sich deine aktuelle Situation bessert. Ich weis genau wie es dir geht und kann jeden deiner Sätze nachvollziehen. Halte durch und ja..lass dich virtuell drücken <3

  7. 28. Dezember 2017 / 12:51

    Ich drücke dir die Daumen das es auch irgendwann ganz ohne Medikamente klappt, bei mir selbst hat es zwar gefühlt ewig gedauert aber irgendwann kam der Punkt an dem es auch endlich wieder ohne ging. LG Petra

    • Calista
      Autor
      28. Dezember 2017 / 14:48

      Ich arbeite aktuell darauf hin und hoffe in ein paar Jahren dann frei von dem Zeug zu sein :)

  8. Nicole Horst
    28. Dezember 2017 / 12:58

    Finde ich toll das du darüber schreibst. Auch ich bin depressiv und kenne eine Andere Art von Selbstverletzung. Ich bringe mich immer wieder in Situation in denen ich ärger bekomme. Ich halte Termine nicht ein oder mache Dinge die mir und meinen Körper schaden. Es gibt Tage an denen ich nicht vor die Tür gehen mag. Ich nichts machen kann. Suizid Gedanken hatte ich allerdings noch nicht.

    • Calista
      Autor
      28. Dezember 2017 / 14:48

      Oh das klingt aber auch nicht gut!

  9. Mucksmottestill
    28. Dezember 2017 / 13:27

    Oh eine sehr interessante Serie.
    Leider bin ich wohl selbst zum Experten meiner Krankheiten und anderem auch Depressionen geworden. Viele stationäre Aufenthalte liegen schon hinter mir.
    Bezüglich der Medikamente kann ich deine Position sehr gut verstehen und muss leider sagen, dass vielen Ärzten gar nicht bewusst ist was sie da eigentlich verordnen.
    Ich habe aufgrund einer Neuverordnung alles verloren. Innerhalb von Stunden nach der ersten Einnahme ging ist mir so schlecht. Aber das wird dann noch als „normal“ abgetan.
    Ich bin keine „nimm bloß nichts“ aber durchaus kritisch und leider von unseren Ärzten/Kliniken mehr als enttäuscht.

    Am meisten jedoch davon, dass nicht alles körperliche vorher ausgeschlossen wird. Nach über einem Jahrzehnt stellte sich bei mr eine starke Hormonelle Störung raus, die wahrscheinlich ein Großteil meiner Tiefs ausmachte.
    Aber allein der hinweis meinerseits bei diversen Ärzten wurde jahrelang abgetan.
    Ach ich könnte über all das auch eine ganze Serie, Bücher schreiben.
    Toll dass du den Anfang machst!

    LG mucksmottestill

    • Calista
      Autor
      28. Dezember 2017 / 14:47

      Stimmt, körperlich wurde bei mir damals auch nichts vorher „geprüft“ o.ä. Auch heute noch bekomme ich einfach mal n paar Medikamente ohne irgendwie die Organe beziehungsweise das Innere des Körpers zu beobachten. Sehr komisch…

  10. 28. Dezember 2017 / 13:53

    Hi Janine.
    Depris viele Jahre mein Begleiter Kliniken kann ich nicht mehr zählen.
    Tabl ich war Versuchskaninchen
    Wurde Medi Abhängig
    Das was mir am Ende half
    Stationäre Langzeittherapie.
    Finde es super was Du aus Dir gemacht hast und wünsche Dir für 2018 weiter so !

    • Calista
      Autor
      28. Dezember 2017 / 14:30

      Danke, das wünsche ich dir auch.

      Das klingt aber nicht gut. Hoffen wir auf Besserung

  11. Katrin Westphal
    29. Dezember 2017 / 14:21

    Ich finde, dass man mit dem Thema offener umgehen sollte, weil es heutzutage alltäglich ist und doch irgendwie tot geschwiegen wird … Es gibt viele Vorurteile und da gebe ich dir vollkommen recht! Ich kenne aus meinem Umfeld welche mit Depressionen und es sind keinerlei schlechte Menschen oder welche, die alles negativ sehen…wie du schon sagst kann es auch den glücklichsten Menschen Treffen.danke, dass du dieses Thema, auch, wenn du selbst betroffen bist, nicht in dich hineinfrisst und uns etwas teilhaben lässt..

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