Depressionen behandeln Teil IV: Tiertherapie

26. Februar 2018Calista

Immer dann, wenn mein Leben auf der Kippe steht und ich nicht mehr weiter weiß, umarme ich meine Katze. Aufgrund des Mobbings vergangener Tage zog ich mich immer mehr zurück. Damals eher unbewusst, heute hingegen absichtlich.

Ich bin eine von vielen die mit einer sozialen Phobie ihr Leben meistern muss. Das heißt ich gehe gesellschaftlichen Zusammenkünften aus dem Weg, fürchte sie und meide sie vorsätzlich aus Angst die Erwartungen anderer nicht erfüllen und auf Ablehnung stoßen zu können. Ich fürchte, dass man mir meine Nervosität oder Angst ansehen könnte, was diese zeitgleich noch weiter verstärkt. Begleitet wird diese Furcht von körperlichen Symptomen wie Zittern, Herzrasen, Atemnot, Verkrampfungen und Sprechhemmungen sowie häufigen Versprechern. Dicht gefolgt von starken Magenschmerzen, Übelkeit und Panik.

Um all das zu vermeiden, gehe ich sozialen Situationen gezielt aus dem Weg. Dies erschwert nicht nur ein berufliches sondern auch privates Weiterkommen und kann mitunter zu vollkommener sozialer Isolation führen.

Wann genau meine soziale Phobie begann weiß ich nicht. Allerdings war ich bereits in jungen Jahren sehr verhalten anderen gegenüber und blieb lieber in meinem sicheren Umfeld. Allein!

 

Depressionen behandeln Teil IV: Tiertherapie

Aktuell sind meine Ängste wieder präsenter denn je, weshalb ich alleine kaum noch meine Wohnung verlasse. An Tagen wie diesen denke ich viel über mich und mein Leben nach. Die Frage nach dem „Warum“ ist dabei greifbar nah, eine passende Antwort habe ich aber bis heute nicht finden können.

Während meiner Aufenthalte in psychiatrischen Einrichtungen (dazu bald mehr) habe ich jedoch eine „Möglichkeit“ gefunden dieser Phobie zumindest ein bisschen entgegen zu wirken: Tiertherapie.

Studien haben ergeben, dass sich Menschen besser fühlen, wenn sie körperlichen Kontakt mit anderen haben. Der gleiche Effekt konnte aber auch mit Haustieren nachgewiesen werden. Eine Streicheleinheit für Hund oder Katze tut demnach auch dem Halter gut. Kein Wunder also, dass auch in psychiatrischen Einrichtungen wie etwa einer Tagesklinik oder Psychiatrie mittlerweile Tiere als Therapeuten eingesetzt werden. Vor allem Hunde strahlen eine bedingungslose Zuneigung aus, die Symptome der Krankheit lindern und zu ihrer Heilung beitragen können.

 

Tiertherapie während eines Klinikaufenthaltes in der Psychiatrie

Mein letzter Klinikaufenthalt ist schon einige Monate her, beim Gedanken daran muss ich aber heute noch schmunzeln. Erstmals durfte ich aufgrund der schwere meiner Erkrankung an einer tierbegleitenden Therapie teilnehmen, die außerhalb der Klinik stattfand. Hierfür musste ich einmal in der Woche mit einer kleinen Gruppe ausgewählter Patienten in das nah gelegene Tierheim fahren. Vor Ort bekamen wir dann einen Hund zugeteilt, mit dem wir die nachfolgenden Wochen regelmäßig Gassi gehen konnten. In meinem Fall handelte es sich um einen kleinen Mischling namens Jack, ein niedlicher Wirbelwind der mein Herz im Nu erobern konnte. Jack „das Känguru“ begrüßte mich stets mit einem freundlichen Blick, wedelte dabei aufgeregt mit seiner Rute und schlabberte mich sofort von Kopf bis Fuß ab. Es waren Augenblicke die nicht wertvoller hätten sein können. Momente, die mir heute noch Tränen in die Augen treiben. Denn obwohl wir uns nicht kannten, war sofort eine Verbindung zu spüren. Ich hatte nach langer Zeit endlich wieder dieses Gefühl in mir…Freude?!

Es war schön gebraucht zu werden, jemanden bei sich zu haben der ebenfalls nicht perfekt war.

Jack aus dem Tierheim Wunsiedel-Breitenbrunn

 

Tiergestütze Therapie – eine Wohltat für die Seele

Zwar bin ich aktuell in keiner Klinik mehr, dennoch nehme ich bald wieder aktiv an einer Tiertherapie teil. Anders als bisher wird das Therapietier dann jedoch nicht mehr „nur“ ein Hund sondern auch ein Pärchen Minischweine sein. Mehr dazu gibt es dann in Kürze hier zu lesen.

Janine

Habt ihr schon Erfahrungen mit einer Tiertherapie gemacht?

14 Comments

  • Ivonne

    26. Februar 2018 at 15:49

    Nein ich habe noch nie Therapieerfahrungen gemacht,aber ich finde Tiere sind ehrlicher als Menschen. Danke das du uns immer so ehrlich und tief in dein Leben gucken lässt.

    1. Calista

      26. Februar 2018 at 18:43

      Manchmal fällt mir das schwer. Hab doch irgendwie immer etwas Angst es würde jemand mit Absicht dann darauf rumreiten^^

  • Ilse Schwerter

    26. Februar 2018 at 15:53

    Liebe Janine, Tiere helfen uns Menschen in so vielen Lebenslagen. Mein Mann hatte einen Schlaganfall und unsere Miezi hat Tag und Nacht neben ihm verbracht, bis seine Verletzungen (der Schlaganfall war beim Motorradfahren) verheilt waren. Schön, dass du über deine Erkrankung und die Therapien berichtest, so wächst das Verständnis für Vieles in meinem Umfeld. Ich drücke dich aus der Ferne und sende dir liebe Grüße

    1. Calista

      26. Februar 2018 at 18:42

      Vielen lieben Dank das du deine Erfahrung diesbezüglich mit mir teilst! Ich finde das super das eure Miezi so wundervoll zur Seite stand. :)

  • danivomdach

    26. Februar 2018 at 17:46

    Ich wäre gerne Tiertherapeutin geworden. Wenn ich in meinem erlernten Job als Ergo gearbeitet hätte, hätte ich auch gerne einen Hund gehabt und hätte ihn zum Therapiehund ausgebildet / ausbilden lassen. Leider geht es mit nach dieser Ausbildung selbst nicht gut, sodass ich den tierischen Therapeuten selbst gut gebrauchen kann. Ich war aber ab und an mal bei Therapieeinheiten mit einem Therapiehund dabei und es war einfach toll zu sehen, wie sich die Menschen öffneten. DAS sind die wirklich wichtigen Therapieeinheiten :)

    1. Calista

      26. Februar 2018 at 18:41

      Bin auch erstaunt wie mega sowas ist. Ich hatte bis dato immer mega coole Therapeutin und noch coolere Tiertherapeuten und bin jetzt schon auf meine neue „Hilfe“ gespannt :D

  • Mandy

    27. Februar 2018 at 1:36

    Danke für deinen Beitrag! Ich kannte das Prinzip der Tier Therapie noch gar nicht. Ich finde es toll, wie offen und ehrlich du über soziale Phobie sprichst. Ich kann dich sehr gut verstehen und fühle mit dir. Ich hasse es und es ist tagtäglich eine Qual. Mir kommt immer so vor, als kennen die meisten Menschen SP gar nicht. Schön, dass du klar darüber schreibst .
    Wünsche dir alles Gute!

    1. Calista

      27. Februar 2018 at 10:08

      Danke, das wünsche ich dir auch :)

  • Kerstin K.

    27. Februar 2018 at 10:02

    Guten Morgen,
    die Therapieform kannte ich noch gar nicht. Kann mir aber vorstellen, wie sehr sie hilft. Habe eben mal im Internet gesucht, aber hier in unserer Nähe gibt es so eine tolle Therapie anscheinend nicht.
    Ich bin schon gespannt darauf, mehr über deine bald beginnende Therapie zu lesen. Minischweine sind so süß <3

    1. Calista

      27. Februar 2018 at 10:08

      Meistens werden solche Therapien nur in Kliniken praktiziert, ich habe allerdings den Vorteil eine Therapeutin persönlich zu kennen die das mit ihren Tieren in der Psychiatrie macht :) demnach geht das so einfach hihi^^

      1. Kerstin K.

        27. Februar 2018 at 10:34

        Achso :) Dann hast du ja richtig Glück :) Wünsche dir alles Gute :)

  • Marion Salentin-Gelhard

    27. Februar 2018 at 14:27

    Weißt Du, ob Jack mittlerweile eine Familie gefunden hat?

    1. Calista

      27. Februar 2018 at 14:41

      Ja, er wurde während meines Aufenthalts in der Klinik vermittelt :)

  • Sann

    28. Februar 2018 at 10:30

    Hallo Janine,

    vielen Dank für deinen Mut einiges aus deinem Leben preis zu geben und ich weiß, dass es wichtig ist für dich, dass du dich hier öffnest (im Unterbwusstsein). Die Seele braucht Nähe/Verständnis/Liebe. Ich habe auch Schübe und verkrieche mich vor der Aussenwelt. Wenige Menschen lass ich an mich heran und Tiere erhalten allein dann Zugang, weil ich spüre, sie sind die Wesen, die es ehrlich meinen und nicht (vor-)urteilen.Musik hilft auch und sie wirkt wie Magie. Liebe Grüße und Dankeschön=)

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