Dieser Weg – Zurück ins Leben

Werbung/ Seit etwa 20 Jahren treten psychische Erkrankungen immer häufiger in der Gesellschaft auf. Experten befürchten sogar, dass sie im 21. Jahrhundert zu einer Epidemie werden könnten. Etwa jeder vierte Deutsche wird demnach mindestens einmal im Leben mit einer psychischen Krankheit konfrontiert, die jedoch mit modernen und theoriegeleiteten Konzepten weitgehend gelöst werden kann. Doch nicht immer kann eine Depression oder emotional instabile Persönlichkeitsstörung behandelt werden, weshalb Ärzte gerne auf eine medikamentöse Behandlung zurückgreifen, die jedoch lediglich die Symptome oder Verhaltensweisen lindern.

Vor mehr als 4 Jahren wurde auch mir die Diagnose „Borderline-Persönlichkeitsstörung“ (BPS) offenbart, die binnen kürzester Zeit mein Leben auf den Kopf stellte. Bei dieser Störung sind bestimmte Vorgänge in den Bereichen Gefühle, Denken und Handeln stark beeinträchtigt. Dies wirkt sich durch „negative“ und teilweise paradox wirkende Verhaltensweise in zwischenmenschlichen Beziehungen sowie gegenüber sich selbst aus. Während ich mich längst daran gewöhnt habe und meinen Alltag dementsprechend gestalte, ist es für meine Mitmenschen immer wieder eine Qual zu sehen, wie selbst die alltäglichen Dinge nur bedingt funktionieren. Die Folgen von Mobbing haben meine Lebensqualität im Nu getrübt. An schweren Tagen fühle ich mich leer, wie eine Hülle – nur mein Pulsschlag ist in dieser Zeit präsent. Seither fühle ich mich gefangen in meiner eigenen, persönlichen Hölle, gefangen in meinem Körper mit Gedanken welche ich weder möchte noch abzuschütteln vermag.

Um dem entgegenzuwirken, greife ich seither bewusst auf allerhand Skills zurück, die im Ernstfall helfen können. Ab einer Anspannung von 70% und mehr können demnach lediglich diese sogenannten Skills helfen, die starke sensorische Reize auslösen. Psychologen empfehlen hier eine Liste an unterschiedlichsten Helferchen wie Chilischoten essen um wieder ein Gefühl zu bekommen, in die Waschmaschine gucken um den Stress schwinden zu lassen oder Coolpacks auf die Haut legen um den Moment zu fühlen/ wahrzunehmen. Für viele mag das ziemlich seltsam klingen und auch etwas erschreckend erscheinen, aber für Borderline-Betroffene, die häufig jeglichen Hochstresssituationen ausgesetzt sind, sind diese Skills wirksame Hilfsmittel, um eine derart hohe Anspannung möglichst schnell zu beenden. Für mich waren Stresssituationen zuvor sehr unangenehm, denn sie forderten innerlich Selbstverletzungen die seither meinen Körper zieren. Nach unzählig vielen Klinikaufenthalten habe ich jedoch endlich etwas gefunden, dass auch langfristig hilft und den Druck sich selbst zu verletzten mindert: bommeln!

Bommelsitzkisten

Bommelsitzkisten selbstgemacht

Bommelsitzkisten

Bommelsitzkisten / sehr bequem

Bommelsitzkisten

Bommelsitzkisten

„Bommeln“ ist tatsächlich eine ganz alte Kulturtechnik, die in Handarbeit gemeistert werden kann. Eine Bommel beinhaltet demnach in ihrem Kern einen Knoten, der aus vielen Fäden gebildet wird oder diese zusammenhält, die dann als Fransen heraushängen. Hierfür bedarf es lediglich ausreichend Wolle die in sehr großer Auswahl an verschiedenen Farben käuflich zu erwerben ist. Die fertigen Bommeln können anschließend als Handgriff an Mützen oder Reißverschlüssen verwenden werden, sind aber vor allem in Deutschland auch als modisches Accessoires beispielsweise an traditionellen Kleidungsstücken beliebt. Ich hingegen benutze die Bommeln aus Wolle lediglich als Zierde, denn mit ihnen lässt sich binnen kürzester Zeit ein wunderschöner und individuell gefertigter „Sitzteppich“ für beispielsweise einen harten Bürostuhl zaubern. Hierfür werden circa 100 Bommeln benötigt die anschließend kreisförmig mit dem Mittelfaden auf ein Stück Stickstramin geknotet werden.

Auch wenn das Bommeln meine Krankheit nicht schwinden lässt, können zumindest für den Moment die „negativen“ und teilweise paradox wirkenden Verhaltensweisen vermieden werden. Für mich demnach ein wollig schönes Hobby, dass ansprechende Wohnaccessoires ermöglicht, die keiner zu Hause stehen hat. zwinker

Janine

13 Kommentare

  1. Melanie
    16. September 2016 / 8:55

    Wenn ich die Bommel sehe, denke ich sofort an meine Schulzeit. Da haben wir die auch gemacht. Ein Ring aus Pappe ausschneiden, Loch in die Mitte und los ging es

    • Calista
      Autor
      16. September 2016 / 10:01

      Hehe ich habe dafür so ein Plastikteil :D

  2. martina müller
    16. September 2016 / 9:54

    meine liebe ich finde es gut das du eine Methode gefunden hast die Stresssituationen in den griff zu bekommen und noch dazu sowas individuelles, passt irgendwie total zu dir da du ja schon auf deinem blog zeigst das du sehr kreativ bist . deine katzen haben doch sicher auch ganz viel Freude an den bommeln oder g. das experten in die Waschmaschine gucken empfehlen finde ich irgendwie etwas seltsam aber ok wenn es hilft gut ich glaub ich würde dann eher an den see gehen den du da hast und aufs wasser schauen das hat ja auch was sehr beruhigendes. ich finde es prima das du dir dein leben so gut wie es geht zurückerobert hast und auch weiter eroberst. lg Tina

    • Calista
      Autor
      16. September 2016 / 18:40

      Danke für deine netten Worte :)

  3. 16. September 2016 / 14:05

    was für eine coole Idee
    und es sieht auch noch so süß aus! :)

    • Calista
      Autor
      16. September 2016 / 18:39

      Danke, ist auch wirklich schnell gemacht :)

  4. 16. September 2016 / 14:06

    was für eine coole Idee
    und es sieht auch noch so süß aus! :)
    Liebste Grüße!

  5. nici
    16. September 2016 / 20:56

    Huhu meine Liebe..
    Also erst einmal finde ich es interessant und sehr gefühlsvoll geschrieben.
    Danke, dass du deine Geschichte mit uns Teilst und dein Leben lebst und dich nicht unter kriegen lässt.

    Das Bommelkissen ist wirklich zuckersüß.
    Wäre auch was tolles für uns. Aber ich glaube, die Mitze würde es kaputt machen.

    Alles liebe

    • Calista
      Autor
      16. September 2016 / 20:58

      Ich glaube das würden meine auch am Liebsten machen :)

  6. 16. September 2016 / 21:51

    Ich wünsche Dir zunächst mal ganz viel positive Dinge im Leben.Ich kann ein wenig mitfühlen ,wenn auch nicht so sehr schlimm.Ich habe für mich das Häkeln und Malen entdeckt .Tja ,es ist ist schon ein Kreuz ,vor allen Dingen tut das Unverständnis der Menschen oft weh.Aber Deine Bommeln sind echt chic .Mach weiter so !

  7. 17. September 2016 / 9:14

    Sehr interessant dich hier näher kennen zu lernen! Und vor allem absolut ehrliche Worte! Fondet man sehr selten auf einem Blog ;-)
    Ich wünsche dir nur das Beste auf deinem Weg!
    Liebste Grüße und viel Spaß beim bommmeln!
    Lizzi

  8. 17. Oktober 2016 / 15:53

    Bommeln! Gott, ich find das ja so süß <3
    Ich hab zwar keine Borderline-Störung aber dafür ewige Angst- und Panikattacken. Auch die krieg ich nur in den Griff, in dem ich mich irgendwie von der Angst ablenke. Bommeln könnt mir da glaube ich auch ganz gut gefallen ;-) Ich find dieses Sitzkissen ja so knuffig.
    Auch gerade für die Katzen, sollen sie ruhig zerfleddern.

  9. Tamara Treichl
    19. Oktober 2016 / 8:43

    Vielen lieben Dank das wir an deinem Leben teilhaben dürfen.Ich finde es immer wieder erstaunlich wie offen du über dein Leben sprichst.Ich wünschte ich könnte das auch,denn das heißt für mich das man sich von nicht’s und niemandem unterkriegen lässt.Bommeln finde ich eine tolle Beschäftigung,vor allem mit meinen Kindern.

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