Eine schmerzhafte Diagnose: Ich kann keine Kinder mehr bekommen

31. August 2018Calista
Blog post

Leider gibt es nur wenige Forschungsergebnisse zu der Frage, wie und ob sich vor und während der Schwangerschaft eingenommene Antidepressiva auf ein Baby auswirken. Demzufolge sollten Frauen, die Antidepressiva einnehmen, die eventuell gefährlich für den Nachwuchs werden könnten, rechtzeitig mit ihrem Arzt sprechen. So kann rechtzeitig auf eine andere Medikation zurückgegriffen werden um Risiken für das Ungeborene zu vermeiden. In meinem Fall kam diese „Info“ jedoch zu spät.

Kinder sind etwas wundervolles, schon ihr Lächeln am Morgen verzaubert den Augenblick. Sie schenken so viel Liebe und Wärme, lernen täglich etwas neues dazu und bereichern dadurch den Alltag auf ihre Weise. Für mich stand schon in jungen Jahren fest, dass ich später einmal viele Kinder möchte. Doch mit den Jahren stellte ich fest, dass an Nachwuchs erstmal nicht zu denken sei. Vielmehr wollte ich Karriere machen und damit das große Geld verdienen. Nichtsdestotrotz wurde ich irgendwann schwanger und strahlte vor Glück. Nie hatte ich mir erträumt, ein solch wundervolles Gefühl wahrnehmen zu können. Jeden Morgen streichelte ich meinen Bauch und redete mit dem Nachwuchs. Gemeinsam meisterten wir den Alltag, standen vor Spielwarengeschäften und träumten von einem erfüllten Leben. Doch wenige Woche später musste ich auch schon Abschied nehmen und mein Ungeborenes zu den Engeln ziehen lassen. Meine Gefühle sprangen im Kreis, sorgten für miese Stimmung und rissen mir den Boden unter den Füßen weg.

Ich bin meinen Weg gegangen, jedoch ohne mein Kind.

 

Mit Antidepressiva schwanger werden?

Mittlerweile bin ich 28 Jahre jung und kann auf ein wundervolles Leben zurück blicken. Seit über 4 Jahren beziehe ich aufgrund von Krankheit nun eine volle Erwerbsminderungsrente und nehme seither auch eine Vielzahl an Medikamenten ein. Mobbing und ein damit verbundenes Trauma haben meine Karrierepläne völlig über den Haufen gerissen und mein Leben um 180° drehen lassen. Noch immer habe ich mich mit dieser Situation nicht abgefunden, arbeite zeitgleich aber auch fleißig an einer Besserung. So besuche ich eine Vielzahl unterschiedlicher Therapien und nehme starke Medikamente ein. In der Hoffnung irgendwann ein ganz normales Leben führen zu können. Ohne Angst. Ohne Depressionen und ohne den Drang sich verletzen und umbringen zu wollen.

Trotz meiner Vorgeschichte, dem damit verbundenen Trauma und den starken Medikamenten ist der Wunsch nach einem weiteren Kind enorm. Schon seit Jahren versuche ich daher, diesen Traum zu erfüllen – ohne Erfolg. Nun kenne ich auch den Grund dafür: meine Antidepressiva sind schuld!

Tatsächlich ist die Forschung in diesem Punkt noch ziemlich am Anfang. Klar kann man mit Antidepressiva schwanger werden und ein gesundes Kind zur Welt bringen, meine Tabletten stellen dafür jedoch ein erhöhtes Risiko dar. Das heißt, mein Kind würde krank/ behindert zur Welt kommen, einen Herzfehler vorweisen oder bereits während den ersten Schwangerschaftsmonaten sterben.

Einige Quellen geben jedoch an, dass bestimmte Formen von Antidepressiva während der Schwangerschaft nur ein geringes Risiko darstellen. Dazu gehören trizyklische Antidepressiva, Bupropion, Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer und bestimmte Arten selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Die Forschung hat zudem gezeigt, dass andere Arten von Antidepressiva, wie Citaolpram, Fuoxetin und Sertralin, die in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft eingenommen werden, in einigen Fällen zu schwerwiegenden Lungendefekten beim Neugeborenen führen. Paroxetin hingegen kann schwere Schädel- und Herzfehler verursachen.

 

Ein Schock? Nein vielmehr ein Schlag ins Gesicht!

Ich kann und möchte kein Kind auf die Welt bringen, dass aufgrund meiner Krankheit ein solches Leben führen muss. Lieber verzichte ich auf meinen eigenen Kinderwunsch, als das ein Lebewesen deswegen behindert zur Welt kommt. Die ersten Tage nach dieser Diagnose waren ganz normal. Vielleicht habe ich zu diesem Zeitpunkt auch einfach nicht realisieren wollen, was das für meine Zukunft bedeutet.

In einer solchen Situation verzweifelt man innerlich. Man schiebt sich die Schuld zu, wird von Hass und Wut zerfressen und denkt natürlich auch erstmal wieder an Suizid. Zeitgleich beginnt man nach Alternativen zu suchen. Leihmutter, Adoption – ein verzweifelter Versuch diesem Wunsch doch nachkommen zu können.

Ob ich jemals wieder Kinder kriegen kann ist fraglich. Aktuell stehen meine Ärzte mit Spezialisten in Verbindung, die hoffentlich eine Möglichkeit finden. Doch bis es soweit ist, wird viel Zeit vergehen. Zeit, die ich meinem Nachwuchs hätte schenken können. Zeit, die von meinem Leben weggeht.

Janine

7 Comments

  • Marcella Andre‘

    31. August 2018 at 14:05

    Hallo Liebes

    Ich kann auch durch meine Medis keine Kinder bekommen…wie du so schön schriebst verzichte ich auch lieber auf ein Kind als das es behindert auf die Welt kommt. Ich kann dich aber sehr gut verstehen, dass der Kinderwunsch dennoch bleibt und man nach alternativen sucht. Persönlich habe ich mich damit abgefunden und ich will jetzt auch keines mehr.

    Liebe Grüße Marcella

  • Ivonne

    31. August 2018 at 18:44

    Ich bin gerade so berührt über deine Worte und hab mein Kloß im Hals. Am liebsten würde ich dich jetzt in den Arm nehmen.

    1. Calista

      31. August 2018 at 19:49

      <3

  • Eleni

    31. August 2018 at 21:00

    Es tut mir immerwieder weh,wenn ich sehe,wie so liebe Menschen wie Du, keine Kinder bekommen.Doch in deinem Fall hoffe ich von ganzem Herzen,dass doch noch eine Möglichkeit gefunden wird.Hab Dich lieb.

    1. Calista

      31. August 2018 at 21:27

      Ich hoffe auf neue Medikamente die sowohl mir als auch dem Kind dann gut tun :)

  • Tina

    31. August 2018 at 21:03

    Ich kann deine Verzweifelung, den Unglauben und das Gefühl der Leer total nachvollziehen. Ich werde leider auch niemals Mama. Es tut so weh, aber, irgenwie geht es auch weiter ❤️

    1. Calista

      31. August 2018 at 21:27

      Es muss ja leider irgendwie weiter gehen

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Previous Post Nächster Beitrag