Erinnerung, lass nach – Die Angst vor der eigenen Vergangenheit

12. August 2018Calista
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Es ist ein Gedanke der mich immer wieder auf die Probe stellt, mir Angst macht und mich in die Einsamkeit drängt. Es gibt Fragen, die gehn unter die Haut. Die nicht leicht zu beantworten sind. Und es gibt Lösungen, die ich jedoch noch immer nicht gefunden habe.

Wenn ich mich schlafen lege, kommen die schlimmsten Bilder zum Vorschein. Ich kann nicht durchschlafen und möchte auch keinen Schlaf finden. Denn sobald ich die Augen zu mache, übernehmen schwere Albträume meinen Körper. Ja, ich würde fast behaupten ich wage Nacht für Nacht einen Blick in die Hölle. Ich kann mein Leben seither nur noch mit starken Antidepressiva bewältigen, ohne die selbst die einfachsten alltäglichen Dinge nicht mehr klappen würden. Ich habe den ganzen Schmerz in mir verschlossen und weiß einfach nicht mit umzugehen. Vielleicht wurde ich auch genau deswegen zur Außenseiterin, weil ich niemanden mehr an mich heranlasse.

„Es müsste doch langsam mal wieder gut sein!?“ – Worte, die mich immer wieder erreichen. Für mich unverständlich und keineswegs nachvollziehbar. Kann oder möchte man mich einfach nicht verstehen? Die Normalität anderer Menschen ist für mich seither unerträglich geworden. Ihr Lachen, ihre Freude – keiner weiß wie es in mir aussieht. Es ist keineswegs mehr alles gut. Mein Leben war zerstört. Ich ertrage es einfach nicht zu wissen, dass ihr Leben normal weitergeht und meins so leicht weggeworfen wurde.

Immer wenn das Blut fließt, habe ich seelisch etwas Erleichterung. Ich fühle mich voll Leben, so real und zeitgleich so leer und fern. Dieses selbstverletzende Verhalten (SVV) wurde schon in jungen Jahren entdeckt aber nie wirklich behandelt. Es beschreibt eine ganze Reihe von Verhaltensweisen, bei denen sich betroffene Menschen absichtlich Verletzungen oder Wunden zufügen. Eine psychologische Erklärung dafür besagt, dass eine Störung des Körperschemas vorliegt, bei der der eigene Körper nicht als dem selbst zugehörig erlebt wird. Doch SVV kann auch zur Selbstbestrafung dienen. Seit jeher lebe ich mit einer sogenannten Borderline-Persönlichkeitsstörung, die für rasche Stimmungswechsel und instabile zwischenmenschliche Beziehungen bekannt ist. Auch ein schwankendes Selbstbild wegen gestörter Selbstwahrnehmung gehört dazu.

 

Die Angst vor der eigenen Vergangenheit – Traumatherapie

Kommende Woche wird diesem Drang nun hoffentlich ein Riegel vorgeschoben. Nachdem ich meinen Psychiater aufgrund von persönlichen Differenzen „ausgetauscht“ habe, wurde ich nun in einem Zentrum für Psychosoziale Gesundheit aufgenommen. Dieses bietet eine Vielzahl an Behandlungsmöglichkeiten die gewiss allesamt Besserung verschaffen. Begonnen habe ich demnach mit einer „einfachen Form“ der Ergotherapie. Alle zwei Wochen sitze ich nun mit einer handvoll Patienten in einem lichtdurchfluteten Raum und male Mandals aus.

Noch habe ich den Sinn dieser Behandlung beziehungsweise Therapie nicht verstanden, dennoch freue ich mich bereits jetzt schon über die nächste Stunde.

Auch starte ich kommende Woche mit meiner ersten Traumatherapie. Wie genau diese Therapie vonstatten geht, ist mir nicht bekannt. Demzufolge ist die Angst davor enorm. Bei der Traumatherapie werden traumatisierende Ereignisse vergangener Tage aufgearbeitet, um so langfristig Besserung zu verschaffen. Schon jetzt merke ich wie mir der Atem im Halse stecken bleibt und mein Körper sich gegen wehrt. Ich habe Angst die Momente der Vergangenheit aufzuarbeiten, wiederzugeben und ein weiteres mal zu durchleben. Zeitgleich hoffe ich auf Besserung, auf ein Leben ohne Angst und Hass gegen mich selbst.

 

„Man kann mich ruhig fallen lassen, ich stehe wieder auf. Ich kann ganz unten sein, ich komme wieder rauf. Man kann mein Herz zerbrechen, wie ein Stück Holz, aber eines zerbricht niemals – mein Wille und mein Stolz!“

 

Hilfe bekommt ihr anonym und rund um die Uhr bei der TelefonSeelsorge: 0800 / 111 0 111 

Denn Sorgen kann man teilen!

Janine

5 Comments

  • Jessica Ramm

    12. August 2018 at 15:33

    Liebe Janine, ich wünsche dir ganz viel Kraft und das die Therapie den gewünschten Erfolg bringt.

    1. Calista

      12. August 2018 at 19:21

      Vielen herzlichen Dank, ich denke positiv :)

  • Ivonne

    12. August 2018 at 20:11

    Ich wünsche dir vom Herzen alles Gute für die Therapie. Bei den Mandalas malen kann ich mir vorstellen,dass du dabei entspannst und dir der Stress genommen werden soll.

  • Christine S.

    13. August 2018 at 22:37

    Viel Kraft und weniger Angst – vielleicht hilft es Dir dass jeder kleine Schritt vorwärts auch wieder für Dich eine kleine Besserung bringt, auch wenn es nicht gleich erkennbar ist. Ich wünsche Dir Therapeuthen die DIch verstehen, annehmen und bei denen Du Dich wohl fühlst.

  • Model und Mama

    3. September 2018 at 22:44

    Hab eine Gänsehaut beim Lesen. Viel viel Kraft weiterhin auch von mir!

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