Gedanken einer Sternenmama zum Muttertag

Muttertag, ein Tag wie jeder andere? Keineswegs! Heute feiern wir unsere Mütter für ihre Liebe, Zuneigung, Kraft und Stärke und verdeutlichen nochmal, wie dankbar wir ihnen sind. Schon im Kindergarten haben wir gelernt diesen Tag zu würdigen und die Muttis mit einer Kleinigkeit zu überraschen. Immerhin machen Mamas rund um die Uhr Unmögliches möglich. Sie sind quasi Multitasker aus Leidenschaft und immer da, wenn man sie braucht.

Eigentlich gehört ihnen jeder Tag, aber einer eben ganz besonders.

Noch vor 1669 Stunden war ich voller Freude und warf Gedanken zu meinem 1. Muttertag in den Raum. Mit Kind unter dem Herzen hätte er etwas ganz besonderes werden sollen. Innerlich träumte ich bereits von den vielen gebastelten Kleinigkeiten, die der Krümmel später aus dem Kindergarten mitgebracht hätte. Dachte an die unzähligen feuchten Küsse auf meiner Wange und an die strahlenden Augen des Nachwuchses. Zeitgleich streichelte ich mit meiner Hand über den Bauch, der zu jenem Zeitpunkt noch die Liebe meines Lebens schützte.

 

Gedanken einer Sternenmama zum Muttertag

 

Und heute? Fast täglich sitze ich vor dem Fenster und starre in den Horizont. Gewiss sitzen in diesem Augenblick meine beiden Sternenkinder auf einer Wolke und toben wie wild umher. Manchmal höre ich sie lachen und sehe ihre freudestrahlenden Gesichter. Spüre ihre Liebe und Freude in meinem Herzen und frage mich, ob sie das gleiche empfinden. Schließe ich die Augen nehme ich sogar ihre zarten Hände wahr, kitzel sie an den Füßen, die so zart und zerbrechlich scheinen, und küsse sanft ihr Haupt.

Sternenmama zum Muttertag

Träume dieser Art zaubern mir ein Lächeln auf die Lippen, lassen mich jedoch auch schnell wieder in der Gegenwart ankommen. Alleine vor dem Fenster sitzend, mit Tränen auf den Wangen und einem zitternden Körper, der den Verlust noch immer nicht wahrhaben will.

Der Tod meines zweiten Kindes vor wenigen Wochen hat mir wahrlich den Boden unter den Füßen weggezogen. Zwar meistere ich meinen Alltag problemlos und gewissenhaft, doch mein Herz schreit. Es ist an diesem Verlust zerbrochen und gefüllt von Schmerz und Kummer. Niemand möchte mit mir über dieses brisante Thema reden. Kaum einer schenkt mir Hoffnung oder eine einfache Umarmung. Nur die wenigsten zeigen Verständnis für meine derzeitige Situation. Ich muss seither alleine damit zurecht kommen und versuchen im Alltag stark zu bleiben. In der Öffentlichkeit überspiele ich meinen Schmerz, doch allein in der Fremde überkommt es mich. Innerlich schreie ich, möchte ausbrechen und einfach nur in den Arm genommen werden. Suche nach Trost, Antworten und Toleranz. Bekomme außer Ablehnung und Schweigen jedoch nichts.

„Trauer kann man nicht sehen,
nicht hören, kann sie nur fühlen.
Sie ist ein Nebel, ohne Umrisse.
Man möchte diesen Nebel packen und fortschieben,
aber die Hand fasst ins Leere.“

Meine Gedanken als Sternenmama zum Muttertag.. Soll es das wirklich gewesen sein?

Janine

15 Kommentare

  1. Sandra Jessen
    12. Mai 2019 / 9:49

    Liebe Janine.. ich drücke dich aus der Ferne und fühle mit dir. Ich weiß, dass es schwer ist, Worte zu finden.. ich habe das Gleiche erlebt und habe mich von Gott und der Welt alleine gelassen gefühlt. Aber ich vergesse niemals meine Sternenkinder (ja, es waren auch bei mir mehrere) und ich freue mich, wenn meine beiden Jungs bei mir sind. Kopf hoch, liebe. Und fühl dich umarmt..

  2. Nicole
    12. Mai 2019 / 10:07

    Liebe Janine, deine Worte gehen sehr zu Herzen. Ich bin selbst keine Mutter (es hat sich nie ergeben und ich habe es auch, ehrlich gesagt, nie wirklich vorgehabt). Aber die Liebe zu meiner Mutter und meiner Oma ist bedingungslos und ehrlich.
    Es tut mir sehr leid, was du mitmachen musstest. Dazu dieses Unverständnis in deinem Umfeld… unbegreiflich. Hast du schon mal daran gedacht, dich nach einer Srlbsthilfegruppe umzuschauen? Möglicherweise bekommst du dort den Trost und die Hilfe, die du so dringend brauchst.
    Fühl dich aus der Ferne gedrückt!

  3. Sann
    12. Mai 2019 / 10:34

    Sende dir meine Umarmung. Spüre deine Liebe in dir, darauf ist Verlass =)*

  4. Anne Trenz-Berty
    12. Mai 2019 / 10:38

    Liebe Janina… bei deinem Text bekomme ich Gänsehaut… und verspüre das Bedürfnis, dich ganz fest in den Arm zu nehmen… Nur ansatzweise kann ich als Mutter dreier Kinder erahnen, wie es dir gehen muss, musste ich doch schon oft um das Leben meiner Jüngsten bangen…
    Ich glaube nicht, dass es das schon gewesen sein soll….
    Lass dir Zeit… und ich bewundere dich für deine Stärke und den Mut, so offen mit diesem Thema, deinen Gedanken und deinen Gefühlen umzugehen…
    Fühl dich gedrückt, und auch für dich ist heute ein besonderer Tag, leider auf eine andere Art, auf einer anderen Ebene…

  5. Ivonne
    12. Mai 2019 / 11:55

    Liebe Janine, deine Worte gehen voll ins Herz. Ich als Mama kann mir den Verlust gar nicht vorstellen. Du bist so viel stärker als ich. Fühl dich ganz lieb umarmt. <3

  6. Anja
    12. Mai 2019 / 12:31

    Hallo!
    Ich kann deinen Schmerz nachempfinden. Auch ich habe ein Sternchen. Wir haben uns jahrelang ein Baby gewünscht, doch der Traum ist schnell zerplatzt. Zurück blieb diese Leere. Ich stürzte mich in die Arbeit und einige Projekte um mich abzulenken, doch es half nur zeitweise.
    Doch bald darauf haben wir zwei gesunde und muntere Kinder bekommen. Nach diesem Verlust, weiß ich das Leben und das Glück gesunde Kinder zu haben richtig zu schätzen. Auch heute sitze ich noch oft da und denke an mein Sternchen. Wie wäre es wohl gewesen…
    Es ist nun im Himmel und passt auf uns auf. Irgendwann sind wir alle zusammen. Ich liebe mein kleines Sternchen, genauso wie meine beiden Jungs.
    Ich wünsche dir ganz viel Kraft! Besinne dich auf die schönen Dinge die du hast und das du eine Schwangerschaft und diese Liebe zu deinem Baby erleben durftest. Das bleibt leider einigen Frauen verwehrt. Du bist eine starke und tolle Frau! Ich wünsche dir alles Gute!

  7. Chr.
    12. Mai 2019 / 20:29

    Liebe Janine, ich würde Dich gern in den Arm nehmen, zuhören, mitweinen – es ist schlimm dass Du diesen Trost nicht bekommst. Vielleicht findest Du eine Selbsthilfegruppe für verwaiste Eltern – vielleicht kannst Du dort Unterstützung und Verständnis finden die andere nicht aufbringen.

    • Calista
      Autor
      12. Mai 2019 / 22:54

      Danke für deine lieben Worte, ich bin tatsächlich bereits in Behandlung aber noch hilft es nicht wirklich. Wohl noch zu frisch

  8. Ilse
    12. Mai 2019 / 21:12

    Ach Liebes, ich drücke dich ganz fest aus der Ferne. Schade, dass du so weit weg bist, reden ist so wichtig und zuhören noch viel mehr. Schreib uns, wir hören dir auf jeden Fall zu und deine Sternchen im Herzen auch

  9. Eva
    12. Mai 2019 / 22:20

    Hallo! Sprich offen mit Deinem Mann und lass Dich von Deiner/m Gyn beraten, wo Du Hilfe bekommst! Dein Platz ist im Leben, und Verluste sind schmerzlich (ich weiß…. 3x…), aber so zerbrichst Du an dem Kraftakt zwischen eigenen Gefühlen und Deiner Außendarstellung im Alltag!

    • Calista
      Autor
      12. Mai 2019 / 22:53

      Ich bin bereits in Behandlung, aber bringt halt leider auch nicht viel wenn die eigene Familie das Thema „verschweigt“

  10. 13. Mai 2019 / 18:01

    Liebe Calista,
    Deinen Text lese ich mit Tränen in den Augen. Auch ich habe drei Sternchen und fühle mit Dir. Noch heute- 10 Jahre später – denke ich oft an sie. Bei mir wurde das Thema bei der Arbeit und in der Familie auch immer totgeschwiegen. Reden hilft!
    Ich drücke Dich aus der Ferne.
    LG von Sanne

  11. Sissi S.
    17. September 2019 / 12:35

    Deine Zeilen sind sehr berührend geschrieben, automatisch fühle ich den Schmerz irgendwie mit und muss auch mit den Tränen kämpfen gestehe ich. Die passenden Worte zu finden um jemandem irgendwo Trost zuzusprechen fallen sehr sehr schwer, jedes Wort kann verletzen, Wut beim betroffenen auslösen usw. Totschweigen ist sicher alles andere als, neija, ich sag mal vorsichtig passend, aber weißt du, ich denke, die Angehörigen sind schlicht und ergreifen einfach überfordert dir gegenüber etwas falsches zu sagen, was die Situation einfach nur noch mehr verschlimmern könnte. Ich vertehe aber was du meinst, dir täte so viel mehr gut in dieser Situation. Ich lese hin und wieder einmal mit, was du dazu schreibst und ebend diesen Weg dass du es niederschreibst,finde ich sehr sehr stark, um nicht zu sagen, dass genau dies ist, was auchz andere Betroffene aufbaut. Ich könnte dies ehrlich gesagt in dieser Form nicht, hätte ich dazu zu viel Angst vor negativen Reaktionen oder unangebrachten. Mein großer Respekt.

  12. Helga Schultheis
    24. September 2019 / 20:15

    Hallo, es tut mir sehr leid, was Du erleiden musstes. Deine Kinder sind am anderen Ende vom Regenbogen und freuen sich immer, wenn Du an sie denkst. Es ist für eine Mutter verdammt schwer, Ihre Kinder gehen zu lassen. Es geht ihnen gut, da wo sie sind. Du hast sehr viel Mut und Kraft. Danke, dass Du so eine starke Frau bist.

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