Gemeinschaftsgrabstätte für Sternenkinder

In Deutschland werden jedes Jahr bis zu 3000 Kinder tot geboren. Eltern dieser sogenannten Sternenkinder wissen oft nicht, wie sie weitermachen sollen. Schließlich spricht kaum jemand darüber. Doch wie geht es nach einer Fehlgeburt weiter und wie kann man ein Sternenkind begraben? Lohnt sich eine Gemeinschaftsgrabstätte für Sternenkinder?

Als Sternenkind werden verstorbene Kinder bezeichnet, insbesondere wenn sie vor, während oder bald nach der Geburt verstorben sind. Der poetischen Wortschöpfung liegt die Idee zugrunde, Kinder zu benennen, die „den Himmel“ „erreicht haben, noch bevor sie das Licht der Welt erblicken durften.“

Der Begriff Sternenkind richtet den Fokus auf das Kind selbst. Im Gegensatz zu solchen Begriffen wie Fehlgeburt und Totgeburt, die traditionell nicht nur für den Vorgang des Absterbens der Leibesfrucht, sondern auch für das abgestorbene bzw. verstorbene Lebewesen selbst verwendet werden. Er berücksichtigt die intensive Bindung, die vor allem viele Mütter und Väter bereits zum ungeborenen Kind entwickeln und die deswegen oft intensive und langanhaltende Trauer, die dessen Tod verursacht. Dieser gefühlsmäßigen Bindung widerstrebt die Bezeichnung Fehlgeburt oder Totgeburt für das verstorbene kleine Wesen. Und die diesen Worten zugrunde liegenden Ansichten und Verfahrensweisen. So wurden etwa Fehlgeburten mit dem Klinikmüll entsorgt. Ein Berliner Unternehmen verarbeitete diesen Müll, einschließlich der Föten, zu einem im Straßenbau verwendeten Granulat. Teilweise wurden die tot geborenen Kinder auch Pharmaunternehmen zu Forschungszwecken überlassen.

 

Was passiert nach der Fehlgeburt?

„Jedes Leben ist wertvoll, egal wie klein es noch ist.“

Seit dem 15. Mai 2013 können Eltern von sogenannten Sternenkindern die Geburt ihres Kindes beim Standesamt anzeigen und ihrem Kind damit offiziell eine Existenz geben. Zuvor war eine solche Dokumentation bei Kindern, die mit unter 500 Gramm tot geboren wurden, nicht möglich. Die Änderung des Personenstandsrechts ermöglicht damit nun aber einen würdigen Umgang mit Sternenkindern.

Die Bescheinigung zur Anzeige eines tot geborenen Kindes beinhaltet neben dem vorgesehenen Vor- und Familiennamen auch das Geschlecht, Geburtstag und Geburtsort. Auch Angaben zu Mutter und Vater, wie Vor- und Familienname, gegebenenfalls Geburtsname, sowie Religion können in der Bescheinigung enthalten sein. Eine Registrierung im Personenstandsregister erfolgt jedoch nicht. Es besteht demnach keine Pflicht zur Anzeige beim Standesamt, die Entscheidung bleibt vielmehr den Eltern überlassen.

Sofern das Geschlecht noch nicht feststand, bleibt die Angabe hierzu in der Bescheinigung offen. Die Angabe eines Vornamens ist auch in diesem Fall möglich.

Die Anzeige erfolgt gegenüber dem Standesamt, in dessen Zuständigkeitsbereich die Fehlgeburt stattfand. Auf den Wohnort der Eltern kommt es nicht an.

Als Nachweis der Identität reicht der Personalausweis oder ein anderes amtliches Identitätspapier aus. Zur Glaubhaftmachung der Fehlgeburt kann ein Mutterpass dienen, wenn daraus die Fehlgeburt hervorgeht, oder eine von einer Ärztin, einem Arzt, einer Hebamme oder einem Entbindungspfleger ausgestellte Bescheinigung.

 

Was wenn die „Geburt“ bereits ein paar Jahre zurück liegt?

Die  Neuregelung gilt auch für Eltern, deren „Sternenkind“ bereits vor dem Inkrafttreten dieser Regelung nicht lebend zur Welt gekommen ist. Es war ein wichtiges Anliegen, auch die Eltern mit in den Blick zu nehmen, die einen solchen Schicksalsschlag bereits erleben mussten. Für die Ausstellung der Bescheinigung erheben die Standesämter in der Regel eine Verwaltungsgebühr in Höhe von 10,- Euro.

 

Gemeinschaftsgrabstätte für Sternenkinder

 

Schon vor knapp 10 Jahren musste ich den Verlust eines Kindes durchleben. Damals noch lag ich zitternd auf einer Liege während ich in den vorbereiteten OP geschoben wurde. In meiner Hand hielt ich einen selbstgemachten Teddy, der mich währenddessen begleiten durfte.

Heute, Jahre später, musste ich ein weiteres mal Abschied nehmen. Diesmal jedoch in meinen eigenen vier Wänden. Ich hielt mein totes Kind in den Händen.

Erst Minuten später lag ich erneut auf einer kalten Liege im Krankenhaus und musste die Prozedur über mich ergehen lassen.

 

„Ihr Kind ist tot!“

 

Noch immer weint mein Herz. Es schreit regelrecht. Ich möchte Wände einschlagen, alles durch die Bude werfen und doch irgendwie nur in den Arm genommen werden. Ich ertrage diesen Verlust nur schwer. Nach außen gebe ich mich stark und locker, doch im Inneren bin ich ein Wrack. Diesmal wollte ich diesen tragischen Moment nicht einfach so „vergessen“ und unter den „Tisch kehren“. Ich habe nach einem Ort gesucht den ich besuchen kann. Der mir Nähe schenkt. Demzufolge habe ich mich für eine sogenannte Sternenkinder Grabstätte entschieden, die vor allem für Menschen wie mich geeignet ist, die weder eine Sterbebescheinigung noch eine Grabstätte besitzen.

An der Gemeinschaftsgrabstätte für Sternenkinder erfolgt zweimal jährlich eine Art Trauerfeier und Beisetzung in Form einer Gedenkfeier mit Eltern und betroffenen Familien. Dieser Ort darf kostenfrei genutzt werden um Abschied zu nehmen und zu Trauern.

Für mich ein Segen, der mir zudem Kraft spendet. Zwar lässt sich dadurch der Schmerz nicht lindern, doch zumindest Abschied nehmen.

Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen lache…
Und wenn du dich getröstet hast, wirst du froh sein, mich gekannt zu haben.
Du wirst immer mein Freund sein…
Und du wirst manchmal dein Fenster öffnen, gerade so, zum Vergnügen…
Und ich werde dich nicht verlassen.

(aus „Der kleine Prinz“, Antoine de Saint- Exupéry)

Janine

5 Kommentare

  1. 17. Mai 2019 / 11:52

    Liebe Janine,
    ich bedauere deine Verluste deiner Sternenkinder unheimlich.
    Du hast meinen vollsten Rezeptekt das du die Kraft hast darüber zu schreiben.
    Ich bin mir sicher das deine Sterne oben immer über dich wachen werden.
    Liebe Grüße sendet Marie

  2. Natascha Reichert
    17. Mai 2019 / 23:39

    Worte können kaum dem gerecht werden, was man fühlt, wenn die kleine Seele, auf die so sehnsüchtig gewartet wurde, einfach entflieht. Ich wünsche Dir und Deinem Mann alles Liebe und viel Kraft.

  3. Schmittat
    19. Mai 2019 / 13:26

    Hallo liebe Janine ich bin wirklich erschüttert und traurig zugleich von Deinen Bericht und wünsche Dir und Deinen Mann Kraft und Zuversicht mit herzlichen Grüßen
    Conny

  4. 21. Mai 2019 / 7:52

    Ein Licht am Himmel und in deinem Herzen wird Dein Sternenkind immer begleiten meine Liebe. Sei ganz doll gedrückt. Von ela

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