Keine Belastung mehr sein – Depressionen zum Geburtstag

Manchmal schlafe ich tagelang. Fühle mich stumm und wie gelähmt. Frage mich, ob ich jemals wieder fröhlich sein kann. Doch niemand konnte mir bis dato eine Antwort darauf geben. Dennoch entgegnet man mir immer mit einem „Ja“. 

Mein gesundheitlicher Zustand bessert sich kaum. Zur Sicherheit werde ich zwischendurch immer wieder in ein Bezirkskrankenhaus gebracht. Doch vor Ort geht kaum ein Mediziner auf mich als Individuum ein. Ich bin stets eine von vielen. Und weiß man nicht weiter, bringt man mich in den geschlossenen Bereich – gefolgt von Therapien. So läuft es seit Jahren ab. Ende letzten Jahres fühlte ich mich dann so schlecht, dass ich mit dem Leben abgeschlossen habe und einen weiteren Suizidversuch wagte. Es kam, wie es kommen musste: ich zog mich zurück, versperrte die Tür und nahm Tabletten. In letzter Sekunde konnte ich gerettet werden.

Manchmal frage ich mich, warum ich diesen Drang habe. Warum ich darüber nachdenke mein Leben einfach so wegzuwerfen. Was mich zu dieser Person getrieben hat.

Depressionen sind eine psychische Störung, die heutzutage noch immer nicht anerkannt wird. Wie man sich als Betroffener fühlt, ist für viele nebensächlich. Man muss funktionieren um sich einen Platz auf dieser Welt sichern zu können. Dabei passiert bei einer Depression im Gehirn so viel, dass man mit den unterschiedlichen Symptomen zu kämpfen hat und diesen Platz einfach nicht mehr halten kann. Was morgen ist, interessiert dabei nicht. Das Leben macht plötzlich keinen Sinn mehr.

Genau so fühlt sich ein Mensch mit schwerer Depression.

Jeden Tag.

 

Bei ­einer schweren Depression muss der ­Patient rund um die Uhr mit den Symptomen kämpfen. Für mich seit Jahren Alltag, der sich wie ein roter Faden durch mein Leben zieht.

 

Keine Belastung mehr sein – Depressionen zum Geburtstag

In genau 2 Tagen steht nun auch mein 28. Geburtstag an. Ein Tag, der mir noch mehr Kummer bereitet und einsam macht. Natürlich freue ich mich über die Aufmerksamkeit, die lieben Worte und die Menschen um mich herum. Zeitgleich möchte ich aber auch allein sein. An Tagen wie diesen höre ich, wie sie mit mir reden, begreife aber nicht, was sie sagen. Ich bin unendlich müde. Tiefschwarze Gedanken drehen sich nur noch im Kreis. Ich fühle mich wie eine Belastung, als wäre ich nichts wert. Vor allem an meinem Geburtstag.

Endlich Schluss machen, damit ich keine Belastung mehr für alle bin. Ich hatte es versucht, aber nicht vollendet. Heute bin ich froh darüber!

Ich hasse mich für diese Gedanken, doch komm einfach nicht gegen an. Sie scheinen stets präsent, mich zu umkreisen, an mir zu nagen und mich zu manipulieren. Es ist wie Krieg im eigenen Kopf, der nur einfach kein Ende findet.

Tja, nun werde ich also 28 Jahre jung. Was ich in dieser Zeit erreicht habe? Mal abgesehen von den Kosten, die ich durch meine unzählig vielen Klinkaufenthalte und Therapien verursache – nicht viel. Dennoch glaube ich, dass ich irgendwann wieder meinen Platz finde auf dieser Welt und ihn dann mit einem Lächeln auf den Lippen festhalte. Wann das sein wird ist noch ungewiss, aber ich bin fest davon entschlossen, dass er kommen wird. Dieser eine Augenblick!

Janine

10 Kommentare

  1. Johanna K.
    24. Juli 2018 / 14:24

    Hallo meine liebe
    Bin neu auf deiner Seite. Hab manische Depression. Hast du denn eine betreuerin ? Das hilft u auch gruppengesräche. Ich geh jez vom rauhen Haus aus auch 2x 2h id Woche in einer holzwerkstatt arbeiten. Das tut auch gut. U Leute im Park sitzend zu Sehen. Vielleicht hilft dafür auch ein Haustier. Die Verantwortung u Liebe bringt dich vom Suizid weg. Ganz sicher. Wünsche dir jedenfalls einen einigermaßen guten geburtstagstag. Schreib mir gern. Bis dann. Gruß Johanna

    • Calista
      Autor
      24. Juli 2018 / 14:25

      Hallo,
      ja ich bin in Behandlung. Sowohl therapeutisch als auch medikamentös :) es geht alles seinen Weg, dennoch tretten immer wieder solche Gedanken auf. Ich denke das braucht einfach noch etwas Zeit :)

  2. Sann
    24. Juli 2018 / 14:42

    Hallo liebe Janine,

    dein trauriges Gesicht möchte* ich gerne streicheln. Jetzt im Sommer scheint immer die Sonne und man denkt auch, alles ist schön und hell und die Menschen um einen herum sind glücklich. Man sieht sie an und möchte auch so sein, wie sie (sich fühlen). Du bist in Therapie und nimmst Medis, aber die Seele – das Innere ist wie blockiert. Es existieren nur die einen Gedanken, die nicht austauschbar sind, weil man sie ja ständig mit sich trägt. Das können gesunde Menschen nicht nachvollziehen, so ganz, weil sie es nicht von sich kennen. Was dann hilft, ist Musik, auch ein Moment von Glücklichsein – das mit einmal aufkommt – jedoch nur für kurz. Ich kenne das und kann es fühlen, was du meinst. Ich bewundere dich dafür Janine, dass du diesen großartigen Blog jeden Tag neu gestaltest, es kostet viel Kraft und Zeit. Und Zeit ist so schnell. Johanna hier fragt nach Haustieren und du hast die beiden süssen Rennmäuse bei dir, wie geht’s denn denen? Sie heißen eeeehm, einmal war es Loki und eeem, hab ich vergessen…Ich wünsche, dass es dir gut geht und das es ganz viele schöne glückliche Momente geben wird für dich…Umarmung* LG S

  3. Ivonne
    24. Juli 2018 / 15:06

    Ich wünsche dir, dass dieser Augenblick kommt. Denk immer dran- du bist wertvoll!!!

  4. Sann
    24. Juli 2018 / 16:08

    Hallo liebe Janine,
    dein trauriges Gesicht möchte* ich gerne streicheln. Jetzt im Sommer scheint immer die Sonne und man denkt auch, alles ist schön und hell und die Menschen um einen herum sind glücklich. Man sieht sie an und möchte auch so sein, wie sie (sich fühlen). Du bist in Therapie und nimmst Medis, aber die Seele  – das Innere ist wie blockiert. Es existieren nur die einen Gedanken, die nicht austauschbar sind, weil man sie ja ständig mit sich trägt. Das können gesunde Menschen nicht nachvollziehen, so ganz, weil sie es nicht von sich kennen. Was dann hilft, ist Musik, auch ein Moment von Glücklichsein, das mit einmal aufkommt – jedoch nur für kurz. Ich kenne das und kann es fühlen, was du meinst. Ich bewundere dich dafür Janine, dass du diesen großartigen Blog jeden Tag neu gestaltest, es kostet viel Kraft und Zeit. Und Zeit ist so schnell. Johanna hier fragt nach Haustieren und du hast die beiden süssen Rennmäuse bei dir, wie geht’s denn denen? Sie heißen eeeehm, einmal war es
    r die einen Gedanken, die nicht austauschbar sind, weil man sie ja ständig mit sich trägt. Das können gesunde Menschen nicht nachvollziehen, so ganz, weil sie es nicht von sich kennen. Was dann hilft, ist Musik, auch ein Moment von Glücklichsein, das mit einmal aufkommt – jedoch nur für kurz. Ich kenne das und kann es fühlen, was du meinst. Ich bewundere dich dafür Janine, dass du diesen großartigen Blog jeden Tag neu gestaltest, es kostet viel Kraft und Zeit. Und Zeit ist so schnell. Johanna hier fragt nach Haustieren und du hast die beiden süssen Rennmäuse bei dir, wie geht’s denn denen? Sie heißen eeeehm, einmal war es Loki und eeem, weiß ich nicht mehr. Ich wünsche dir die schönsten und glücklichsten Momente, in denen du dich gut und frei fühlst. LG*

    • Calista
      Autor
      25. Juli 2018 / 10:07

      Hihi ja Loki und Jamie :) den beiden geht es prima. Die zerlegen hier alles was ihnen in die Quere kommt hihi :)
      Danke für deine lieben Worte!

  5. Christine S.
    24. Juli 2018 / 21:36

    Liebe Janine,
    Du bist keine Belastung, nur krank, aber ein Mensch der für seine Lieben unendlich wertvoll ist.
    Fürs Krank sein können die Betroffenen nichts (im nächsten Familienkreis auch der Fall, wenn auch andere Erkrankungen) – man kann nur da sein und helfen.
    Nimm die Worte der anderen an. Und wenn Du traurig bist, dass Du in Frührente bist, dann
    such Dir was ehrenamtliches, etwas was Dir gut tut. Sich um Tiere kümmern, vielleicht auch mal
    einmal die Woche ins Altersheim um den Menschen dort vorzulesen, mit ihnen zu basteln
    oder was auch immer Du tun magst – bestimmt machst Du anderen damit eine große Freude,
    fühlst Dich vielleicht nicht mehr als Belastung.
    Versuche den Tag ein wenig zu genießen.

  6. Mareike Buhr
    26. Juli 2018 / 22:32

    Also als Außenstehende zieht es mich glatt mit runter. Aber ich kanns einfach wieder abschütteln was wohl der Unterschied zur Depression ist. Trotzdem finde ich es toll, dass du die Hoffnung nicht aufgibst. Wer kämpft kann nur gewinnen. Gut das klingt immer einfach gesagt, aber jeder hat seine Probleme. wichtig ist doch dass wir versuchen sie zu lösen ;)

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