Mittelaltermarkt zu Särchen 2017

16. Oktober 2017Calista

Vor genau zwei Jahren habe ich erstmals die Tore des Clubhauses Annahütte durchquert, dessen Burghof von einer handvoll Marktständen bereichert wurde. Zu jenem Zeitpunkt war die Enttäuschung groß, denn von den vorher angekündigten Händlern fand sich nur eine winzige Menge auf dem Veranstaltungsgelände ein. Dementsprechend mickrig und enttäuschend war natürlich auch die vorhandene Auswahl an Produkten und Zubehör – bin ich es doch weitaus imposanter und liebevoller gewohnt.

Mit Abwesenheit glänzten daher sowohl Kunsthandwerkswaren als auch Esoterikprodukte. Auch typische Waren wie zum Beispiel Kräuter, Keramik und mittelalterinspirierte Kostüme fehlten gänzlich. Auf einigen Veranstaltungen finden sich oftmals auch Anbieter von Repliken mittelalterliche Artefakte wieder. Zudem trifft man auch auf Kunsthandwerker, die das Schmiedhandwerk vorführen; Glasbläser, die Glasperlen herstellen; Bordürenweber und Künstler, die aus Speckstein Töpfe und Skulpturen erstellen, wie ehemals die Wikinger – es fehlte schlichtweg an der Leidenschaft und Begeisterung die eine mittelalterliche Veranstaltung ausmacht.

Für mich war nach dem Wochenende klar: einmal und nie wieder! So fand der nachfolgende Mittelaltermarkt zu Särchen ohne mich statt.

Heuer allerdings erreichte mich vorab eine in mir Neugier weckende Nachricht, die von einem der diesjährigen Händlern stammte:

 

„…. auf der Suche nach Infos über den in Särchen weil ich am kommenden WE mit meinem Stand selbst dabei sein und diesen dann hoffentlich, zumindest im Bereich Gaumenfreude, bereichern werde. Wäre sehr schön dich auch dort anzutreffen!…“

 

Aufgrund der niederschmetternden Eindrücke aus dem Jahr 2015 war ich zunächst natürlich etwas irritiert. Hatte ich den Mittelaltermarkt zu Särchen doch schon irgendwie aus dem Gedächtnis verdrängt. Nichtsdestotrotz weckte die Nachricht auch Sehnsüchte und einen Funken Neugier in mir. Immerhin habe ich vor dem Blog den Großteil meiner Freizeit dieser einen Leidenschaft gewidmet, die mich unbewusst auch sehr geprägt hat.

Wie so oft im Leben habe ich auch dem Spektakel im Burghof in Annahütte eine neue Chance gewährt, die ich zu keiner Zeit bereut habe:

 

Mittelaltermarkt zu Särchen 2017 – eine zweite Chance

 

Kaum angekommen standen wir vor der ersten Hürde: dem Wegzoll. Mit 2,50 Euro pro Person waren wir diesmal allerdings einverstanden und ja, auch ein wenig positiv überrascht. Nachdem uns ein kleiner Knappe einen Stempel auf die Handfläche gedrückt hat, konnten wir bereits einen Blick auf den gefüllten Burghof wagen. Anders als bei der ersten Veranstaltung wirkte dieser sortierter und ländlicher. Handelsgut in Form von Fellen, Lederwaren, Keramik, Schmuck, Hieb- und Stichwaffen, Bögen und mittelalterinspirierten Kostümen waren in überschaubarer Menge vorhanden. Ebenso führten sogenannte Kunsthandwerker ihr Können vor.

Typisch sind auf Märkten dieser Art aber auch Musikanten, die zur Untermalung des Geschehens oder auch für ein eigenständiges Konzert auf dem Marktgelände sorgen. Hierfür reisten aus dem fernen Görlitz die Musikusse von Dudelkram an. Sie trommelten, pfiffen und haben den Augenblick mit mittelalterlichen Klängen untermalt.

Für magische Momente sorgte auch in diesem Jahr wieder der mystische Großmagier , Mr. Kerosin. Er ist für uns längst kein Fremder mehr und bekam demnach eine ordentliche Portion Sympathie zugesandt.

Mit Hilfe eines japanischen Langschwertes (auch Katana genannt) zerkleinerte er beispielsweise vor den Augen der Zuschauer eine Gurke, die von einem „Freiwilligen“ aus dem Publikum gehalten werden musste. Nach der etwas laschen aber dennoch amüsanten Vorstellung, ließ der Magier sich von einer Assistentin die Augen verbinden und vollzog das Geschehen ein weiteres mal. Blind!

Gespannt verfolgten wir diese wahnsinnige Show und ringten mit den inneren Ängsten, während Mr.Kerosin das scharfe Schwert durch die Gurke gleiten ließ.

Vorab musste allerdings ich auf die Bühne und meine Frau stehen. Ein einfaches Kartenspiel, ein Stift mit Zettel und der Großmagier mit seinem mystischen Blick – das er mich vor den Zuschauern ordentlich durch die Suppen ziehen würde, war mir zu jenem Zeitpunkt natürlich längst bewusst. Der Spaß dauerte keine 5 Minuten, kostete mich aber dennoch sehr viel Überwindung und verzauberte letztendlich binnen Sekunden.

 

 

Mittelaltermarkt zu Särchen 2017 in Annahütte

 

Kaum war das Unterhaltungsprogramm für den Moment vonstatten gegangen, zog es uns auch schon zu dem bis dato unbekannten Händler. Vor Ort erwartete uns ein orientalisch eingerichtetes Zelt, dass mit allerhand Düften lockte. Zwischen schmackhaften Köstlichkeiten wie Baklava (ein in Zuckersirup eingelegtes Gebäck aus Blätterteig, gefüllt mit gehackten Walnüssen, Mandeln oder Pistazien) und Datteln, gab es auch ein beeindruckendes Angebot unterschiedlichster Getränke. Während meine Begleitung auf einen handgemachten Kaffee zurückgriff, dufte es für mich schon etwas exotischer sein. So entschied ich mich für ein Glas frischen Gewürzpunsch, der im Nu frisch zubereitet wurde.

Inmitten orientalischer Musik und passender Living-Accessoires, kosteten wir die himmlischen Köstlichkeiten und verfolgten die Klänge der Ritter die nebenan ihren Kampf vollzogen.

Mittlerweile ist der Mittelaltermarkt zu Särchen wieder Geschichte, dennoch sind wir in diesem Jahr sehr zufrieden mit. Man konnte die Unterschiede zu der vergangenen Veranstaltung deutlich wahrnehmen. Das Konzept wurde offensichtlich ordentlich durchdacht, die Wünsche und Kritik der Besucher zu Herzen genommen. Für uns als „Gäste“ eine positive Entwicklung die wir dankend angenommen haben. Zwar ist immer noch allerhand Luft nach oben, dennoch sind wir sehr zuversichtlich, dass der Mittelaltermarkt zu Särchen auch in den kommenden Jahren eine deutliche Steigerung vollziehen wird.

Lediglich die „modernen Artikel“ an den Verkaufsständen sollten künftig eindämmt werden. Denn ein Mittelaltermarkt lebt von den einfachen Kleinigkeiten, die weder Technik noch Plastik aus der heutigen Zeit beinhalten.

Janine

PS. Vielen Dank an Lutz für den Einblick in die orientalische „Küche“ und das nette Gespräch.

11 Comments

  • Ivonne

    16. Oktober 2017 at 6:15

    Toller Bericht. Ich gehe ja auch so gern auf Mittelaltermärkte. Einer der schönsten bei uns, ist auf der Burg Rabenstein.

  • Nicole

    16. Oktober 2017 at 14:07

    Toll geschrieben. Bei unserem alljährlichen Fest in der Stadt gibt es auch ein Mittelaltermarkt und ich gehe gern jedes Jahr dort hin.
    Und die Küche dort liebe ich besonderst :-)

  • Ilona Noske

    16. Oktober 2017 at 14:33

    Klasse Bericht. Weiter so☺

  • Ilona Noske

    16. Oktober 2017 at 14:35

    Klasse Bericht☺Mach weiter so

  • Steffi

    16. Oktober 2017 at 15:01

    Na siehste, hat sich doch gelohnt! :-) Und die Kleider der Damen sind doch ein Traum, oder?

  • Astrid Scholz

    16. Oktober 2017 at 15:04

    Das freut mich für dich das die heuer besser gefallen hat . Denn die bebilderung ist auch schon mehr wie 2015 finde ich . Den Bericht habe ich auch gelesen. Da warst du ja enttäuscht wie du oben auch schreibst. LG Astrid

  • Heike Mirabella

    16. Oktober 2017 at 15:29

    Wie schön. Mittelaltermärkte sind phantastisch. Ich hätte da auch den einen oder anderen Tipp für große Märkte, da gibt es z.B. auch „öffentliche Badehäuser“, wo Statisten baden (Klartext = Großer Waschzuber und gebadet wird in der damals üblichen, langen Unterwäsche :-) ) usw. Das ist ziemlich lustig.
    Deine Bilder sind übrigens sehr gut gelungen :-)

  • Mister Kerosin

    16. Oktober 2017 at 20:36

    Hallo toller Bericht aber zur Klarstellung. Ich bin Mister Kerosin und nicht Hummelerus vom Hof der Wunder :-)
    wäre Super wenn du das berichtigen würdest. Mister Kerosin und Hummers danken es Dir :-)

    1. Calista

      16. Oktober 2017 at 21:07

      Da habe ich wohl den Infos des Veranstalters blind vertraut^^ Danke für die Info, habe es sofort geändert :)

  • Gabriele Kobes

    17. Oktober 2017 at 11:36

    oh da wär ich auch gern gewesen, aber auf die Bühne hätte ich mich nicht getraut :) Respekt !!!

  • lutz

    17. Oktober 2017 at 20:26

    Hallo Janine, danke für deinen wieder sehr schönen „Bericht“!
    Obwohl ich ja vorgewarnt war bin ich dennoch mit großer Freude
    nach Annahütte gefahren. Insgesamt war der Markt, für seine
    Verhältnisse auch nicht schlecht aber trotz super Wetter haben
    leider viel zu wenig Gäste das Treiben besucht. Dementsprechend
    war auch der Umsatz eher bescheiden und dennoch will auch ich
    diesem Markt eine 2. Chance geben und bin im kommenden Jahr wieder
    mit von der Partie. Allerdings werde ich versuchen, die eine oder andere „Veränderung“ mit dem Betreiber zu realisieren.

    Gruß Lutz

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Previous Post Nächster Beitrag