Nachbarschaftsstreit – So handelt man bei strafbaren Verhalten

29. Oktober 2017Calista

Ehrlich gesagt habe ich es gerne ruhig und ordentlich, so wie wohl die meisten Deutschen. Doch nahezu die Hälfte aller Mieter und Hausbesitzer in Deutschland behaupten, dass ihre Nachbarn sie gelegentlich nerven. Das belegen auch rund 300.000 Klagen zu Nachbarschaftsstreitigkeiten im Jahr. Die Einstellung „leben und leben lassen“ könnte zwar vieles vereinfachen – alles müssen geplagte Nachbarn jedoch nicht erdulden.

Nach nur wenigen Tagen im neuen zuhause begannen die Streitigkeiten zwischen meinen Nachbarn im Block nebenan und mir. Grund dafür waren lediglich ein paar Seifenblasen, die hin und wieder meinen Balkon verlassen. Seifenblasen stellen eine Art Therapieausgleich für mich dar und wirken demnach sehr beruhigend auf mein oftmals gereiztes Gemüt. Meine Nachbarn hingegen fühlen sich davon belästigt und begannen binnen kürzester Zeit einen heftigen Streit anzufangen. Neben zig Anfeindungen und Drohungen durfte ich auch eine Vielzahl an Beleidigungen wahrnehmen, die niveauloser nicht sein konnten.

Aufgrund der anhaltenden Beleidigungen und Drohungen kam es wenig später zu einem Polizeieinsatz, zu dem gleich drei Einsatzkräfte erschienen. Am selben Abend habe ich mich auch für eine Strafanzeige gegen besagte Nachbarn entschieden, um zum einen Präsenz zu zeigen und zugleich der Situation einen Riegel vorzuschieben.

Die meisten Strafanzeigen erstattet die Polizei aufgrund eigener Wahrnehmung oder durch Mitteilung, zum Beispiel im Polizeieinsatz während der Streife oder auf einer Polizeidienststelle. Dies wird als „Amtsanzeige“ oder „Anzeige von Amts wegen“ bezeichnet.

 

Strafanzeige stellen – Tatvorwurf „Beleidigung u.a.“

Ehrlich gesagt habe ich gar nicht mehr mit einer Antwort seitens der Staatsanwaltschaft bezüglich meiner Anzeige gerechnet. Doch heute lag ganz plötzlich und unerwartet eine Rückmeldung im Briefkasten, die mir vorab allerhand Bauchschmerzen bereitet hat. Immerhin wusste ich nicht, wie der Staatsanwalt entschieden hat und ob meine Anzeige aufgrund von Beleidigungen und Gewaltandrohungen weiterhin verfolgt wird. Mit folgenden Worten wurde mein Wunsch nach Gerechtigkeit jedoch im Nu zerstört:

„Grundlage der angezeigten Straftat sind Auseinandersetzungen zwischen Ihnen und der Beschuldigten ******* im Rahmen eines nachbarschaftlichen Verhältnisses, wobei Belange der Öffentlichkeit nicht betroffen sind.“

Weiterhin heißt es:

„Die Vorfälle tragen privaten Charakter, durch die ist der Rechtsfrieden über den engeren Lebenskreis der Beteiligten hinaus nicht gestört worden. Die Strafverfolgung ist deshalb nicht als ein gegenwärtiges Anliegen der Allgemeinheit anzusehen.“

Doch was bedeutet das nun genau?

Im Grunde hat man mir mit dem Schreiben mitteilen wollen, dass sie nichts gegen den Konflikt machen können. Demnach stehe ich nun wieder vor verschlossenen Türen und muss den Terror auch weiterhin ertragen. Gerade wenn ein Streit entbrannt ist, werden Nachbarn zunehmend sensibler und beobachten ganz genau was der andere macht. So auch in diesem Fall. Es gab Tage da konnte ich den Balkon nicht einmal betreten ohne Lästereien und Beleidigungen vom Nachbarbalkon wahrnehmen zu müssen. Selbst auf offener Straße, beispielsweise in der Innenstadt, kommt es zu Anfeindungen und Beleidigungen durch den unerzogenen Nachwuchs der Dame.

An manchen Tagen denke ich ernsthaft darüber nach die Koffer zu packen und zu gehen. Selbst an eine friedliche Lösung habe ich bereits einen Gedanken verschwendet. Doch so einfach ist das leider nicht. Die Wohnung einfach mal eben zu wechseln ist allein deswegen schon keine Option, weil 90% der Einrichtung (allem voran die Küche) auf die Wohnung angepasst wurden. Da ich weder einen Goldesel noch einen Wunschbrunnen mein eigen nennen darf, wird an diese Möglichkeit erst gar kein Gedanke verschwendet. Auf den Kosten dafür bleibe schließlich ich am Ende sitzen!

Auch besitze ich keine Rechtsschutzversicherung. Zwar kann diese durchaus sinnvoll sein, allerdings zahlen Rechtsschutzversicherungen nur für bestimmte Streitigkeiten und sind auch nicht gerade günstig. Eine Privathaftplicht und Berufsunfähigkeitsversicherung haben deshalb Priorität. (Welche Fälle vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind, variiert von Anbieter zu Anbieter. )

Wie geht es nun weiter?

Aufgeben? Auf keinen Fall! Ich werde auch weiterhin mein Ding durchziehen und mich so gut es geht nicht von den Beleidigungen und Drohungen seitens meiner Nachbarn einschränken lassen. Viel zu häufig saß ich mit Tränen auf den Wangen in der Wohnung und habe mir die Arme aufgeschnitten (eine typische Reaktion meiner geschädigten Psyche). Ich habe über Suizid nachgedacht und meine Betreuerin kontaktiert. Zudem wurde die Problematik immer wieder in den Therapiesitzungen angesprochen und wertvoller Rat seitens der anderen Teilnehmer eingeholt. Doch damit ist nun Schluss. Ich lasse mich von einem solchen Menschen nicht zugrunde richten und werde demnach auch weiterhin mein Leben so gestalten, wie es mir gefällt. Dazu gehören auch Seifenblasen auf dem heimischen Balkon. Lediglich eine kleine Ergänzung in Form eines Kopfhörers wird mich künftig begleiten. So bekomme ich weder die Beleidigungen noch die durchaus „attraktiven“ Drohungen mit – geniale Idee!

Vielleicht wird dieser Terror dadurch irgendwann ein Ende nehmen, und der Frieden in der Nachbarschaft wieder an Bedeutung gewinnen!

Janine

18 Comments

  • Alexandra

    29. Oktober 2017 at 21:47

    Das ist alles so unverschämt, aber vielleicht solltest du mal mit Kusshand zu werfen oder winken reagieren, dabei breit grinsen, dann schockst du sie vielleicht noch mehr. mach ich immer mit Autofahrern, die meinen mich abdrängen zu müssen etc. Lass dich nicht unterkriegen. <3

    1. Calista

      29. Oktober 2017 at 21:48

      habe ich auch schon gemacht XD da wird dann heiß diskutiert :D

  • Eva Marie Behrends

    29. Oktober 2017 at 21:48

    OMG was sind das für Nachbarn.Lasse Dich bitte davon nicht runter ziehennehme das Verhalten der Nachbarn als Skill regfen die sich auf schliessr die Augen denke Ohmmm und blöde Sprüche oder Beleidigungen ,auch wens seltsam klingt lächel und sag : WÜNSCHE auch einen schönen Tag. Wen die merken das die Dich nicht treffen,vergeht denen die Lust.Alles liebe Dir Lg Eva .

    1. Calista

      29. Oktober 2017 at 21:49

      Das will ich doch hoffen :D

  • Natascha Reichert

    29. Oktober 2017 at 21:48

    Oh Mann,das ist sooo typisch!Da bräuchte man echt man Hilfe seitens Polizei und Justiz und bekommt dann so einen Wisch und steht absolut alleine da!Finde ich wirklich SCHLIMM!
    Aber da Du ja wirklich erschreckend hohe Zahlen anführst von ähnlichen Fällen,muss es doch IRGENDWO eine Anlaufstelle geben???
    Liebe Janine,DU BIST ZUMINDEST IN GEDANKEN NICHT ALLEINE,VIELE MENSCHEN LIEBEN DEINEN BLOG UND STEHEN HINTER DIR!
    Ich hoffe,das dass Dir in dunklen Stunden ein klitzekleines Bisschen helfen kann.
    LASS DICH NICHT UNTERKRIEGEN,Du wirst auch das meistern!!!

    1. Calista

      29. Oktober 2017 at 21:50

      Mittlerweile weiß ich wirklich niemanden mehr. Wir haben alle Mittel und Wege genutzt die zur Verfügung standen, aber es wird wohl erst dann etwas getan, wenn mir etwas passiert. Eigentlich traurig das es erst soweit kommen muss

  • Ein-kleiner-Blog

    29. Oktober 2017 at 21:52

    Gerade bei Nachbarschaftsstreitigkeiten gibt es einen Schiedsmann, der den Streit schlichten könnte. Du könntest dich nach dem Schiedsverfahren erkundigen.
    LG Elke

    1. Calista

      29. Oktober 2017 at 21:55

      Von einem Schiedsmann habe ich heute durch die Post von der Staatsanwaltsschaft zum ersten mal gehört..werde mich diesbezüglich aber informieren und Kontakt zu aufnehmen :) Danke!

  • Jürgen Siewerin

    29. Oktober 2017 at 21:59

    „Laß dich nicht unterkriegen!“ ist für jemanden der nicht betroffen ist leicht gesagt. Ich finde es aber sehr stark von dir dich nicht unterkriegen lassen zu wollen. Wegziehen ist wie kapitulieren. Aber hey, biete denen die dir böses wollen die Stirn. Je stärker wirst du und je mehr verlieren diese Unmenschen die Oberhand. Feuer mit Feuer zu bekämpfen ist bestimmt der falsche Weg, ich habe aber in diesem Fall auch keine Patentlösung parat wobei STRAFEN DURCH NICHTBEACHTUNG bestimmt ein sehr guter Ansatz ist.
    Ich wünsche dir auf jeden Fall, dass du dich nicht unterkriegen lässt und deinen Nachbarn wünsche ich die Pest an den Hals.

    1. Calista

      29. Oktober 2017 at 22:11

      Danke dir :D und wenn es nicht klappt lade ich dich ein :D du vertreibst die locker :P

  • Julia

    29. Oktober 2017 at 22:12

    Ich drück dich. Habe auch vor 2 Jahren eine Anzeige aufgrund von Belästigung und Bedrohung stellen müssen – war ein ehemaliger Bekannter, der mich sogar auf meiner Arbeitsmail kontaktiert hat – wurde auch eingestellt. Und der hat schriftlich mit richtig ekelhaften Sachen gedroht. Aber hätte ja angeblich jeder schreiben können, sein Name reicht nicht als Beweis, das er das war :D Das einzige was manchmal hilft ist ignorieren, dann wird’s denen einfach zu langweilig, wenn die gewünschte Reaktion nicht mehr kommt. Kopfhörer sind ne super Idee! Hoffe es hört bald auf, halte durch!

    1. Calista

      29. Oktober 2017 at 22:13

      Schon traurig das man da so hängen gelassen wird

      1. Julia

        29. Oktober 2017 at 22:24

        Ja, ist traurig. Aber wehe, du zahlst die GEZ Gebühr nicht, dann wird hart durchgegriffen ;)

  • Ivonne

    29. Oktober 2017 at 22:18

    Ein Schlichtungsverfahren klingt gut. Ich bin ja immer fürs reden.Bist du schon mal auf die Nachbarn zugegangen und hast sie gefragt, was sie gegen dich haben? Oder lassen sie nicht mit sich reden? Dann hilft nur scheissfreundlich zu sein. Das treibt jeden in den Wahnsinn. Mir macht eher deine Gesundheit sorgen. :-(

    1. Calista

      29. Oktober 2017 at 22:28

      Die lassen nicht mit sich reden. Die werden gleich beleidigend und brüllen Drohungen los.

  • Steffi Lehmann

    30. Oktober 2017 at 7:53

    Hallo meine Liebe, es macht mich unglaublich traurig und wütend zugleich was das bei dir geschieht.

    Ich drück dich vom ganzen Herzen und vielleicht hast du mal Lust das wir uns beide treffen und uns einen schönen Tag machen und ich dich ein wenig ablenken kann
    Wir wohnen ja zum Glück nicht soweit auseinander.
    Und dann lassen wir ordentlich Seifenblasen steigen

  • Cornelia Rupp

    30. Oktober 2017 at 13:04

    Hallo Janine, das mit dem Schlichtungsverfahren ist schon mal der richtige Weg. Aber die Teilnahme daran ist auch für die Nachbarn freiwillig und wenn die nicht kommen ist die Schlichtung einfach nur gescheitert. Aber dann kannst du klagen und zwar auf Unterlassung und evtl. kannst du – weil du ja durch das Verhalten der Nachbarn gesundheitlich beeinträchtigt bist – auch Schmerzensgeld geltend machen. Die Staatsanwaltschaft hat dich sicherlich auf den Privatklageweg verwiesen und der ist eben der vorbeschriebene. Aber eine Garantie ist das selbst dann nicht, wenn man später ein Urteil hat. Es gibt so renitente Menschen, die sich auch daran nicht halten und selbst mit Geldstrafen nicht dazu zu bewegen sind, sich anders zu verhalten. Dann hilft wirklich nur wegziehen. Ist leider so und dann müssen die nächsten unter diesen Nachbarn leiden, weil solche Menschen immer so sind, egal wer nebenan wohnt. Vielleicht hilft dir das ja weiter. Drücke fest die Daumen. Und da du ja keine Rechtsschutzversicherung hast, wende dich im Zweifel an die Rechtsantragsstelle deines zuständigen Amtsgerichts. Die sind dafür da und können dir, wenn sie nicht direkt helfen können, einen Beratungshilfeschein zum Aufsuchen eines Anwaltes erteilen.
    Liebe Grüße Cornelia

  • Doris Kindermann

    1. November 2017 at 21:24

    So ein Streit kann ganz schön an den Nerven zerren, drum pass bitte auf Deine Gesundheit auf. Ich weiß das aus eigener Erfahrung, hatte auch mal Streß mit der Nachbarin und das hat mich so fertig gemacht, das ich davon sogar Depressionen bekommen habe. Gott sei Dank geht es mir wieder gut, aber ich weiß wie sich das auf die Psyche auswirken kann. Wünsche Dir alles Gute.
    Liebe Grüße Doris :-)

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