Schikane durch Kollegen und Vorgesetzte – Mobbing und was ist danach?

Mobbing wurde bisher oft als Hirngespinst unangepasster Kollegen gesehen. Täglich quälen sich jedoch weit über 800.000 Menschen in Deutschland zur Arbeit, weil sie beleidigt, übergangen und geschnitten werden.

Mobbing steht im engeren Sinn für Psychoterror am Arbeitsplatz mit dem Ziel, Betroffene aus dem Betrieb hinauszuekeln. Im weiteren Sinn bedeutet Mobbing, andere Menschen, in der Regel ständig beziehungsweise wiederholt und regelmäßig, zu schikanieren, zu quälen und seelisch zu verletzen. Während es in einigen Ländern wie etwa Schweden, Frankreich und Spanien eigene Gesetze gegen Mobbing am Arbeitsplatz gibt, wird es hierzulande noch immer belächelt.

Tatsächlich ist Mobbing am Arbeitsplatz für sich genommen in Deutschland kein strafbares Delikt. Lediglich einzelne Mobbinghandlungen sind strafbar und können angezeigt werden. So könnte es sich bei Mobbing etwa um den Straftatbestand der Körperverletzung handeln. Sofern aus dem Mobbingverhalten nachweislich entsprechende körperliche Beeinträchtigungen resultieren. Allerdings können auch eine Reihe von Handlungen, die − separat betrachtet − unbeachtlich erscheinen, insgesamt gesehen Mobbing mit rechtlichen Konsequenzen bedeuten (Dauertatbestand). Problematisch ist jedoch immer der konkrete Nachweis des Mobbings, da Mobber versuchen, ihre Handlungen zu verschleiern. Im Falle eines Strafverfahrens werden viele Mobber daher nicht verurteilt und können danach ungestört weiter mobben.

 

Schikane durch Kollegen und Vorgesetzte

Immer wieder liege ich auf meinem Bett und starre an die Decke. Die Bilder vergangener Tage lassen mich vor allem in der Nacht einfach nicht los. Gerade stille Momente sind dadurch die reinste Qual für mich. Unbewusst kaue ich mir die Nägel ab, kratze meine Arme auf und nehme kaum etwas aus meiner Umgebung wahr. Es sind Augenblicke wie diese, die mich nachdenklich gestimmt haben. Die Frage nach dem Warum, das habe ich gelernt, klammert zu oft den wahren Sinn von Leid und Frust aus. Es ist wohl eher die Frage „Warum passiert gerade mir so etwas?“ die mich seit jeher umklammert. Krank geworden bin ich durch die Schikane meiner ehemaligen Kollegen, doch entwickelt hat sich alles erst mit der Zeit. Ein Trauma, dass mich mein Leben lang begleiten wird.

Ehrlich gesagt habe ich nie einen Gedanken daran verschwendet, was Mobbing mit den Menschen anrichten kann. Einst noch spuckte ich große Töne und machte mich über Menschen lustig, die anders als ich waren. Ich wollte dazugehören, Stärke zeigen und Macht demonstrieren. Heute hingegen weiß ich, dass ich zu jenem Zeitpunkt einfach nur ekelhaft, schwach und dumm war. Denn erst mit der Zeit wurde mir bewusst, wie tägliche Schikane das Leben eines anderen im Nu verändern kann. Natürlich schäme ich mich dafür. Manchmal ist diese Scharm gepaart mit Wut gegen mich selbst.

Mein Leben änderte sich nach dem Mobbing schlagartig. Nicht nur das ich danach mehrere Jahre in den unterschiedlichsten Kliniken verbrachte, ich habe auch mehrfach versucht mein Leben zu beenden. Und alles nur, weil mir Menschen das Leben zur Hölle machten. Sie gaben mir täglich das Gefühl nichts wert zu sein und schikanierten mich in jeder erdenklichen Situation. Damals war in mir nur Leere und Kummer, heute bin ich voll Hass, Wut und Enttäuschung. Wie gerne würde ich meinen Peinigern in die Augen sehen und ihnen meine Wut auf die Stirn hämmern. Ihnen deutlich machen, was sie mir angetan haben. Wie sehr sie durch ihr Fehlverhalten mein junges Leben zerstört haben.

 

Mobbing und seine Folgen – was kommt danach

Obwohl der Hass stets präsent ist, überwiegt zeitgleich auch irgendwie die Vernunft. Ändern lässt sich heute eh nichts mehr, ganz gleich ob meine Peiniger von meiner Entwicklung wissen oder nicht. Das damit verbundene Trauma wird mein Leben lang greifbar sein.

Doch wie geht es nach dem Mobbing weiter? Nun, in meinem Fall wurde zunächst ein Arzt eingeschaltet der mich bis zum Ende meiner Lehre krank geschrieben hat. Nichtsdestotrotz habe ich diese erfolgreich abgeschlossen um zumindest eine fertige Ausbildung vorweisen zu können. Danach habe ich mich bewusst auf meine Gesundheit konzentriert und Hilfe in Form von Sozialbetreuern aufgesucht. Diese sind in jeder Stadt anzutreffen und ähnlich wie ein Facharzt an die Schweigepflicht gebunden. Gemeinsam arbeitet man vergangenes auf, plant für die Zukunft und spendet sich Kraft und Trost.

In vielen Landkreisen gibt es zudem die Möglichkeit einer Gruppentherapie, die einmal im Monat in geschlossenen Räumen stattfindet und zumindest einen Teil beitragen kann. Trotz großer Bedenken meinerseits, bin ich bereits seit über einem Jahr Teil einer solchen Gruppe und dankbar für die Unterstützung. Zwar sind die Damen alle weitaus älter als ich, die Probleme, Gefühle und Gedanken sind aber trotz allem die gleichen. In der Gruppe bespricht man seine letzten Tage, berichtet von Augenblicken die das Herz erfreut haben und Momenten die weniger Begeisterung offenbarten. Zeitgleich schenkt man sich Halt und analysiert was man hätte besser machen können.

Nicht ganz so verbreitet ist hingegen die Tiertherapie. Diese wird sowohl in Therapiezentren als auch in Krankenhäusern oder privaten Einrichtungen angeboten. Für mich definitiv das beste Therapieangebot, dass auch mit enormer Begeisterung angenommen wird. Studien haben ergeben, dass sich Menschen besser fühlen, wenn sie körperlichen Kontakt mit anderen haben. Der gleiche Effekt konnte aber auch mit Haustieren nachgewiesen werden. Eine Streicheleinheit für Hund oder Katze tut demnach auch dem Halter gut. Kein Wunder also, dass auch in psychiatrischen Einrichtungen wie etwa einer Tagesklinik oder Psychiatrie mittlerweile Tiere als Therapeuten eingesetzt werden. Vor allem Hunde strahlen eine bedingungslose Zuneigung aus, die Symptome der Krankheit lindern und zu ihrer Heilung beitragen können.

 

Trauma- und Ergotherapie – ein Beginn

Neben den bereits genannten Angeboten gibt es natürlich auch noch die Möglichkeit sich durch die Krankenkassen betreuen zu lassen. Ich beispielsweise starte ab kommender Woche mit einer sogenannten Ergotherapie, die vorerst im kleinen Kreis stattfinden wird. Was genau mich vor Ort erwarten wird, ist bis dato allerdings ungewiss. Denn aufgrund meiner Diagnosen, muss zunächst ein intensives Gespräch geführt werden um die Behandlung und Therapie später auf mich abstimmen zu können. Hier wird gezielt auf meine Persönlichkeit eingegangen um weder meinen Körper noch meinen Geist zu über- beziehungsweise unterfordern. Ein großes Problem übrigens in Kliniken!

Desweiteren habe ich mich für eine Traumatherapie entschieden. Absolutes Neuland für mich, dem ich daher noch wenig Vertrauen entgegen bringen kann. In der Traumatherapie versucht man schmerzhafte und intrusive Verhaltens- und Denkmuster zu verändern. Dazu setzt man Entspannungstechniken und Expositionstechniken ein.  Dadurch wird quasi der Verarbeitungsprozeß der traumatischen Erlebnisse weiter fortgesetzt, die Speicherung der Traumata im Gehirn verändert sich und durch Wiedererleben kommt es zur Integration dieser Erfahrungen in die Gesamtpersönlichkeit.

Anders ausgedrückt, kann man auch sagen, es findet eine Entgiftung mit nachfolgender veränderter gedanklicher und emotionaler Bewertung statt.

 

Inwiefern diese neuen Behandlungsmethoden (zumindest für mich neu) meinen Alltag verändern und mein Leben bereichern werden, wird sich zeigen. Die Angst ist stets dabei, der Wunsch nach einem normalen Leben aber durchaus präsenter!

Janine

5 Kommentare

  1. Nicole
    18. Juli 2018 / 15:00

    Schlimm, wenn man sowas mitmachen muss. Ich musste leider auch so etwas miterleben. 1996 habe ich bei meinem damaligen Arbeitgeber angefangen, das Arbeitsklima war prima. Von Zeit zu Zeit hatte ich wegen chronischer Migräne auch mal eine Krankschreibung, grnau wie bei einer Erkältung oder dergleichen.
    2002 wurde Fibromyalgie diagnostiziert, ich war wegen dauernder Rückenschmerzen u.ä. wohl austherapiert.
    Ich musste zur Reha und habe dort eine medikamentöse Schmerztherapie gemacht. Leider hatte ich dort aufgrund der Nebenwirkungen einen einmaligen Grand Mal Anfall: Kur abgebroche, Krankenhaus… ich durfte aufgrund der Diagnose kein Auto fahren, keine Bildschirmarbeit, etc.
    Insgesamt war ich fast 9 Monate krank geschrieben und habe direkt bei einem neuen Arbeitgeber angefangen.
    Ich wurde von der alten Firma als Hypochonder betitelt, bekam eine Abmahnung und wurde als Lügner bezeichnet. Ich hatte regelrecht Panik dort noch einmal hinzugehen. Niemand hat sich je nach meinem Befinden erkundigt.

  2. Ivonne
    19. Juli 2018 / 16:24

    Mobbing ist ein Thema, was gern verschwiegen wird. Heutzutage fängt es schon im Grundschulalter an.

  3. Gabriela
    5. August 2018 / 13:30

    Auch ich bin ein Opfer von Kollegen-Mobbing .Sie haben es geschafft, dass ich jetzt eine Erwerbsminderungsrente erhalte, da ich nicht mehr in der Lage bin, zu arbeiten. Nach bösen Beschimpfungen wie „Ihre blöde Visage kotzt uns schon lange an“ , Beschuldigungen und vielen anderen Gehässigkeiten habe ich jetzt ein ruhiges Leben. Und das alles in einer großen Bank, die nach sich außen hin als sozial und nett hinstellt und überall spendet. Doch was hinter den Kulissen mit Mitarbeiten gemacht wird, kann sich kein Kunde vorstellen!
    Lieben Gruß
    Gabriela

    • Calista
      Autor
      5. August 2018 / 13:31

      Das tut mir wirklich von Herzen Leid das du genau wie ich eine solche Erfahrung machen musstest. Ich bin auch seitdem in Rente (Erwerbsminderung) und eigentlich ganz glücklich so wie es ist. Aber die Gedanken lassen einen nicht in Ruhe

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