Jahrelang habe ich versucht meine Depressionen alleine in den Griff zu bekommen. Meinem Kopf einzureden, ich würde weder Tabletten noch Hilfe von Ärzten brauchen. Ja, ich war tatsächlich fest davon überzeugt, dass ich diese unsichtbare Krankheit allein besiegen kann. Heute weiß ich, dass ich den Krieg gegen mich selbst verloren habe und ohne Unterstützung nicht mehr hier sein würde. Diese Einsicht kam sehr spät, doch früh genug um rechtzeitig zu erkennen, dass mein Leben eine weitere Chance verdient hat. Einfach hinschmeißen und den Kummer schwinden lassen ist durchaus auch heute noch eine Option, allerdings keine Lösung für mein Problem. Lang genug habe ich gelitten, mich eingesperrt und selbst verletzt. Habe den Ängsten Raum gewährt und mein Lächeln schwinden lassen.

Vor einigen Wochen war er dann endlich da, dieser eine Augenblick der alles verändert hat. Von Kummer geplagt, von Hass zerfressen und mit Tränen auf den Wangen lag ich auf dem Sofa und dachte an Suizid. Es ist kein Geheimnis, dass diese Gedanken meinen Alltag bestimmen. Schon mehrfach habe ich versucht mein Herz ruhen zu lassen, doch irgendwas wollte mich nicht freigeben.

So kam es, dass ich mich um einen neuen Psychiater sowie alternative Möglichkeiten einer Behandlung gekümmert habe. Ehrlich gesagt habe ich zu jenem Zeitpunkt nicht an Erfolg geglaubt und mich schon zusammen gekauert in der Ecke gesehen. Doch der Termin in eine bessere Zukunft rückte näher und mit ihm eine ordentliche Portion Angst. Wovor ich genau diese Furcht hatte, ist mir nicht bewusst. Vielleicht lag es daran, dass dieser festgesetzte Zeitpunkt so viel Hoffnung beinhaltete. Erfreuliche Aussichten auf einen Neuanfang trotz Depressionen.

 

Wie du mit Skills Krisensituationen während einer Depression meisterst

Mittlerweile ist mein Terminkalender voll mit Momenten dieser Art. So besuche ich regelmäßig eine Ergotherapiegruppe, die für Ruhe und Entspannung sorgen soll. Eine kleine Gruppe gemischter Persönlichkeiten sitzt an einem Tisch und malt Mandalas aus. Ich gebe zu, im ersten Moment musste ich schmunzeln und mehrmals den Sinn hinterfragen. Jetzt jedoch habe ich ihn verstanden und lebe ihn seither auch in den heimischen vier Wänden.

Zusätzlich habe ich mit einer Traumatherapie angefangen, die gewiss nicht einfach werden wird, aber Lebensmut wecken konnte. Ich glaube daran, dass ich mithilfe dieser intensiven Gespräche und Einblicke in mein Leben neuen Mut tanken kann. Vielleicht sogar eine positivere Lebenseinstellung bekomme. Doch bis es soweit ist, steht noch eine Menge Arbeit an.

Darüber hinaus bin ich mittlerweile Teil einer sogenannten Skillgruppe. Das Skilltraining ist das Kernstück der Dialektisch-behavioralen Therapie und wird in Gruppenform angeboten. Hierbei handelt es sich quasi um eine Therapiegruppe für Menschen, die unter hoher Anspannung stehen und Schwierigkeiten haben, ihre Gefühle zu steuern. Das kann sowohl bei einer Depression als auch Angststörung und Traumatisierung vorkommen.

In einer kleinen Gruppen lernen wir demnach Fertigkeiten (Skills), die helfen, den Alltag und Krisensituationen besser zu meistern. Zudem lernen wir mehr Ruhe in den Alltag zu bringen, unsere Anspannung zu reduzieren und Gefühle besser zu steuern. Auch soll das Selbstwertgefühl dadurch gesteigert werden.

Gezielte Übungen, theoretische Grundlagen und das gemeinsame Reflektieren eigener Erfahrungen wechseln einander ab. Zu Hause wird das in der Gruppe erlernte schließlich geübt und in den Alltag eingebaut. Durch das Skilltraining erweitert man quasi seine persönlichen Selbsthilfemöglichkeiten.

Das Training besteht dabei aus Übungen folgender fünf Module:

  • Innere Achtsamkeit – mehr Gelassenheit im Alltag finden
  • Stresstoleranz – Krisenbewältigung
  • bewusster Umgang mit Gefühlen
  • Zwischenmenschliche Fähigkeiten
  • Selbstwertsteigerung

Auch hier habe ich erst mit der Therapie (Skills) angefangen, weshalb ich noch nicht sehr viel Input geben kann. Doch schon jetzt merke ich deutlich, dass mir die Gruppe sowie der Sinn dahinter sehr gut tut. Die Teilnehmer sind wie ich, voll Angst und teils ohne Hoffnung. Geprägt von schmerzhaften Momenten die Spuren hinterlassen haben. Ein seltsames Gefühl das wie ein Spiegelbild wirkt. Dennoch habe ich mich wohl gefühlt und gemerkt, dass mir dieser Augenblick gut tut und auch weiterhin tun wird.

In der Hoffnung irgendwann die Depressionen schwinden lassen zu können – mithilfe von Skills.

Janine