Therapiestart in der Kontakt- und Beratungsstelle

Wow, nun ist es also soweit. Nachdem ich unzählig viele Stunden mit mir selbst verbracht und den Blick in Richtung Ferne bewusst vermieden habe, wage ich mich heuer in eine für mich noch vollkommen neue und unbekannte Welt, die sowohl Fluch als auch Segen sein kann. Immer wieder habe ich meine Gedanken schwinden lassen und darüber nachgedacht was wäre wenn,…doch bis dato fehlte der Mut. Stärke diesen Schritt zu gehen und ein Stückchen Vergangenheit zurückzulassen. 

Vor mehr als 4 Jahren wurde mir die Diagnose „Borderline-Persönlichkeitsstörung“ (BPS) offenbart, die binnen kürzester Zeit mein Leben auf den Kopf stellte. Bei dieser Störung sind bestimmte Vorgänge in den Bereichen Gefühle, Denken und Handeln stark beeinträchtigt. Dies wirkt sich durch „negative“ und teilweise paradox wirkende Verhaltensweise in zwischenmenschlichen Beziehungen sowie gegenüber sich selbst aus. Während ich mich längst daran gewöhnt habe und meinen Alltag dementsprechend gestalte, ist es für meine Mitmenschen immer wieder eine Qual zu sehen, wie selbst die alltäglichen Dinge nur bedingt funktionieren.

Die Folgen von Mobbing haben meine Lebensqualität im Nu getrübt. An schweren Tagen fühle ich mich leer, wie eine Hülle – nur mein Pulsschlag ist in dieser Zeit präsent. Seither fühle ich mich gefangen in meiner eigenen, persönlichen Hölle, gefangen in meinem Körper mit Gedanken welche ich weder möchte noch abzuschütteln vermag.

Längst wurden zig Kliniken und Fachärzte aufgesucht, die allesamt nur mit einer medikamentösen Therapie helfen konnten und mich zeitgleich aufgegeben haben.

 

Krieg in mir – Borderline-Persönlichkeitsstörung

 

Für viele lebe ich seither einen Traum..mit 26 Jahren schon in Rente…doch nur wenige sehen und verstehen das Warum. Den Kampf, den man täglich durchlebt. Den Krieg, der einen innerlich zerreißt und die Freude auf den Lippen raubt. Die Leere, die einen Tag wie Nacht begleitet und zu Tränen rührt. Bereits kommenden Freitag werde ich demnach eine Einrichtung besuchen, die einen Ort der Begegnung und der Gemeinschaft darstellt. Dort werden persönliche als auch alltägliche Anliegen sowie Einzel- sowie Gruppeninteressen Beachtung finden. Hierzu gehören beispielsweise allerhand monatliche Veranstaltungen, die zum Teil zu festgelegten Zeiten und nach Bedarf stattfinden wie Kinobesuche, Kegeln und unterschiedliche Tagesausflüge.

Letzteres findet noch längst keine Beachtung meinerseits, denn mein Hauptaugenmerk richtet sich zunächst auf die Frühstücksrunden, in denen persönliche Anliegen zu Wort kommen und Neulinge aufgenommen werden. Herje, wie das klingt…Neuling. Wenn man bedenkt wie lange ich schon mit dieser Diagnose herumirre und sie noch immer nicht wahrhaben will.

Krank sein, .. Oh Gott ich war noch nie so richtig krank…und dann so plötzlich komplett aus dem Alltag gerissen worden.

Noch immer kann ich nicht verstehen, vergessen oder gar verzeihen. Dennoch bin ich fest davon überzeugt, dass ich mich auf dem richtigen Weg befinde und irgendwann wieder mit einem Lächeln auf den Lippen in den Tag starten kann. Ja, in der Zukunft sehe ich mich ohne offene Wunden am Körper und ohne Tränen auf den Wangen. Auch wenn es seltsam klingen mag, seit dem Hass gegen mich selbst fühle ich mich stärker und zugleich auch bereit in den Krieg zu ziehen – den Krieg gegen mich selbst. 

Janine

16 Kommentare

  1. Anja
    4. Januar 2017 / 10:02

    Lese eigentlich kaum blogs,aber dieser sprang mich an und sagte lies mich,danke für deinen persönlichen Einblick in deinen privaten Gefühle und Ängsten.

    Ich verstehe dich gut,bin seit ca.2010 auch von heute auf morgen aus dem arbeits leben gerissen worden,will es bis heute nicht wahrhaben. Vergrabe mich daher auch zu gerne in mein Bett und am besten gar niemanden sehen oder geschweige hören. Außer meinen Katzen,kommen oft schmusen und versuchen mich mit Spielen&kuscheln auf andere Gedanken zu bringen.

  2. Karin Karkutsch
    4. Januar 2017 / 11:12

    Ich kann dich sehr gut verstehen bin mit Unterbrechung seit 2000 in Therapie und bin immer noch nicht mit mir im reinen .
    Einige alte Wunden sind verarbeitet und prompt kommen neue ans Tageslicht.
    Ich wünsche dir ganz viel Kraft für dein neuen Weg ,das schöne ist das alle dich verstehen werden und dich mit offenen Armen empfangen werden ❤❤❤

  3. Melly 1972
    4. Januar 2017 / 12:46

    Auf das es dir irgendwann vielleicht besser geht. Du musst einfach raus aus deinem Trott. Denn am Ende bringt er dich nicht weiter. Ich drücke dir die Daumen, dass es besser wird

  4. Julia
    4. Januar 2017 / 14:28

    Ich habe 2012 die gleiche Diagnose bekommen. Plus rezidivierende Depressionen und Essstörung. Kenne also diesen Kampf. Allerdings hat die Diagnose mir damals das Leben erleichtert, weil ich mich für mein Verhalten nicht mehr „anders und komisch“ im Gegensatz zu anderen gefühlt habe, mich nicht mehr schämen musste, sondern endlich eine Erklärung hatte. Habe das Jahr danach erst eine DBT Gruppentherapie gemacht (kann ich nur empfehlen!) und seit 2014 eine Langzeit Therapie. Heute gelte ich als gesund. Therapie ist hart, es holt vieles hervor, was man vergessen möchte. Dinge die andere getan haben und die man selbst getan hat. Manchmal verzweifelt man. Kann und will nicht mehr. Aber die Lebensqualität die ich heute habe, nach den 4 Jahren harter Arbeit, möchte ich nicht missen. Es gibt ein Leben nach der Diagnose, und es gibt einen Weg heraus. Ich wünsche dir alles Gute :*

  5. 4. Januar 2017 / 23:33

    Ich habe auch meine Probleme mit dem Alltag und fand deinen Text sehr bewegend, schön dass du ihn mit uns geteilt hast!

  6. Christiana Ferizi
    5. Januar 2017 / 14:45

    Ich wünsche Dir, was immer Du Dir auch selbst wünscht…vor allem aber viel Kraft und Geduld und vor allem Gesundheit

  7. 5. Januar 2017 / 15:36

    Ich wünsche dir alles Gute und du schaffst das!

  8. martina müller
    6. Januar 2017 / 16:22

    liebe janine, ich finde es klasse das du dich nicht unterkriegen lässt und auch weiterhin an Therapien teilnimmst damit es dir besser geht und wünsche dir ganz viel erfolg bei der nächsten. Daumen sind wie bei der letzten auch wieder gedrückt. lg tina

  9. kathrin nöbel
    6. Januar 2017 / 23:19

    Liebe Janine,alles Liebe und Gute….ich denke an dich! DU packst das!

  10. Christine Nowak
    16. Januar 2017 / 19:51

    Danke für diese persönlichen Eindrücke in dein Leben. Berührt mich sehr

  11. Sabine Behrendt
    17. Januar 2017 / 11:16

    Danke das du uns einen Einblick in dein leben gibst. Ich drücke dir die Daumen das es in Zukunft Berg auf für dich und all die anderen hier geht.

  12. Petra Hempen
    17. Januar 2017 / 11:27

    Du bist soooo toll,…ich habe selbst eine der vielen Borderline Arten,ich weiss,wie schwer es ist,damit zu leben,aber noch schwerer für die Umwelt,die nicht versteht!!!
    Es ist soooo toll,dass du dieses Thema auf deinem blog thamatisierst,darum lese ich hier soooo gerne,du versteckst dich nicht nur hinter Make-up und Klamotten,du machst gerade mit dieser Rubrik verdammt vielen Menschen Mut!!!

  13. Anja Kehring
    17. Januar 2017 / 22:11

    Ich kann dich verstehen, denn ich leide unter einer postraumatischen Belastungsstörung mit einhergehendem Borderlinsyndrom und schweren Depressionen. Ich habe zwei teilstationäre Aufenthalte hinter mir und bin derzeit in einer ambulanten Psychotherapie.

    In der Klinik und auch in der Ambulanzsprehstunde, in der ich fast zwei Jahre war, bevor ich den jetztigen Therapieplatz bekam, ging es immer nur um Medkamente. Und ich hab sie genommen, weil ich dachte, sie helfen mir. Aber ich habe meine Emphatie verloren und habe dafür irre viele Kilos losgeworden und keine Lust mehr auf Intimität. Nach gut zwei Jahren hab ich mich mich betrachtet und gedacht, nein, das will ich so nicht mehr. Ich habe nach dem letzten teilstationären Aufenthalt für mch beschlossen, ich nehme mene Medikamente nicht mehr,nur ab und an meinen Bedarf. Und es ging mir dadurch nicht besser, aber auch nicht schlechter.

    Und ich habe mir geschworen, ich will den Chemieschnodder nicht mehr. Ich habe mir dann etwas gesucht, wo ich meine Zukunft sehe. An diesem Projekt bin ich dran und es nimmt mich sehr in Anspruch,daneben gibt es auch noch meine Kinder. Denn nichts ist schlimmer, als wenn de schlechten Gedanken schon morgens die Überzahl im Kopf sind, dann ist der Tag gelaufen und seche den ganzen Tag nur noch dahin, ohne jeden Antrieb. Passiert noch was unvorhergesehenes, ist der Wunsch nach der Klnge groß.

    Diese schlimmen Tage werden weniger, durch mein Projekt und durch die Therapie. Ob ich eines Tages komplett gesund sein werde, weiss ich nicht. Man sagte mir mal, Borderline und Depressionen wird man niemehr los. Dann muss ich eben lernen, damit umzugehen und damit zu leben.

  14. Daniela
    10. Februar 2017 / 8:41

    Ich kann nur bedingt mitreden, aber ich weiß wovon Du sprichst und ich finde es toll, wie Du damit umgehst und anderen damit auch Mut machst!

    Selber warte ich gerade auf meine Therapie… Depressionen,Persönlichkeitsstörungen, sowie Zwangs- und Kontrollhandlungen!

    Allerdings betrifft mich auch das Borderline Syndrom…

    Meine Tochter hatte letztes Jahr ihre Therapie… leider scheint sie abgebrochen zu haben…

    Das wissen wir bis heute nicht genau… da sie Volljährig ist, bekomme ich leider keine Auskunft mehr darüber…

    Aber nach ihrem Suizidversuch im Oktober, scheinen mir 3 Wochen Klinikaufenthalt einfach zu wenig.

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