[Teil I] Verpackungsdesign vs. Realität

Werbung/Hand aufs Herz: wie oft greift ihr bewusst auf Fertiggerichte zurück? Gerichte, die man nur noch erhitzen muss, werden von uns Verbrauchern tatsächlich immer häufiger angenommen, nicht zuletzt deswegen, weil es einfach an Kochkenntnissen fehlt. Auch mangelt es viel zu häufig an der Zeit sowie steigender Erwerbstätigkeit beider Elternteile.

Dieses Wissen nutzen die Fertignahrungshersteller natürlich schonungslos aus, weshalb wir mittlerweile auf eine enorme Vielfalt unterschiedlichster Gerichte dieser Art zurückgreifen können. Das erste Nudel-Fertiggericht in Deutschland kam übrigens 1958 auf den Markt. Hierbei handelte es sich um mit Paniermehl und Schweinefleisch gefüllte „Ravioli in Tomatensauce“ von Maggi – eine Reaktion auf den beginnenden Massentourismus, bei dem Italien zu den Hauptzielen gehörte. Da zur damaligen Zeit viele Haushalte noch nicht über einen Kühlschrank verfügten, wurden Maggi-Ravioli in Dosen angeboten.

Der Pionier der Fertiggerichte war allerdings Gerry Thomas, der 1954 in den USA für das Unternehmen Swanson ein tiefgekühltes Drei-Komponenten-Menü erfand. Es brauchte zur Zubereitung nur im Ofen erhitzt zu werden, zudem musste nichts hinzugefügt werden. Dieses Fertiggericht der ersten Generation wurde bis zur Einführung der Mikrowelle in dafür charakteristischen Aluminiumschalen verpackt. Unter dem Namen TV-Dinner wurde das Produkt bereits im ersten Jahr ein durchschlagender Erfolg. Statt der erwarteten 5.000 Exemplare wurden nämlich sage und schreibe 10 Mio. Einheiten verkauft.

Heute hingegen sind Fertiggerichte kaum noch aus dem Alltag wegzudenken. Denn sie sollen uns Verbrauchern die Zubereitung komplett – abgesehen vom Vorgang des Erwärmens – abnehmen. Dabei werden sämtliche Zutaten bereits beim Hersteller gemischt. Dies stößt oftmals jedoch an Qualitäts- bzw. Geschmacksgrenzen: Denn während Tiefkühlprodukte lediglich rasch eingefroren werden müssen, führt die gemeinsame Lagerung – beispielsweise Nudeln mit Sauce in einer Konservendose – zu unerwünschten Reaktionen der Zutaten miteinander.

Bei Halb- oder Teilfertiggerichten dagegen sind die Zutaten bereits zerkleinert und portioniert verpackt. Wir Verbraucher müssen die Zutaten lediglich nach Anleitung mischen und ggf. weitere Zutaten zugeben, die aus praktischen Gründen nicht mitgeliefert werden oder nicht für eine längere Lagerung geeignet sind. Daraus resultiert einerseits ein deutlich höherer geschmacklicher Anspruch als bei reinen Fertiggerichten, allerdings müssen wir mehr Zutaten selbst beschaffen und zumindest grundlegende küchentechnische Fertigkeiten mitbringen.

In den vergangenen Wochen habe ich mich intensiv mit dem Thema befasst und meinen täglichen Bedarf an Lebensmitteln genauer beobachtet. Dabei musste ich entsetzt feststellen, dass fast jedes zweite Produkt ein Fertigprodukt war. Ob Fix-Tütchen, eine Dose oder aber ein kleiner Snack zwischendurch – immer wieder habe ich mich von der Werbung blenden lassen und dem inneren Verlangen Raum gewährt. So konnte mich die Werbung im TV oder aber im Prospekt im Nu für sich gewinnen, weshalb der Herd in der heimischen Küche häufig kalt blieb. Denn immer wieder sah ich in den bereits fertigten Menüs eine enorme Zeitersparnis, die ich letztendlich für wichtigere Dinge verwenden könne. Das ich dabei allerdings meine Gesundheit aufs Spiel setze und massenhaft seltsame Inhaltsstoffe zu mir nehmen würde, war mir anfangs nur bedingt bewusst.

Mal abgesehen davon, dass Fertiggerichte so gar nicht schmecken, sahen sie irgendwie auch gruselig aus. Geblendet von der Verpackung und den appetitlichen Versprechungen seitens des Herstellers, habe ich meine Gerichte in regelmäßigen Abständen dokumentiert um mir bewusst zu machen, dass ich künftig auf Produkte dieser Art verzichten könnte. Selbstgemacht ist nämlich nicht nur gesünder sondern oftmals auch durchaus ansprechender. Doch seht selbst:

HotDog – 2 komplette Hot Dogs mit Brötchen, Würstchen, Gurken und Röstzwiebeln

Cheese Burger – 2 komplette Cheese Burger mit Gurke und Soße

Salamini Calzone

Currywursttopf mit Kartoffeln

Königsberger Klopse mit Kartoffeln

Schweineroulade mit Blaukraut und Stampf

Rostbratwürstchen mit Stampf und Sauerkraut

 

Keine Frage, die Versprechen weichen natürlich deutlich von der Realität ab. Mal abgesehen davon, dass die Menüs optisch nur wenig Freude bereiten konnten, empfand ich auch den Geschmack als widerlich. Einige Produkte schmeckten alt und ausgetrocknet (Stampf), andere hingegen überwürzt und zu scharf (Currywurst). Sowohl Sauer- als auch Blaukraut waren zerkocht und hätten auch mit einem Strohhalm „genossen“ werden können.

Inwiefern ich demnach künftig bewusster auf meine Ernährung achte, kann in diesem Moment nicht gesagt werden. Immerhin möchte ich keine falschen Versprechungen äußern. Da ich gewiss in Kürze wieder auf das ein oder andere Fixprodukt zurückgreifen werde. Die Finger lasse ich künftig allerdings von solchen Fertiggerichten, wie ich sie euch eindrucksvoll abgelichtet habe. Denn dafür ist mir mein Geld zu heilig, außerdem lassen sich schmackhafte Köstlichkeiten im Vergleich hierzu preiswerter zubereiten.

In meinem nächsten Beitrag wage ich mich übrigens in den Bereich „Beauty und Schönheit“, denn auch die Kosmetikindustrie wirbt mit echten „Schätzen“, die sich im Anschluss als Mist offenbaren. Es bleibt also spannend.

Janine

6 Kommentare

  1. Ursel Barth
    15. August 2017 / 12:18

    Ich habe mir manchmal die Mühe gemacht, und Produkt und Verpackung neben einander fotografiert … führte meistens zur Erstattung. Auch habe ich mir mal die Mühe gemacht, das Gewicht vor und nach dem Braten (fertiger Gyros als Beispiel) zu wiegen und das „gesammelte“ Wasser in Weinprobiergläschen umzufüllen. Führte auch zur Erstattung. Manchmal fehlt mir dazu aber der Nerv (und das Produkt landete in der Tonne). Bester Test: An fleischhaltigen Produkten die Kater schnuffeln lassen … drehen sie sich weg, lohnt sich nicht einmal das Aufwärmen. Daher: lieber öfters selber kochen :) (Hab‘ heute allerdings fertigen Gemüse-Fond genommen, muss ich zu meiner Schande gestehen ;) )

    • Calista
      Autor
      15. August 2017 / 12:19

      Haha, ja ich habe auch die Alternative selber kochen gewählt, auch wenn ich hier gewiss so manches mal wieder auf Fertigprodukte ala Fix zurückgreifen werde :D

  2. 15. August 2017 / 12:37

    Liebe Janine,
    deine Fotos sind aber eigentlich noch zu schön, meist sieht so ein Essen ja noch ekeliger aus. :D
    Zu so etwas greife ich tatsächlich nie, wenn dann gibt es Gerichte von Frosta oder einen Eintopf. Die Sachen sehen dann aber immer ganz lecker aus, schmecken und es ist auch selten so fieser Kram drin, wie in dem Burger oder Hot Dogs.

    Ich bin schon auf den Beautypost gespannt ;)
    Liebe Grüße,
    Sylvia

  3. 15. August 2017 / 14:26

    Also ich greife gerne mal auf Fertigprodukte von Frosta zurück. Auf die TK-Ware, die ist schon wirklich superlecker. Ich verfeinere dann allerdings noch mit Kräutern aus dem Garten, einfach nach eigenem Geschmack, mit Salbei, Estragon, Thymian und vielem anderen.
    Gestern hatten wir die Western-Pfanne von Norma, echt lecker und preis-leistung-toll. Da kamen dann ebenfalls noch Kräuter hinein und alles wurde mit Rotwein abgelöscht.
    Pizza dagegen … da der Mann einfach die beste Pizza macht, greife ich selten dazu zu TK-Ware. Dann höchstens mal zu Western Spinat … hmmmm, der kann ich nicht widerstehen.
    Alles andere … nein, nicht wirklich …
    Ach doch … Ravioli *lach* … dann aber nur die von Maggi mit Fleisch. Alle anderen sind einfach nur *bäh*.

    liebe Grüße
    Tammi

    • Calista
      Autor
      15. August 2017 / 14:30

      Haha ja so sieht es bei mir auch ungefähr aus :D für den Bericht haben wir uns nur mal in eine vollkommen andere Welt gewagt un Produkte ausgesucht die so gar nicht gehen :D

  4. 16. August 2017 / 22:15

    Auch wenn das eine niedergeschlagene Tatsache ist, finde ich solche Posts super witzig. Wobei du da wirklich gute Fotos noch hinbekommen hast. Oft sieht das essen ja wirklich schrecklich aus.
    Aber irgendwie kann man doch nicht ohne Fertigprodukte leben!

    schau gerne auf meinem BLOG vorbei dort schreibe ich über diese tollen Beach Essentials

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