Von der Macht schrecklich starker Gefühle – Heimweh

Es sind mittlerweile 5 Jahre die ich in der Mittelstadt im Süden Brandenburgs lebe, doch noch immer habe ich das Gefühl nicht zu 100% angekommen zu sein. Zwar weist die Kreisstadt des Landkreises Oberspreewald-Lausitz eine Vielzahl toller Ausflugsziele und Möglichkeiten hervor, dennoch fühle ich mich noch immer fremd.

Ich kann mich noch gut an meine erste Zugfahrt nach Senftenberg erinnern. Mit verheulten Augen saß ich zwischen fremden Menschen und dachte über mein Leben nach. Kurz zuvor hat sich mein langjähriger Partner und Ex-Verlobter von mir getrennt und sich für ein Leben mit einer „Jüngeren“ entschieden. Für mich brach zu jenem Zeitpunkt eine Welt zusammen, die durch den Umzug in ein neues Bundesland wieder zurecht gebogen werden sollte.

Mit der Zeit nahm ich auch die wahrhaft schöne Umgebung wahr und begann mich, fernab von meiner Familie und meinen Freunden, häuslich einzurichten. 5 Jahre ist das nun her. 1825 Tage in denen ich versucht habe meinen Platz im Leben zu finden. Doch jetzt merke ich immer mehr wie sehr mir vor allem meine Geschwister fehlen, die ich in jungen Jahren gerne losgeworden wäre. Es fühlt sich sehr einsam an, manchmal auch leer und fremd. Feierlichkeiten wie Geburtstage, Weihnachten und Ostern .. ja selbst das wöchentliche Mittagessen bei Mutti ist mit den Jahren so unglaublich wertvoll geworden. Wohlgemerkt, damals war ich über Freiraum froh – heute ist es mir zu viel.

Hätte man mir mal gesagt, dass ich irgendwann mit Tränen auf den Wangen an meine Geschwister denke, wäre ich wahrscheinlich lachend über den Boden gerollt.

 

Von der Macht schrecklich starker Gefühle – Heimweh

Keine Frage, mir geht es gut hier in Senftenberg. Ich habe einen wundervollen Partner an meiner Seite und auch eine kleine handvoll Freunde gefunden. Zudem liegt vor meiner Haustür einer der größten künstlich angelegten Seen Deutschlands. Dennoch fehlt mir etwas entscheidendes um glücklich zu sein: meine Familie.

Natürlich fahre ich regelmäßig nachhause um sowohl meine Eltern als auch meine Geschwister zu besuchen, doch kaum angekommen fühle ich mich auch hier fremd und einsam. Etliche Male habe ich schon versucht darüber nachzudenken, wo ich denn nun zuhause bin. Doch bis heute habe ich keine Antwort gefunden.

Ein unzeitgemäßes Gefühl, das im Nu erscheint und dann, so plötzlich, wie es gekommen war, verschwand.

 

Heimweh ist die Sehnsucht in der Fremde, wieder in der Heimat zu sein. Es ist die Sehnsucht in die Ferne, etwas das soziologisch gesehen auf verlorene Gemeinschaft hindeutet. Vor allem während der Kindheit, aber auch im Erwachsenenalter tritt Heimweh auf. Nicht nur wenn der Einzelne sich vereinsamt fühlt, sondern auch in psychischen Krisen.

„Jeder Kontakt zu geliebten Menschen reißt die Wunde wieder auf und berhindert dadurch das Sicheinlassen auf die Fremde.“

Janine

8 Kommentare

  1. Natascha Reichert
    15. März 2018 / 0:57

    Ich verstehe Dich mal wieder soooo gut…
    Komme eigentlich aus Nürnberg und bin seit einiger Zeit im Osten des Landes gestrandet, präzise gesagt inzwischen in Chemnitz. Von Chemnitz hatte ich noch niemals vorher etwas gehört.
    Und inzwischen habe ich einem waschechten Chemnitzer geboren
    Trotzdem fühle ich mich immer irgendwie wurzellos, komme ich aber nach Hause nach Franken,gehöre ich dort auch nicht mehr hin.
    Es ist anscheinend so,dass ich meine Wurzeln irgendwie in MIR SELBST suchen und hoffentlich auch irgendwann finden werde.
    Ich kenne diese Heimatlosigkeit jetzt schon lange,daran gewöhnen werde ich mich wohl nie
    Ganz liebe Grüße
    Tascha

    • Calista
      Autor
      15. März 2018 / 9:53

      Ahh du bist auch aus Franken in den Osten rüber hihi :D wie ich :D

      Es ist schon seltsam wie die Dinge manchmal geschehen.

    • Ivonne
      15. März 2018 / 13:44

      Du bist aus Chemnitz??? Wow… ich wohne auch seit über 11 Jahren in Chemnitz, aber ich bin eigentlich ein erzgebirgisches Madel. Ich bin gern im Erzgebirge und ich liebe die Traditionen dort. Gleichzeitig bin ich in Chemnitz angekommen . Ich denke das fehlt Janine noch.

  2. danivomdach
    15. März 2018 / 8:09

    Ich verstehe dich gut :( Vor allem, dass du deine Geschwister vermisst. Meine beiden Brüder wohnen ca. 10 km von mir weg. Kontakt habe ich aber nur zu einem gut. Der andere meldet sich kaum noch bei mir, glaube ich bin ihm egal geworden. Klar, er hat jetzt eine eigene Familie. Aber ich interessiere mich trotz eigener Bude und Partner immer noch für meinen jüngeren Bruder. Ist schon schlimm wenn man das Gefühl hat jemandem egal geworden zu sein ;(

    • Calista
      Autor
      15. März 2018 / 9:51

      Ich glaube egal geworden bist du ihm nicht, vielleicht ist er zeitleich einfach zu sehr in sein neues Leben eingebunden und deswegen so „abwesend“ dir gegenüber.

  3. Ilse Schwerter
    15. März 2018 / 10:38

    Und genau aus diesem Grund bin ich ein kleiner „Heimscheißer“ nach wie vor. Meine Freunde wohnen gleich um die Ecke und meine Eltern fünf Minuten entfernt. Ich könnte niemals wegziehen – alleine zwei Wochen Urlaub sind für mich die Hölle. Meine Tochter ist für ein Jahr tausende Kilometer entfernt und wird mal, wenn ihr Freund fertig ist mit seiner Ausbildung, nach Australien auswandern. Ich vermisse sie jetzt schon schrecklich und doch bewundere ich sie für ihre Zielstrebigkeit. Gut, dass es heutzutage Skype und all diese anderen Kommunikationsmöglichkeiten gibt. Ich drücke dich und kann dich sooooo gut verstehen. Liebe Grüße

    • Calista
      Autor
      15. März 2018 / 10:45

      Ich bin auch so. Eine Nacht mal woanders und ich habe mega Heimweh. Schon krass :D

  4. 16. März 2018 / 4:01

    Oh ja ich verstehe dich verdammt gut ich habe auch großes Heimweh nach meinen Wurzeln nach Hessen.
    Ich bin in meinem Leben schon sehr oft umgezogen von Hessen nach Berlin wieder zurück dann nach Wolfsburg wieder zurück dann nach oberfranken von dort aus nach Duisburg und nun habe ich das Bedürfnis und großes Heimweh wieder nach Hessen zurück zu ziehen was sich leider sehr schwierig gestalltet aber ich tue alles daran setzen das der Tag kommt und ich wieder in meiner Heimat bin und dann werde ich sie nie wieder verlassen.
    Wobei ich diesen Weg auch mit sehr gemischten Gefühlen gehen werde da ich nicht ohne Grund die Heimat verlassen habe sondern um ein neues Leben zu beginnen aufgrund meiner psychischen Erkrankungen aber es gibt da zwei kleine Wesen in Hessen die ein recht darauf haben das ich zurück komme um wieder voll und ganz für sie dazu sein mehr dazu gerne privat.
    Ich habe einen tollen Partner an meiner Seite der diesen Weg mit mir geht und mich stützt nicht wieder ins alte Leben zurück zu fallen

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