Wenn das Weihnachtsfest zu Depressionen führt

Keine Krankheit wird so in Frage gestellt wie die Depression. Die psychische Störung lässt Freude und Lustempfinden schwinden und mindert sowohl das Selbstwertgefühl als auch die Leistungsfähigkeit, unser Einfühlvermögen und das Interesse am Leben. Diese Symptome treten auch bei gesunden Menschen zeitweise auf, bei einer Depression sind sie jedoch länger vorhanden und weitaus schwerwiegender ausgeprägt. 

Gerade im alltäglichen Sprachgebrauch verwendet man den Begriff depressiv übrigens häufig für eine normale Verstimmung. Dabei ist eine Depression keineswegs zu unterschätzen und sollte ernst genommen werden. Denn die Folgen der behandlungsbedürftigen Erkrankung sind gravierend und stellen eine wesentliche Ursache für Arbeitsunfähigkeit oder Frühverrentung dar.

 

Rund die Hälfte der jährlichen Selbsttötungen in Deutschland haben einen depressiven Hintergrund!

 

Eine unglaublich schwere und anstrengende Zeit für Menschen mit Depressionen stellen die aktuellen Monate dar. Zwar feiern wir in Kürze Weihnachten und genießen die gemeinsamen Augenblicke im Kreise der Liebsten, dennoch stellt diese Zeit auch eine Belastung dar. Schuld daran ist neben den körperlichen Anstrengungen nämlich allem voran der emotionale Stress, der unbewusst Druck aufbaut.

 

Wenn das Weihnachtsfest zu Depressionen führt

Ehrlich gesagt habe ich mich nie wirklich für die Weihnachtszeit begeistern können. Die harmonische, freud- und friedvolle Zeit war vielmehr eine Last die täglich schwerer wurde. Immer wieder saß ich im Kreise der Familie und lächelte ihnen mit einem verlogenen Grinsen ins Gesicht, um zu verbergen, wie unerträglich die Situation für mich ist. Währenddessen biss ich mir immer fester auf die Lippe und wartete bis der Schmerz meinen Körper durchfuhr. Statt Entspannung empfand ich lediglich Leere. 

Nichtsdestotrotz zog ich mein Programm durch – jedes Jahr! Einladung wahrnehmen, hinsetzen und Fake-Lächeln aufsetzen.

Natürlich war mir selbst nicht klar warum ich so niedergeschlagen und antriebslos war. Ich hatte keinen Anhaltspunkt der die Situation greifbarer machte um zumindest selbst zu akzeptieren. Es fehlte schlichtweg an einem sichtbaren Grund.

Auch heute noch versuche ich verzweifelt nach dieser einen Antwort zu suchen. Der Auflösung für meinen tiefen Schmerz. Doch ich kann sie einfach nicht finden. Vielleicht aber möchte ich ihr auch einfach nicht begegnen. Trotzdem habe ich mich verändert, sowohl positiv als auch negativ. Ich habe zumindest ein bisschen gelernt zu akzeptieren und die Situation hinzunehmen. Demnach finde ich mittlerweile immerhin gefallen an der besinnlichen Vorweihnachtszeit und koste den Glanz der Begeisterung voll und ganz aus. Allerdings fake ich auch heute noch mein Lächeln um Abstand zu gewinnen und belastenden Fragen aus dem Weg zu gehen.

 

Statt Entspannung wird Leere empfunden 

Vor genau 8 Jahren musste ich mich von einem Engel verabschieden der keine Chance bekam eine Berührung wahrzunehmen. Dessen Herz gewiss voller Liebe gewesen wäre und mein Leben sicher auch in eine vollkommen andere Richtung gelenkt hätte. Es gibt keinen Tag an dem ich nicht daran denke. Keine Stunde die nicht von diesem Kummer geprägt ist. Kein Wort das diesen Schmerz lindern könnte.

Jede Träne die ich seither in der Vorweihnachtszeit vergossen habe, ist aber irgendwie auch zu einer Berührung dieses kleinen Wesens geworden. Selbst die leuchtenden Sterne am Horizont scheinen geprägt von zu sein- haben mir in den vergangenen Jahren demnach immer wieder Kraft geschenkt. Gäbe es die Möglichkeit alles besser zu machen, Fehler auszubessern und Momente wie diese umgehen zu können, würde ich sie nutzen. Einfach nur deswegen, weil ich mir nichts sehnlicher Wünsche als ein Leben ohne diese Schuld und Depressionen.

Janine

12 Kommentare

  1. Natascha Reichert
    22. November 2017 / 9:18

    Ich weiß leider all zu gut,wie sich dieses Leere in der Seele,im Herzen anfühlt.
    Wenn man morgens eigentlich nicht mal weiß,warum man Abends noch am Leben sein soll,was der Sinn,der Grund dafür sein soll,zu leben.Sogar nur für eine weitere Stunde.
    Ich weiß leider nicht genau,wann es oder was sich verändert hat,aber im Laufe der Jahre hat sich irgendwas verändert in mir.
    Ich einige Menschen für immer gehen sehen,die werde ich nie vergessen.Ihr Gesichter ,ihre Stimmen ,ihre Art zu Lachen
    Warum ausgerechnet ICH noch da bin ???
    Aber ich bin es und ich werde anscheinend noch gebraucht.
    Inzwischen hat sich viel verändert, manchmal versucht die Leere, die Schwärze hochzukriechen und das Jetzt mit hinein zu ziehen.
    Aber im Laufe von über 25 Jahren habe ich wahrscheinlich gelernt,sie zumindest meistens zurück zu drängen.
    Es gibt sogar Tage,da bedauere ich,dass nicht noch hunderttausend neue Tage folgen werden.
    Ich wünsche Dir von Herzen,dass Du das dunkle Tal irgendwann hinter Dir lassen kannst.
    Keine Ahnung,ob ich verstanden werde jetzt.
    Gruß Tascha

  2. Ivonne
    22. November 2017 / 11:00

    Ich wünsche dir von Herzen ein Leben ohne Schuld und Depressionen. Wir als Außenstehende können gar nicht verstehen, wie es dir geht. Fühl dich gedrückt.

  3. 22. November 2017 / 11:08

    Liebe Janine,
    eine solche Leere kann ich mir nicht vorstellen. Ich habe zwar mit einer leichten Winter Depression zu kämpfen (und da auch gerade über meine Tipps ein wenig was geschrieben), aber einen solchen Schmerz sollte niemand erfahren müssen! Traurig, dass auch das zum Leben hier auf Erden dazu gehört! Dein kleiner Engel ist aber ganz sicher immer bei dir ♥
    Es freut mich aber immer zu lesen, dass du das Thema auch nach Außen trägst und deine Gefühle beschriebst! Ich denke das macht vielen Betroffenen Mut!
    Ganz liebe Grüße,
    Svenja

  4. Astrid Scholz
    22. November 2017 / 11:33

    Ich wünsche dir ganz viel Kraft jetzt in der lichterwelt . Die es ja schön und besinnlich machen soll. Fühl dich gedrückt liebe Janine LG Astrid

  5. Petra Lass
    22. November 2017 / 19:25

    Liebe Janine, ich weiß ganz genau wie du dich fühlst und was für seelische Schmerzen du erleidest! Ich leide seit 4 Jahren unter Depressionen .Wochenlang war ich in einer Klinik um überhaupt zu verstehen was mit mir los ist und wie ich es schaffe meinen Alltag zu meistern , in der Zeit starb auch noch meine Mutter und alles schien aussichtslos. Von außen habe ich nur wenig Verständnis bekommen; ausgenommen meine engsten Freunde und Familie…
    Wie oft musste ich mir anhören …du hast nichts , man kann sich was einreden oder du hast keine Lust zu arbeiten!!
    Mir geht es Dank meinem Mann wieder besser , aber es kommen immer noch oft genug dunkle Wolken über mich !!
    Ich bin mir sicher und hoffe es sehr für dich das irgendwann nur noch die Sonne für dich scheint ❤❤❤
    Petra

  6. Sigrid Höhmann
    22. November 2017 / 20:17

    Das du keine Schuldgefühle haben sollst , haben dir sicher schon sehr viele Menschen gesagt – ich wünsche dir, dass es eines Tages so ist !

  7. 23. November 2017 / 5:52

    Was dir passiert ist, tut mir unendlich leid und als Mutter von 2 Kindern schwer zu lesen. So weiß ich doch, wie sehr man sich auf dieses kleine Wesen freut! Ich hoffe für dich, dass du irgendwann die Chance hast, den Schmerz zu verarbeiten und dem Leben eine neue Chance gibst!

  8. Kim
    23. November 2017 / 12:53

    Liebe Janine,
    ich weiß genau was Du meinst… Seit dem 5.12.2007 leide ich an Depressive Episoden bei Agoraphobie mit Panikstörung… und ganz schlimm wurden die Depressionen seit dem 19.2.2010…

    LG Kim

  9. 26. November 2017 / 16:17

    Depressionen lassen sich behandeln. Sei es über Psychotherapie, über Licht oder Sport oder eben über Antidepressiva. Wichtig ist, dass man sich da eben engagiert. Nicht nur zu Weihnachten. Das Leben ist viel zu schön, um depressiv dahin zu vegetieren.

  10. 26. November 2017 / 22:06

    Eine stille Umarmung und viele positive Gedanken. Zu mehr fehlen mir die Worte-verzeih. Jasmin Hilb….

  11. Tanja K
    25. Dezember 2017 / 21:53

    Ich sende dir eine Umarmung und schicke dir Kraft .
    Ich wünsche Dir Kraft -Ausdauer und die Gelassenheit damit zu lernen umzugehen und ein Glückliches Leben zu führen .
    Nach jedem Regen kommt irgendwann die Sonne .

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