Wenn die Stille leblos wird – Leben mit Depressionen

16. Februar 2018Calista

Die Frage nach dem Warum, das habe ich gelernt, klammert zu oft den wahren Sinn von Leid und Frust aus. Es ist wohl eher die Frage „Warum passiert gerade mir so etwas?“ die mich seit jeher umklammert. 

Wie oft habe ich aus dem Fenster geblickt und die Sterne beobachtet, während mein Herzschlag den Takt vorgab. Mir ein gefälschtes Lächeln aufgesetzt um den Kummer zu verbergen. Wie oft habe ich mich nach dieser Stille gesehnt, die fernab von all dem auf mich wartete.

5 Jahre sind vergangenen in denen ich zu einem Wesen wurde, dass sich selbst kaum noch erkennt. Ich wurde zu einem Menschen der geprägt von Gefühlen und Ängsten war und die Hoffnung auf ein Leben ohne diesen inneren Kampf aufgab. Doch ganz gleich was ich auch tue, wie ich fühle und liebe, wie ich atme und rede es fühlt sich nicht richtig an. Ich fühle mich fremd, in meiner eigenen kleinen Welt. Es ähnelt einem mühsamen Weg der täglich bestritten werden muss. Schließe ich die Augen sehe ich mein Haupt in weiße Laken gehüllt auf einer saftig grünen Wiese stehen. Ich nehme in diesen Momenten den Duft wahr, die warmen Sonnenstrahlen die meine Haut kitzeln und diese angenehme Stille, die mir keineswegs fremd war. Kein Schmerz, kein Gedankenkarussell und kein Kummer der diesen Augenblick mindern kann.

 

Wenn die Stille leblos wird – Leben mit Depressionen

Oft frage ich mich, wie andere ihre Depressionen wahrnehmen. Ob sie genauso denken und fühlen. Wie ihre Vorstellung sein mag. Doch schnell schwindet der Gedanke auch wieder dahin, denn er hemmt meine persönliche Stille und lässt Zweifel offen die Ängste hervorlocken. An guten Tagen fühlt sich die Depression überwunden an. Wie eine Raupe die ihren Kokon verlassen und ihren Weg gefunden hat. Momente wie diese bereichern das Herz und entlocken Kräfte, die an schlechten Tagen so wertvoll sein könnten. Denn in diesen ist der Kopf zum Boden hin gesenkt und bestückt mit einer Vielzahl an schmerzhaften Nadeln. Jede dieser Nadeln fügt eigenen Schmerz zu, der keineswegs leicht zu ertragen scheint. Immer tiefer bohren sie sich in die Haut hinein und rauben meine Kraft. Ich fange an zu zweifeln, mein eigenes Ich zu verteufeln und mein Leben in Frage zu stellen. Der Wunsch nach Stille ist zu jenem Zeitpunkt präsenter denn je.

 

„Meine Depression ist wie ein täglich wechselnder Krieg, der keine Sieger kennt.“

 

Es ist mein Krieg der einfach kein Ende findet. 

Janine

10 Comments

  • Verena Stadler

    16. Februar 2018 at 11:07

    Das wichtigste bei einer Depression ist, (finde ich) erstmal herausfinden was einem gut tut und was nicht & das ist gar nicht mal so leicht….
    & versuchen alles Negative aus seinem Leben zu verbannen & Dinge zu tun, die einem gut tun!
    Und immer daran denken:
    Positives zieht Positives an & Negatives zieht auch nur Negatives an!

    1. Calista

      16. Februar 2018 at 11:10

      Ich glaube mit meinem Umzug in ein anderes Bundesland habe ich diesbezüglich schon allerhand gutes getan. Demnach kann ich dir nur zustimmen das man böses loswerden sollte :)

  • Anica Kuhrau

    16. Februar 2018 at 13:57

    Sehr schön geschrieben, als selbst betroffene kann ich alle Gefühle nachempfinden. Mir geht es jetzt gut, aber es ist dennoch ein täglicher Kampf mit sich selbst..Ich wünsche Dir alles Liebe

    1. Calista

      16. Februar 2018 at 14:25

      Das wünsche ich dir auch ♡

  • Chrissy Schiefer

    16. Februar 2018 at 14:07

    Meine Depression hat sich angefühlt als ob ich in einem tiefen Erdloch sitze. Egal was man tut, man kommt nicht raus. Und wenn man versucht rauszukrabbeln, dann rutscht immer mehr Erde und Dreck nach.

    1. Calista

      16. Februar 2018 at 14:24

      Ich glaube das beschreibt die Depression wirklich mit am besten

  • Käthi

    25. Februar 2018 at 13:29

    Schade, dass so viele Menschen die Krankheit Depression einfach so abtun, anstatt auf die Betroffenen zuzugehen.

    1. Calista

      25. Februar 2018 at 13:43

      Depressionen sind einfach immer noch nicht akzeptiert in der Gesellschaft und ich glaube das wird auch noch sehr lange dauern bis es soweit ist. Leider

  • Heike

    25. Februar 2018 at 19:48

    Ich lache ja,ich kann reden ja, ich bin nicht immer leise und doch kann niemand in mich hinein sehen und meinen Schmerz fühlen oder meine Gefühle fühlen! Ich bin ich und nicht Du !Meine Seele gehört mir ,nur mir !!!

  • Gertrud kloos

    26. Februar 2018 at 4:33

    Sehr schön geschrieben. Ich selbst lebte fast 3 Jahre nur in der Psychiatrie. Habe gelernt , damit umzugehen und Veränderungen vor zu nehmen. Ich muss nicht jedem gefallen und ich kann tun , was mir gut tut. Der Prozess läuft seit 1992 mit Suizidversuchen, selbstverletzungen und Einsamkeit und langzeittherapie
    Es geht mir jetzt soweit gut

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