Dreckige Kinder sind keine schlecht erzogenen Kinder

Mein Sohn ist 3 Jahre alt. Heute stand er auf dem Spielplatz, eine kleine Schaufel in der Hand, vertieft in seine Welt. Er hat gebuddelt, kleine Steinchen gesammelt, Eimer gefüllt, ausprobiert, experimentiert. Ab und zu nahm er eine Handvoll Steinchen mit zur Rutsche, ließ sie herunterkullern und rutschte anschließend selbst hinterher.

Für ihn war es Forschen. Entdecken. Spielen.

Für eine ältere Dame auf dem Spielplatz war es offenbar ein Problem.

 

Beschimpfungen auf dem Spielplatz, wenn Erwachsene Grenzen überschreiten

 

Die Oma, die mit ihren Enkeln unterwegs war, fühlte sich gestört.

Es folgten Worte, die man gegenüber einem 3-jährigen Kind nicht verlieren sollte: Mein "dreckiger Sohn" solle die Rutsche sauber machen. Wie es wohl bei uns zu Hause aussehe. Wir haben keine Erziehung genossen.

Ich stand da - fassungslos.

Mein Sohn hatte niemanden verletzt. Niemanden beworfen. Niemanden dreckig gemacht. Er hat einfach gespielt.

Und genau hier beginnt das, was mich so beschäftigt.

 

Kinder müssen spielen dürfen, auch wenn sie dabei dreckig werden

 

Ein Spielplatz ist kein Museum.

Ein Spielplatz ist ein Ort für Kinder.

Kinder lernen durch Ausprobieren. Durch fühlen. Durch Material. Durch Dreck. Gerade im Alter von drei Jahren ist das Experimentieren mit Sand, Steinchen und Naturmaterialien elementar für die Entwicklung. "Dreckig werden" gehört zur Kindheit dazu. Es fördert Motorik, Kreativität und Selbständigkeit.

Warum fällt es manchen Erwachsenen so schwer, das auszuhalten?

 

Wenn Erwachsene ihre eigene Unzufriedenheit projizieren

 

Was mich besonders getroffen hat, war nicht die Kritik an sich, sondern die Heftigkeit. Ein kleines Kind so zu beschimpfen, sagt mehr über den Erwachsenen aus als über das Kind.

Kinder sind keine Störfaktoren im öffentlichen Raum.

Sie sind Teil unserer Gesellschaft.

Und ja, natürlich gibt es Grenzen. Natürlich sollen Kinder Rücksicht lernen. Aber Rücksicht bedeutet nicht, dass sie aufhören müssen, Kind zu sein.

 

Mehr Gelassenheit auf dem Spielplatz

 

Ich wünsche mir mehr Verständnis zwischen Generationen.

Mehr Gelassenheit.

Mehr Erinnerungen daran, wie es war, selbst klein zu sein.

Mein Glückskeks durfte heute spielen und auch wenn mich die Situation aufgewühlt hat, weiß ich: Ich werde ihm weiterhin erlauben zu entdecken, zu forschen und auch mal dreckig zu werden.

Denn Kindheit ist keine saubere Angelegenheit. Sie ist wild, neugierig und manchmal voller Steinchen auf einer Rutsche.

Und das ist gut so.

with love,
Janine
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