Ein Hauskauf ist mit vielen Risiken und Kosten verbunden. Vor allem als unverheiratetes Paar geht man dabei ein großes Wagnis ein, denn anders als bei Verheirateten bestehen für unverheiratete Partner, bei der Baufinanzierung und dem Hauskauf kaum gesetzliche Regelungen. Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschieden, dass wir beide als Eigentümer im Grundbuch eingetragen werden. Bei einer möglichen Trennung im Streit geht sonst unter Umständen derjenige leer aus, der nicht ins Grundbuch eingetragen wurde. An Streit und Trennung wollen wir jedoch nicht denken, auch wenn die Altbausanierung eine echte Belastungsprobe für die Beziehung darstellt. Dies liegt allerdings nicht an den Umbaumaßnahmen und den damit verbundenen stressigen Momenten, sondern vielmehr an den äußeren Einflüssen.

 

Gemeinsamer Hauskauf ohne Trauschein

 

Im August vergangenen Jahres entschieden wir uns für den Kauf einer Immobilie aus dem Baujahr 1938. Die teilweise unterkellerte Doppelhaushälfte wurde in den letzten Jahren ausgebaut und saniert, verfügt über ein angrenzendes Wirtschaftsgebäude und zahlreiche Nebengebäude mit Abstellkammern, Lager und Stauraum sowie ein Carport, der ebenfalls als Unterstellmöglichkeit genutzt werden kann.

Anfang 2021 zogen wir schließlich ein und widmeten die ersten beiden Wochen ausschließlich dem Umbau der unteren Etage.

Während im Badezimmer und der Küche lediglich der Putzlappen geschwungen werden musste, hat es im Ankleide- und Schlafzimmer weitaus mehr handwerkliches Geschick erfordert. Vor allem die alten Tapeten haben uns optisch wenig gefallen, weshalb wir diese mühsam entfernt haben. Mithilfe von Spachteln haben wir im Akkord die beiden Räumlichkeiten von Tapetenresten befreit. Dabei traten viele unerwartete Überraschungen zutage. Vor allem der plötzlich sichtbar gewordene Schimmel im künftigen Schlafzimmer hat für miese Stimmung gesorgt. Zum Glück konnte die Ursache für die feuchte Wand schnell ermittelt und der Baumangel fachgerecht ausgebessert werden.

Im zukünftigen Ankleidezimmer haben wir neben der alten Tapete auch die Holzpaneele von den Wänden entfernt. Paneele sorgen eigentlich für einen optisch perfekten Auftritt beispielsweise in der Decken- und Wandgestaltung. Uns haben die Wandpaneele jedoch nicht gefallen, weshalb nur der Abriss infrage kam. Dahinter offenbarte sich uns die nächste unerwartete Überraschung: Fliesen. Offensichtlich wurde der Raum früher als Küche genutzt, weshalb sowohl Anschlüsse als auch Fliesen vorhanden waren. Letzteres wurde mit Hammer und Meißel vorsichtig entfernt. Die verlegten Fliesen wurden dabei völlig zerstört und mussten anschließend als Bauschutt entsorgt werden.

 

Belastungsprobe für die Beziehung

 

Inzwischen sind 8 Monate vergangen. Der Altbau ist noch lange nicht vollständig saniert, die Veränderungen der vergangenen Monate jedoch deutlich sichtbar. Wir fühlen uns in der Doppelhaushälfte wohl und haben uns schon gut eingelebt. Doch noch während der Dachsanierung zogen erste dunkle Wolken am Horizont auf.

Es mangelte an Schlaf, Ruhe und Zeit. Wir schienen völlig übermüdet und konnten mit dem Stress nur schwer umgehen. Vor allem für mich stellte die dreiwöchige Dachsanierung eine enorme Herausforderung dar, zumal viele fremde Menschen meine “Schutzzone” überquerten und damit unbewusst depressive Verstimmungen auslösten.

Ich fing an mich zurückzuziehen und mein Leben völlig schleifen zu lassen. Zeitgleich versuchte ich mich aus dem Loch zu holen, indem ich den Handwerkern täglich eine leckere Köstlichkeit zubereitete und sie mit Kaffee und Keksen verwöhnte. Die Angst nahm dadurch täglich etwas ab und so langsam fing ich an mich an die “Eindringlinge” zu gewöhnen.

Nach der Dachsanierung erhellte sich der Horizont wieder etwas, wurde jedoch binnen kürzester Zeit von Enttäuschungen und Unverständnis übersät. Innerhalb des eigenen Umfeldes wurden Stimmen laut, die sich vor allem gegen unseren Fortschritt in der Immobilie richteten.

“Statt vor dem Laptop/ PC zu sitzen, sollte man lieber weiterbauen.”

Enttäuscht nahmen wir uns den Aussagen an und fingen an uns zu rechtfertigen. Es kam zu Streitigkeiten, die in bitterlichen Tränen endeten –  eine Belastungsprobe für die Beziehung.

 

Ein Haus baut sich nicht in 4 Wochen um

 

Aussagen wie diese müssen wir seit dem Umzug in unser Eigenheim öfter schlucken. Oftmals sind es ältere Herrschaften, die sich vor unseren Gartenzaun stellen und lautstark über den Rasen lästern. Momente wie diese nehmen wir seither mit einem Lächeln auf den Lippen wahr und winken den Kritikern freundlich zu. Aussagen aus den eigenen Reihen sorgen hingegen für enttäuschte Gesichter und trüben die Stimmung. Motiviert gehen wir seit 8 Monaten an die Arbeit und werkeln täglich an der Immobilie oder im Garten. Zwischendurch genehmigen wir uns eine Pause und schlendern durch einen Trödelmarkt, besuchen das Grab unserer Kinder oder verbringen ein paar Minuten am PC/ Laptop. Dass genau dieses Verhalten auf Unmut stoßt können wir nicht nachvollziehen, immerhin sind wir auch nur Menschen, die hin und wieder eine Pause vom Alltag brauchen. Absolut menschlich und keineswegs verwerflich.

“Man sieht nur, was man sehen will.”

Trotz allem lassen wir uns nicht unterkriegen und erfüllen weiterhin unsere alltäglichen Aufgaben. Gerade fangen wir im Obergeschoss an und entfernen die letzten Tapetenreste der Vorbesitzer, bevor es schließlich an den Austausch der Elektronik geht. Auch ein neuer Fußboden ist bereits gekauft und wartet nur darauf verlegt zu werden.

In einem Eigenheim gibt es immer etwas zu tun und es wird auch immer Menschen geben die etwas an den Umbaumaßnahmen und Fortschritten auszusetzen haben. Wichtig ist jedoch nur, dass WIR uns wohlfühlen und die Sanierung unserem Tempo anpassen. Ein Haus baut sich immerhin nicht in 4 Wochen um. Wir haben unsere Belastungsprobe für die Beziehung definitiv überstanden.

Janine