Es gibt Fragen, die sich ganz leise in den Alltag schleichen. Während ich Brotdosen packe, Wäsche zusammenlege oder zum hundertsten Mal ein Kuscheltier suche, taucht sie plötzlich auf:
Bin ich nach 3½ Jahren endlich angekommen als Mama?
Eine Frage, auf die ich früher ganz sicher mit "Ja" geantwortet hätte. Schließlich bin ich doch Mutter. Seit dreieinhalb Jahren. Nach einem Weg, den ich niemanden wünschen würde. Nach Hoffen, Bangen, Tränen und fünf Fehlgeburten.
Und trotzdem fühlt sich diese Antwort heute gar nicht mehr so eindeutig an.
Angekommen als Mama oder einfach mittendrin?
Früher dachte ich, Muttersein wäre ein Ziel. Irgendwann bekommt man sein Kind. Man wächst hinein und eines Tages wacht man auf und denkt: Jetzt habe ich es verstanden.
Heute weiß ich: Diesen Tag gibt es gar nicht.
Es gibt Tage, an denen ich denke: "Läuft doch." Das Frühstück landet größtenteils auf dem Teller statt auf dem Boden, wir schaffen es pünktlich aus dem Haus und ich beantworte geduldig zum 87. Mal dieselbe Frage.
Doch dann gibt es diese anderen Tage.
Die Tage, an denen ich mich frage, warum ich gerade über ein Paar verschwundene Socken diskutieren muss, obwohl ich doch eigentlich einen Schluck Wasser trinken wollte.
Das gehört wohl genauso zum Mamaleben.
Das Muttersein verändert sich ständig
Vor drei Jahren hatte ich ganz andere Sorgen.
Schläft mein Glückskeks genug? Trinkt er genug? Atmet er noch?
Heute sprechen wir über Lieblingsfarben, riesengroße Gefühle, Wutanfälle wegen der falschen Schüssel und darüber, warum man keine Schnecken mit nach Hause nehmen kann.
Mit jeder Entwicklungsphase verändert sich auch meine Rolle als Mama. Kaum glaube ich, etwas verstanden zu haben, beginnt schon der nächste Abschnitt.
Vielleicht fühlt sich genau deshalb dieses "Ankommen" so schwierig an.
Nach Fehlgeburten trägt man das Muttersein anders
Ein Teil von mir wird den Weg dorthin niemals vergessen. Fünf kleine Leben, die nur ganz kurz Teil meines Lebens waren. Sie gehören zu mir. Genauso wie mein Kind heute.
Diese Erfahrung hat mein Muttersein geprägt.
Nicht jeden Tag. Nicht in jeder Minute. Aber sie haben Spuren hinterlassen.
Ich ertappe mich noch immer dabei, wie ich meinen Glückskeks anschaue und für einen kurzen Moment denke: Du bist wirklich hier.
Nicht aus Angst.
Sondern aus Dankbarkeit.
Aus diesem leisen Staunen heraus, das wahrscheinlich nie ganz verschwinden wird.
Ich bin nicht mehr dieselbe Frau wie vor 3½ Jahren
Mutter werden verändert alles. Nicht nur den Schlaf, nicht nur den Körper, sondern das eigene Herz.
Ich bin geduldiger geworden. Gleichzeitig auch ungeduldiger. Ich kann über Dinge lachen, die mich früher zur Verzweiflung gebracht hätten.
Ich habe gelernt, Hilfe anzunehmen. Ich habe gelernt, dass ein aufgeräumtes Haus nichts darüber aussagt, wie liebevoll ein Zuhause ist. Außerdem habe ich gelernt, dass Schuldgefühle zu den hartnäckigsten Begleitern im Elternsein gehören.
Perfekt angekommen? Nein
Wenn Ankommen bedeutet, keine Zweifel mehr zu haben, dann lautet die Antwort ganz klar: Nein.
Wenn Ankommen bedeutet, nie mehr zu lernen, ebenfalls nicht.
Aber wenn Ankommen bedeutet, Frieden mit sich selbst zu schließen, sich selbst nicht mehr jeden Tag zu bewerten und zu erkennen, dass Liebe wichtiger ist als Perfektion, dann glaube ich, bin ich näher dran als jemals zuvor.
Vielleicht ist genau das das Schönste am Muttersein, dass wir nie ganz fertig sind. Dass wir gemeinsam wachsen. Unsere Kinder und wir gleich mit.




