Ich hätte nie gedacht, dass drei kleine Worte so wehtun können.
"Mama, geh weg,"
Nicht geschrien. Nicht im Streit. Einfach gesagt. Klar. Bestimmt. Als wäre es das Normalste der Welt.
Und vielleicht ist es das auch.
Vielleicht ist das eine Phase. Vielleicht ein Entwicklungsschritt. Vielleicht etwas, das viele Kinder irgendwann durchmachen.
Aber ganz ehrlich?
Es tut trotzdem weh.
Mein Glückskeks ist drei Jahre alt. Drei Jahre, in denen ich seine erste Anlaufstelle war. Diejenige, die nachts aufgestanden ist. Diejenige, die wusste, welches Kuscheltier gerade wichtig ist. Diejenige, die Tränen getrocknet, Hände gehalten und Geschichten vorgelesen hat.
Und plötzlich scheint Mama nicht mehr die erste Wahl zu sein.
Wenn er hinfällt, soll Papa kommen.
Wenn er Hilfe braucht, soll Papa helfen.
Wenn ich ihn anziehen möchte, heißt es: "Nein, Papa!"
Wenn ich mich dazusetzen möchte, manchmal sogar: "Mama weg."
Natürlich weiß ich, dass er mich nicht weniger liebt.
Natürlich weiß ich, dass Kinder keine Erwachsenen sind und ihre Worte nicht mit der gleichen Bedeutung wählen wir wir.
Natürlich weiß ich, dass das alles vermutlich vorbeigehen wird.
Und trotzdem sitzt da dieser kleine Stich. Dieser winzige Knick im Mamaherz.
Weil Liebe eben nicht logisch ist.
Weil man ein Kind nicht drei Jahre lang mit jeder Faser seines Herzens lieben kann, ohne verletzlich zu werden.
Es gibt Momente, da beobachte ich die beiden zusammen und freue mich von Herzen über ihre enge Bindung. Wirklich.
Ich liebe es zu sehen, wie sehr mein Sohn seinen Papa liebt.
Wie sie gemeinsam lachen.
Wie sie ihre eigenen kleinen Rituale haben.
Wie glücklich sie miteinander sind.
Und gleichzeitig sitzt da manchmal ein leiser Gedanke.
Warum gerade nicht ich?
Warum heute wieder Papa?
Warum darf ich gerade nicht diejenige sein, die tröstet, vorliest oder die Hand halten darf?
Es fühlt sich seltsam an, das überhaupt aufzuschreiben. Fast ein bisschen unfair.
Denn ich wünsche mir doch genau das: Dass mein Kind mehrere Menschen hat, denen es vertraut. Dass es Bindungen aufbaut. Dass es sich sicher fühlt.
Und genau das tut es.
Eigentlich ist also alles gut.
Und trotzdem vermisse ich ihn manchmal, obwohl er direkt neben mir sitzt.
Dieses Gefühl, wenn das Kind da ist, gesund ist, lacht und spielt und man trotzdem einen kleinen Schmerz in sich trägt.
Nicht, weil etwas falsch läuft. Sondern weil man merkt, wie sehr man liebt.
Ich versuche mich daran zu erinnern, dass Elternschaft voller Phasen ist.
Die Phase, in der nur Mama trösten durfte.
Die Phase, in der meine Hand niemals losgelassen werden durfte.
Und jetzt eben diese Phase.
Eine Phase, die mich manchmal traurig macht.
Eine Phase, die an meinem Herzen kratzt.
Aber wahrscheinlich auch eine Phase, die irgendwann wieder vorbei sein wird und bis dahin werde ich da sein.
Nicht beleidigt.
Nicht nachtragend.
Nicht weniger liebend.
Einfach da.
Denn wenn mir das Mamasein eines gezeigt hat, dann das:
Kinder gehen manchmal ein Stück weg, um zu lernen, dass sie jederzeit zurückkommen können. Und ich hoffe, dass mein Herz das bald genauso gut versteht wie mein Kopf.




