Ich möchte noch nicht Abschied nehmen – ein Mama-Herz zwischen Bangen und Hoffen

Ich wünschte, ich könnte die Zeit an manchen Tagen einfach ein kleines bisschen anhalten. Nicht, weil ich Angst vor dem Morgen habe oder weil ich nicht sehen möchte, wie mein Kind größer wird. Ganz im Gegenteil. Ich liebe es, ihm beim Großwerden zuzusehen. Zu beobachten, wie aus kleinen Schritten immer größere werden, wie neue Freundschaften entstehen und wie aus einem schüchternen Lächeln irgendwann ein lautes, unbeschwertes Kinderlachen wird.

Aber manchmal möchte ich einfach, dass bestimmte Dinge noch ein bisschen länger bleiben dürfen, wie sie gerade sind. Dass morgens dieselben vertrauten Gesichter auf uns warten. Dass mein Kind seine Freunde begrüßen kann. Dass es durch die bekannten Räume flitzt, seine kleinen Geschichten erzählt und sich an einem Ort sicher fühlt, der längst zu einem zweiten Zuhause geworden ist.

Seit Juni dieses Jahres begleitet uns eine Ungewissheit, die ich nur schwer in Worte fassen kann. Wir haben erfahren, dass unsere Kita einen neuen Träger sucht. Eine Nachricht, die seitdem irgendwie alles überschattet. Nicht jeden einzelnen Moment, nicht jeden Tag gleichermaßen, aber sie ist da. Wie ein leiser Gedanke, der sich immer wieder in den Alltag schleicht, selbst dann, wenn man gerade eigentlich glücklich ist.

In meinem letzten Blogbericht habe ich darüber geschrieben, wie es sich anfühlt, um etwas zu trauern, das man noch gar nicht verloren hat und vielleicht ist genau das der schwierigste Teil an dieser ganzen Situation: Wir sind noch mittendrin. Wir dürfen weiterhin unsere Kita besuchen, unsere Kinder spielen dort, wir erleben gemeinsame Momente. Und trotzdem ist da diese Angst, dass all das irgendwann nicht mehr selbstverständlich sein könnte.

Ich möchte noch nicht Abschied nehmen. Nicht von diesem Ort. Nicht von den Menschen. Und ganz besonders nicht von einem Stück Kindheit meines Sohnes.

Seit dieser Nachricht sehe ich vieles mit anderen Augen

Es ist merkwürdig, wie sehr eine einzige Nachricht den eigenen Blick auf den Alltag verändern kann. Vorher waren es für mich einfach ganz normale Kita-Tage. Morgens das Bringen, mittags das Abholen, die kleinen Erzählungen meines Sohnes und die vielen Dinge, die er dort erlebt, während ich zu Hause bin. Man freut sich über ein gemaltes Bild, hört sich begeistert Geschichten über die Freunde an oder bekommt mit, was gerade gebastelt, gespielt und entdeckt wurde.

Heute höre ich bei solchen Erzählungen manchmal genauer hin.

Wenn mein Sohn von seinen Freunden erzählt, von den Erzieherinnen, von einem besonders schönen Tag oder von etwas, das er in der Kita erlebt hat, dann freue ich mich natürlich. Aber gleichzeitig wird mir bewusst, wie sehr ich mir wünsche, dass all das noch lange zu seinem Alltag gehören darf.

Auch die kleinen Einblicke, die wir als Eltern bekommen, haben plötzlich einen anderen Stellenwert. Ein Foto aus dem Kita-Alltag, ein liebevoll gestaltetes Kunstwerk, eine kleine Geschichte über das, was die Kinder gemeinsam erlebt haben – Dinge, die früher einfach Teil unseres Familienalltags waren, bedeuten mir heute manchmal ein bisschen mehr. Und wenn dann besondere Anlässe oder gemeinsame Veranstaltungen anstehen, freue ich mich vielleicht noch ein kleines bisschen bewusster darauf. Nicht, weil ich jeden Augenblick vorsorglich zu einer Erinnerung machen möchte. Sondern weil ich inzwischen weiß, wie wertvoll diese vertrauten Abläufe und gemeinsamen Erlebnisse für unsere Kinder sind.

Manchmal schleicht sich trotzdem dieser Gedanke ein: Bitte lass uns das noch ganz oft erleben dürfen.

Ich möchte nicht bei jedem besonderen Anlass im Hinterkopf einen möglichen Abschied mitdenken. Ich möchte mich einfach freuen, meinem Sohn dabei zusehen, wie er seine kleine Welt entdeckt, und darauf vertrauen dürfen, dass es noch viele solcher Momente geben wird.

Aber manchmal ist das leichter gesagt als getan.

Wenn das eigene Mama-Herz ein bisschen schwerer wird

Ich glaube, als Mama trägt man ohnehin schon unglaublich viele Gedanken mit sich herum. Man macht sich Sorgen, hofft, plant, organisiert und versucht, seinem Kind die Welt so schön und sicher wie möglich zu gestalten. Doch dann gibt es Situationen, in denen man merkt, dass man manche Dinge einfach nicht selbst bestimmen kann.

Ich kann meinem Sohn nicht versprechen, dass alles für immer so bleibt. Ich kann ihm nicht garantieren, dass seine vertraute Umgebung niemals Veränderungen erleben wird. Und ich kann auch nicht einfach alle Unsicherheiten aus der Welt schaffen, nur weil ich es mir so sehr wünsche. Was ich aber kann, ist versuchen, ihm seine Kindheit so unbeschwert wie möglich zu gestalten. Denn während wir Erwachsenen über Trägersuche, Zukunftsperspektiven und mögliche Lösungen nachdenken, möchte ich, dass mein Sohn einfach weiterhin Kind sein darf.

Er soll morgens seine Freunde begrüßen, sich auf den Tag freuen, spielen, lachen, entdecken und nach Hause kommen, mit tausend kleinen Geschichten im Gepäck. Er soll nicht spüren müssen, wie schwer manche Gedanken für uns Erwachsene sein können.

Ein bisschen mehr Zeit. Ein bisschen mehr Hoffnung.

In den vergangenen Monaten haben wir natürlich nicht einfach still dagestanden und gewartet. Wir haben gehofft, gebangt, nach vorne geschaut und uns immer wieder an kleinen Lichtblicken festgehalten. Unser aktueller Träger hat uns inzwischen mehr Zeit geschenkt. Bis zum Sommer 2027 dürfen wir erst einmal weiter hoffen und nach einer guten Lösung suchen.

Zeit klingt manchmal nach etwas Selbstverständlichem. Etwas, das einfach vergeht. Aber in einer Situation wie dieser ist Zeit plötzlich unglaublich wertvoll. Sie bedeutet, dass wir nicht sofort vor einem endgültigen Abschied stehen. Dass noch Möglichkeiten bestehen. Dass wir weiterhin daran glauben dürfen, dass sich etwas Positives entwickelt.

Dafür bin ich wirklich dankbar.

Trotzdem wäre es unehrlich, zu behaupten, dass damit alle Sorgen verschwunden sind, denn eigentlich hängen wir noch immer ein bisschen in der Luft. Wir wissen, dass die Zeit weiterläuft, aber nicht genau, wohin sie uns führt. Wir freuen uns über die gewonnene Zeit und wünschen uns gleichzeitig nichts sehnlicher, als endlich wieder richtig durchatmen zu können. Manchmal würde ich gerne einfach in die Zukunft schauen. Nur für einen einzigen Augenblick. Um zu wissen, dass alles gut wird. Dass wir irgendwann zurückblicken und feststellen, dass all die Sorgen umsonst waren.

Aber so funktioniert das Leben leider nicht.

Und bis dahin? Hoffen wir weiter.

Ich weiß nicht, was die nächsten Monate bringen werden. Ich weiß nicht, welche Entscheidungen getroffen werden und wie unsere Geschichte am Ende ausgeht. Aber ich weiß, dass ich noch nicht bereit bin, Abschied zu nehmen. Dafür hängt zu viel Herz an diesem Ort. Dafür sind zu viele Menschen ein Teil unseres Alltags geworden. Und dafür wünsche ich mir viel zu sehr, dass mein Sohn seine kleine Welt behalten darf. Vielleicht wird irgendwann alles gut. Vielleicht dürfen wir irgendwann wieder ganz selbstverständlich nach vorne schauen, ohne dass sich bei jedem Gedanken an die Zukunft ein kleiner Knoten im Bauch bildet.

Ich wünsche mir das von ganzem Herzen.

Bis dahin möchte ich die Zeit nutzen. Ich möchte die Feste genießen, die kleinen Augenblicke wahrnehmen und den Menschen, die unseren Alltag so sehr bereichern, zeigen, wie wichtig sie uns sind. Nicht, weil ich mich verabschieden möchte, sondern weil ich manchmal glaube, dass wir viel zu selten sagen, wie viel uns bestimmte Menschen und Orte eigentlich bedeuten. Vielleicht ist das auch etwas, das ich aus dieser ganzen Situation mitnehme: Das vermeintlich Selbstverständliche ist manchmal das Wertvollste, was wir haben.

Und wenn ich morgen meinen Sohn fröhlich in seine Kita gehen sehe, dann wünsche ich mir nichts weiter, als dass er das noch lange darf.

Ich möchte noch nicht Abschied nehmen. Ich möchte noch nicht von vergangenen Festen erzählen, sondern mich auf die nächsten freuen. Ich möchte nicht nur in Erinnerungen schwelgen, sondern neue schaffen. Ich möchte nicht irgendwann sagen müssen, dass es eine wunderschöne Zeit war. Ich möchte, dass sie noch weitergeht.

Denn irgendwo zwischen all der Angst, den schlaflosen Gedanken und der Ungewissheit ist da immer noch diese riesengroße Hoffnung. Die Hoffnung auf ein gutes Ende. Auf eine Zukunft. Auf ein Weiter.

Und an dieser Hoffnung halte ich fest, mit meinem ganzen Mama-Herzen.

with love,
Janine
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