Ich wünschte, wir hätten gewusst, dass es unser letzter Tag mit Mika ist

Ich weiß gerade nicht, wie man einen Text beginnt, in dem man sagen muss, dass das eigene Tier gestorben ist. Vielleicht, weil "gestorben" viel zu klein klingt für das, was gestern passiert ist.

Mika lag einfach da.

Tot.

Vier Jahre alt.

Ich kann diese beiden Worte kaum zusammenbringen. Vier Jahre sind doch kein Alter. Vier Jahre sind mitten im Leben. Vier Jahre bedeuten, dass man eigentlich noch davon ausgeht, dass dieser kleine Kater noch ganz viele Jahre durch unser Haus läuft, sich irgendwo hinlegt, uns morgens begrüßt und irgendwann genervt davonläuft, wenn unser Glückskeks wieder ein bisschen zu wild wird.

Doch gestern lag er da.

Und wir standen daneben.

 

Kein Abschied. Keine Vorwarnung. Nichts.

 

Das Schlimmste daran ist vielleicht, dass es keinen Moment davor gab, den wir als letzten erkannt hätten. Kein letzter gemeinsamer Abend, bei dem wir ihn länger gestreichelt haben. Kein Gedanke daran, dass wir ihn am nächsten Morgen nicht mehr sehen können. Kein Zeichen, bei dem wir hätten sagen können "Bitte bleib noch".

Nichts.

Einfach von jetzt auf gleich.

Mika war da.

Dann war er tot.

Wie soll ein Herz so schnell hinterherkommen?

 

Mika gehörte zu den ersten Erinnerungen unseres Glückskekses

 

Mika war die Katze meines Glückskekses.

Er war da, als wir unseren kleinen Jungen nach Hause gebracht haben. Noch so winzig, noch ganz neu in unserem Leben. Mika hat ihn beschnuppert, vorsichtig und neugierig, und von da an sind diese beiden irgendwie miteinander groß geworden.

Mika hat neben seinem Bettchen gelegen.

Er hat sich hineingelegt.

Er hat unseren Glückskeks beobachtet, wenn dieser noch gar nicht richtig laufen konnte, und später gelernt, dass ein kleiner Junge unfassbar laut sein kann.

Aber er kam immer wieder.

Er war da.

Nicht aufdringlich. Nicht spektakulär.

Einfach da.

Wie ein großer Bruder auf vier Pfoten und vielleicht tut genau das gerade so weh. Weil wir nicht nur eine Katze verloren haben. Unser Glückskeks hat jemanden verloren, der zu seiner Kindheit gehört.

 

"Mika!"

 

Ich werde diesen Ruf so schnell nicht vergessen.

Gestern hat unser Glückskeks immer wieder nach ihm gerufen.

"MIKA!"

Er hat geweint. So richtig. Nicht dieses kurze Weinen, das nach ein paar Minuten wieder vorbei ist. Es war dieser Schmerz, den ein kleines Kind noch nicht in Worte packen kann und deshalb einfach herausweint.

Ich habe ihn gehalten und dabei selbst geweint. Und während ich versucht habe, mein Kind zu trösten, musste ich gleichzeitig begreifen, dass ich ihm den Menschen - nein, das Tier - das er gerade vermisst, nicht zurückgeben kann.

Was sagt man seinem Kind in so einem Moment?

"Er kommt nicht wieder."

Diese Worte auszusprechen, fühlt sich grausam an.

Aber sie sind wahr.

 

Wir konnten Mika nicht einfach gehen lassen

 

Unser Glückskeks wollte helfen. Also haben wir Mika gemeinsam beerdigt. Mit kleinen Händen, mit Tränen und mit ganz viel Liebe.

Ich weiß nicht, was davon in seinem kleinen Kopf angekommen ist. Vielleicht versteht er den Tod noch gar nicht so, wie wir Erwachsenen ihn verstehen. Aber ich glaube, er hat verstanden, dass Mika fehlt.

Dass sein Platz leer ist. Dass wir ihn nicht mehr streichen können. Dass da jemand fehlt, der gestern noch ganz selbstverständlich zu unserem Zuhause und unserer Familie gehört hat.

Ich wollte ihm diesen Schmerz ersparen.

Natürlich wollte ich das.

Als Mama möchte man seinem Kind so vieles abnehmen. Fieber. Angst. Enttäuschung. Tränen. Gebrochene Herzen.

Doch diesen Schmerz konnte ich nicht für ihn tragen. Ich konnte nur bei ihm sein.

 

Heute ist Mika tot. Und morgen auch.

 

Dieser Gedanke ist so endgültig.

Heute fehlt er.

Morgen fehlt er.

Nächste Woche auch.

Es wird keinen Morgen geben, an dem Mika plötzlich wieder durch das Haus läuft und alles war nur ein schrecklicher Irrtum.

Seine Plätze werden leer bleiben.

Seine kleinen Gewohnheiten werden fehlen.

Vielleicht werden wir irgendwann aufhören, automatisch nach ihm zu schauen. Vielleicht wird es irgendwann nicht mehr jedes Mal wehtun, wenn wir seinen Namen hören.

Aber heute kann ich mir das noch nicht vorstellen. Heute ist da einfach nur dieses Loch.

Vier Jahre sind viel zu kurz. Viel zu kurz für ein Leben, von dem wir dachten, es hätte noch so viel vor sich. Mika sollte unseren Glückskeks noch weiter beim Großwerden begleiten. Noch mehr von diesem kleinen Jungen kennenlernen. Noch viele Male vor ihm davonlaufen, wenn es ihm zu laut wird und sich trotzdem wieder in seine Nähe legen.

Das alles wird nicht passieren und genau das tut weh.

Aber er war da.

Er war da, als unser Glückskeks nach Hause kam.

Er war da in seinen ersten Jahren.

Er war Teil unserer Familie.

Teil unseres Zuhauses.

Teil seiner Kindheit.

Vielleicht ist das irgendwann die Erinnerung, die bleibt, wenn der Schmerz nicht mehr ganz so scharf ist: ein kleiner Junge und ein kleiner Kater, die gemeinsam groß geworden sind.

Heute kann ich daran noch nicht lächeln. Heute weine ich einfach.

Um unseren Mika.

Um das, was gestern so plötzlich zerbrochen ist.

Und um meinen kleinen Jungen, dessen Herz gestern zum ersten Mal erfahren musste, dass Liebe manchmal auch bedeutet, jemanden gehen lassen zu müssen.

Mach's gut, Mika.

Du warst nur vier Jahre bei uns. Aber du hast Spuren hinterlassen, die bleiben. Und irgendwo wird immer ein kleiner Junge sein, der sagen kann:

„Das war mein Mika.“ 🖤

 

with love,
Janine
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