„Wie hast du das nur durchgehalten? Ich hätte so Angst gehabt, wieder eine Fehlgeburt durchleben zu müssen?“ – ja, wie? Nun sitze ich hier, tippe wahllos irgendwelche Worte in meine Laptoptastatur und frage mich, wie ich die vergangenen Wochen und Monate gemeistert habe. Schwanger mit einem Folgewunder. Nach vier Fehlgeburten innerhalb weniger Jahre war die Hoffnung auf ein Wunder ferner denn je. Ich habe meinen inneren Frieden gesucht und mich mit dem Gedanken abgefunden, kein Kind austragen zu können, bis im Juni 2022 plötzlich zwei rote Striche mein Leben schlagartig verändert haben. Schwanger nach Fehlgeburt: Über Ängste & Gedanken.

Beim Thema Fehlgeburten scheiden sich die Geister. Vor allem frühe Fehlgeburten werden häufig als „nichts Tragisches“ abgestempelt, da Fehlgeburten in der Frühschwangerschaft sehr häufig vorkommen. Viele dieser Abgänge bleiben sogar unbemerkt. Doch auch eine frühe Fehlgeburt ist für Betroffene mit unglaublich viel Schmerz verbunden. Ein Schmerz, der in der Gesellschaft noch immer nicht anerkannt wird. Das Trauern um ein Leben, dass in den ersten 3 Monaten unfreiwillig endet, ist zu einem Tabuthema geworden. Als Betroffene schweigt man lieber, statt offen darüber zu reden.

Die Folge: Ängste, Depressionen und Selbstzweifel.

 

Nicht jede Frau trauert nach einer Fehlgeburt. Für viele geht der Alltag ganz normal weiter.

 

Eine Fehlgeburt ist nicht dein Fehler!

 

Im März 2019 kam ich erstmal mit dem Thema Fehlgeburten in Berührung. Zu jenem Zeitpunkt war ich nach unzählig vielen Jahren und Versuchen schwanger. Doch schon in den ersten Wochen der Schwangerschaft zeigte sich, dass mein kleines Wunder nicht genug Kraft besaß und ziehen musste. Es kam zu einer frühen Fehlgeburt.

Der Verlust dieses kleinen Lebewesens war ein einschneidendes Erlebnis, das ich nicht so einfach wegstecken konnte. Ich fiel in eine tiefe Depression, begann an mir und meinem Körper zu zweifeln und verlor mich in tristen Gedanken. Ich war ferner denn je, körperlich als auch geistig. Innerlich ein Wrack.

Im November 2019 kam es zu einer weiteren Fehlgeburt, die diesmal jedoch mit einer Notoperation im Krankenhaus endete.

In den nachfolgenden Jahren folgten zwei weitere Verluste, begleitet von unzählig vielen Arztbesuchen auf der Suche nach der Ursache. Doch statt einer Erklärung gab es seitens meiner ehemaligen Frauenärztin nur Hohn und Spott. Meine Fehlgeburten wurden belächelt, meine Ängste nicht ernst genommen. Die Untersuchungen wurden von Sätzen wie „Bei dem Gewicht brauchen Sie sich nicht wundern, das alle Kinder sterben“ untermalt. Jeder noch so kurze Besuch in der Arztpraxis endete mit einem Tränenausbruch, der wiederum zu noch mehr Verzweiflung und Selbstzweifel führte. Ich suchte die Schuld bei mir und vergaß dabei alles um mich herum.

Ich war schuld.

Ich allein.

Es folgte ein Suizidversuch.

Seit jenem Tag schreibe ich eine Art Tagebuch – „Briefe an mein Kind im Himmel“. Sowohl positive als auch negative Gedanken finden darin in unregelmäßigen Abständen ihren Platz. Für mich eine Möglichkeit, meine Gedanken zu sortieren und ihnen Ausdruck zu verleihen, um mich irgendwann wieder damit auseinandersetzen zu können. Meine Art von Therapie. So schrieb ich im August 2021 etwa folgende Zeilen:

„Ich weiß nicht, wie lange ich das noch durchhalten kann….ohne euch macht mein Leben keinen Sinn.“

„…ich kämpfe mit mir, meinen Gedanken und Worten. Fühle mich leer und allein.“

 

Folgewunder – Schwanger nach Fehlgeburt

 

Am 17. Juni 2022 wurde mein Buch schließlich mit dem Satz „Ich bin schwanger!“ versehen. Doch statt Freude gab es für mich in diesem Moment nur ein Gefühl: Angst.

Man kann sich auf diese Emotionen und Gedanken nicht vorbereiten, erst dann reagieren, wenn wir in genau dieser Situation sind. So war mir sofort bewusst, dass ich keinen Einfluss darauf hatte, wenn etwas schiefgeht. Ich konnte nur abwarten und hoffen. Erst Tage später erzählte ich meinem Partner von dem positiven Ergebnis. Seine Reaktion ähnelte der meinen.

Der erste Besuch beim Frauenarzt, ich hatte inzwischen eine neue Ärztin gefunden, war demzufolge mit wenig Hoffnung verbunden. Sätze wie „Es tut mir Leid, aber…“ waren mir nicht fremd, weshalb ich während dem Ultraschall bewusst auf den Boden starrte.

„Herzlichen Glückwunsch, hier ist das kleine schlagende Herz!“

Mein Herz raste. Meine Gedanken wirbelten wie kleine Schmetterlinge durch die Luft und raubten mir die Kraft zum Atmen. Wenige Minuten später hielt ich das erste Ultraschallbild meines Folgewunders in den Händen.

Inzwischen befinde ich mich in der 37. Schwangerschaftswoche und Baby Glückskeks, wie wir unser Wunder liebevoll „getauft“ haben, kann sich jeden Tag auf den Weg machen.

 

Ängste in der Schwangerschaft – Wie hält man das aus?

 

Noch immer sitze ich hier und frage mich, wie ich die vergangenen Monate geschafft habe. Wie ich meine Folgeschwangerschaft nach mehreren Fehlgeburten gemeistert habe. Ehrlich gesagt, war es die wohl schlimmste Zeit meines Lebens. Ich konnte die Schwangerschaft zu keinem Zeitpunkt genießen. Selbst nach den „kritischen zwölf Wochen“ war ich innerlich schwach und ängstlich, immerhin kann auch danach etwas passieren. Jeder Toilettengang wurde von Ängsten begleitet. Jedes noch so kleine ziehen in der Bauchgegend panisch gegoogelt. Das Risiko einer Fehlgeburt existiert und ist real. Die Angst ist berechtigt, dennoch habe ich versucht mich nicht unter Druck zu setzen.

Als ich dann auch noch mit starken Blutungen ins Krankenhaus kam, war die Verzweiflung mein ständiger Begleiter. Im Krankenhaus wurde mir jedoch schnell die Angst genommen, denn das Herz meines kleinen Wunders schlug kräftiger denn je. Nach 5 Tagen Aufenthalt wurde ich mit den Worten „wir sehen uns in wenigen Monaten wieder“ verabschiedet. Die Hebammen hatten Hoffnung und gaben mir diese mit auf den Weg.

Diese Hoffnung nahm ich mit nach Hause und begann einen Weg für mich zu finden, wie ich die Ängste schwinden lassen konnte. Immer dann, wenn ich beispielsweise einen Schmetterling sah, wusste ich, dass mit Baby Glückskeks alles in Ordnung ist. Seltsamerweise nahm ich plötzlich unglaublich viele Schmetterlinge wahr: nach dem Aufenthalt im Krankenhaus, nach Kontrollterminen bei der Frauenärztin, im heimischen Garten – es schien fast so, als würden sie mich verfolgen. Komisch? Ohja!

Angst zu haben ist normal und vollkommen in Ordnung. Es ist auch völlig okay, diese Ängste auszusprechen. Jedoch sollte man einen Weg für sich finden, den Gedanken nicht den kompletten Raum einnehmen zu lassen. Leichter gesagt, als getan. Ich weiß.

Es tut gut, sich in dieser Zeit intensiv, um sich zu kümmern und sich etwas Gutes zu tun, vor allem dann, wenn man das Gefühl hat, an die eigenen Grenzen zu stoßen.

Ich habe mir beispielsweise einen Fetal Doppler für zu Hause besorgt. Immer dann, wenn meine Ängste größer wurden, habe ich damit den Herzschlag meines Kindes hörbar gemacht. Es hat mich beruhigt, kurz den Herzschlag zu hören. Allerdings sei an dieser Stelle gesagt, dass man diesen nicht immer direkt findet und dann keineswegs in Panik ausbrechen sollte. Denn manchmal ist es einfach etwas knifflig. Ein Fetal Doppler für zu Hause kann beruhigend sein und zumindest etwas Angst lindern, am Ende sind es aber die eigenen Gedanken, die wir loslassen müssen, um zu vertrauen. Dafür gibt es keine Tipps und auch kein Rezept. Nur DU allein kannst deine Gedanken beeinflussen.

Janine & Baby Glückskeks