Körperlich ist man nach einer Fehlgeburt meistens ziemlich schnell wieder fit. Doch die Seele leidet meist noch lange. So fühle ich mich in meinem Alltag wie gelähmt und chronisch erschöpft. Ich werde von Selbstzweifeln und Schuldgefühlen heimgesucht und quäle mich seither durch meinen Alltag. Der Verlust meiner Kinder hat große Probleme hervorgerufen, die ich ohne professionelle Hilfe nicht mehr bewältigen kann. Wie Schuldgefühle und Selbstzweifel mein Leben bestimmen – psychische Probleme nach Fehlgeburt.

Angefangen hat alles nach meinem zweiten Schwangerschaftsverlust im November letzten Jahres. Ich lag auf meinem Bett im Krankenhaus und starrte aus dem Fenster. Obwohl ich außer Dunkelheit nicht viel erkennen konnte, schien der Blick nach draußen mich für einen kurzen Moment durchatmen zu lassen. Wenige Stunden zuvor lag ich auf dem Operationstisch und musste mein zweites Wunder ziehen lassen. Wie gelähmt zog ich die Op-Kleidung an, nahm meinen Schmuck ab und wischte mir die Tränen aus dem Gesicht. Ein kurzer Blick in den Spiegel verriet wie viel Schmerz mich in diesem Moment begleitet hat. Ich war nicht mehr ich. Mein Lebenswille schien ferner denn je.

Im August dieses Jahres musste ich einen weiteren schweren Schicksalsschlag verkraften und auch mein drittes Wunder Ruby ziehen lassen. Es sollte ein Routinebesuch bei der Frauenärztin werden mit Blick auf das schlagende Herz. Doch er endete mit einem gebrochenen Herzen und einem Zusammenbruch.

Ich trug ein totes Kind in mir.

Fehlgeburten können viele Ursachen haben. Allgemein können auslösende Faktoren in Problemen der Entwicklung der Leibesfrucht liegen oder in akuten und chronischen Erkrankungen, körperbaulichen Anomalien, seelischem Leid oder äußeren physikalischen Einwirkungen gesehen werden.

 

Schuldgefühle und Selbstzweifel nach Fehlgeburt

 

Nach dieser Nachricht stand meine Welt erneut still. Weinend lief ich zum Auto, ich konnte mich kaum auf den Beinen halten und wagte es nicht meinen Kopf zu heben. Stotternd faselte ich wirre Worte vor mir her.

Ich sorgte mich um die Reaktionen meiner Familie. Die beiden Verluste im vergangenen Jahr offenbarten bereits wenig Verständnis, auch nahm niemand an der Beisetzung meiner Kinder teil. Demnach war es wohl wenig verwunderlich, dass ich nach dieser schmerzhaften Diagnose Angst davor hatte den erneuten Verlust meinem sozialen Umfeld mitzuteilen.

Wie erwartet fielen auch diesmal die Reaktionen sehr verhalten und kühl aus. Keine Umarmungen. Kein „Es tut mir Leid“. Nichts.

Anfangs trösteten wir uns gegenseitig. Mein Partner schien auch diesmal wieder meine wichtigste Stütze zu sein. Doch irgendwann ging sein Leben weiter, während meins stehen blieb. Ich stürzte mich in Arbeit, brach dabei jedoch immer wieder zusammen und musste die Trauer annehmen. Ich wurde müde.

Dazu gestellte sich Wut auf meine Familie. Ich hatte das Gefühl allein in der Ecke zu sitzen, mit meiner Verzweiflung. Das meine Freunde und Familie keinerlei Anteilnahme zeigten, machte mich immer unglücklicher. Ich versank zusätzlich in einer schweren Depressionen und stecke irgendwie immer noch darin fest. Die psychischen Belastungen sind kaum zu tragen.

Ich schlafe seitdem kaum, vermeide Familienfeiern und Veranstaltungen jeglicher Art. Im Allgemeinen habe ich mich von schönen Erlebnissen gelöst. Vielmehr ziehe ich mich bewusst zurück, spreche kaum über meine Gefühle und Ängste und lebe in meiner eigenen Welt.

Manchmal habe ich das Gefühl, Schuld am Tod meiner Kinder zu sein.

 

Psychische Probleme nach Fehlgeburt

 

Die psychischen Folgen der Fehlgeburten sind immens und kaum aufzuhalten. Mein Fall ist dabei kein Einzelfall, viele Frauen haben mit Depressionen, Selbstzweifeln und Schuldgefühlen zu kämpfen. Nichtsdestotrotz laufen Abschieds- und Trauerprozesse ganz unterschiedlich ab. Das ist bei jeder Frau anders. Während einige Hilfe in einem Gespräch finden, benötigen andere mehr Treffen bis hin zu therapeutischer Unterstützung. Auch der Austausch in Selbsthilfegruppen und das Wissen, dass man mit der Situation nicht allein ist kann helfen. Es gibt viele Initiativen, Beratungstelefone oder Hilfsangebote in Schwangeren-Beratungsstellen.

Am wertvollsten ist jedoch die Unterstützung seitens Familie und Freunde. Schon eine Umarmung kann bei Betroffenen wahre Wunder bewirken. Ich wünsche mir zudem von meinen Mitmenschen mehr Mitgefühl. Eine brennende Kerze als Erinnerung, ein paar Blumen am Grab – einfach ein Zeichen das ihnen unser Nachwuchs nicht egal ist.

Janine