Fehlgeburt in der Frühschwangerschaft – Die Frage nach dem „Warum“

Warum wird mir dieses Kind genommen? Diese Frage habe ich mir in den letzten Wochen nicht nur einmal gestellt. Nachdem ich bereits im März diesen Jahres eine Fehlgeburt verkraften musste, hat es mich nun Anfang November erneut schwer getroffen. Doch diesmal war alles anders.

Mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen lag ich unter meiner wärmenden Kamelhaarbettdecke und streichelte zärtlich meinen Bauch. Nach meiner Fehlgeburt Anfang des Jahres, habe ich nicht damit gerechnet, dass ich jemals wieder ein solch angenehmes Gefühl wahrnehmen würde. Ich war glücklich, strahlte sowohl Innen als auch Außen und konnte es kaum abwarten die frohe Botschaft zu verkünden. Bevor ich schließlich die Augen zugemacht habe, sprach ich leise die Worte „Jetzt wird alles gut“ aus. Immerhin hatte ich am darauffolgenden Tag meinen Termin bei der Frauenärztin. Es wartete nicht nur der Blick auf mein „Wunder“, sondern auch der erste Herzschlag auf mich.

Am nächsten Morgen wachte ich jedoch mit einem komischen Gefühl auf. Innerlich fühlte sich alles so leer und einsam an. Fast so, als würde einem Luftballon die Luft ausgehen. Zeitgleich nahm ich eine seltsame Wärme zwischen den Schenkeln war. Meine Vorahnung ließ nicht lange auf sich warten – Blut!

Langsam und mit Tränen auf den Wangen lief ich ins Badezimmer. Ich zitterte am ganzen Körper. Überall Blut.

Schreiend saß ich danach auf dem Boden und schlug mit der Faust gegen die Wand. Intuitiv wusste ich was gerade geschah. Meine Schreie wurden immer lauter. Zwischen der Frage „Warum“ mischte sich zeitgleich auch Trauer und Wut. Es war vorbei. Schon wieder!

Wenig später stand ich in der Notaufnahme und klagte mein Leid. Vor Ort reagierte man jedoch lediglich mit den Worten „Sowas ist in einer Frühschwangerschaft doch ganz normal„.

Wirklich?!

Ich ließ nicht locker und brach wenig später kraftlos zusammen.

 

Die nachfolgenden Stunden war ich nicht mehr Herr meiner Sinne. Ich nahm die Situation wahr, doch verstand nicht was passierte. Bereits kurze Zeit später lag ich weinend und mit einem OP-Hemd bekleidet auf einer kalten Liege. Um mich herum viele Menschen, die mich zärtlich streichelten und davon sprachen, dass alles wieder gut werden würde.

In diesem Moment schien meine Welt stillzustehen, denn schon wieder wurde mir ein Kind genommen. „Conner“, wie wir unseren Engel liebevoll tauften, musste operativ geholt werden. Aufgrund innerer Blutungen stand mein Leben auf der Kippe. Ich saß zwischen Leben und Tod – den Ärzten blieb demzufolge keine andere Wahl, als mein Leben zu retten. Doch dafür musste ich mein Kind „opfern“.

 

Warum wird mir dieses Kind genommen? – Fehlgeburten

 

Mittlerweile ist „Conner“ seit genau 14 Tagen im Himmel und schaukelt dort mit seinen Schwestern Shyrin und Rosalie auf weichen Wolken. Ich bin mir sicher, dass die drei sich sofort gefunden haben und gemeinsam auf mich aufpassen. Ein schwacher Trost. 

 

 

Mein Herz ist gebrochen, meine Lebensfreude seither ferner denn je. Dieser Schmerz ist nicht in Worte zu fassen und hat mich völlig aus dem Leben gerissen. Jede Träne die vergossen wird, ist eine Träne zu viel.

Im Krankenhaus konnte ich nicht weinen. Ich fühlte mich erschöpft vom Eingriff und gleichzeitig fremd. Das Ende dieser wundervollen Wochen hat mein Leben schlagartig verändert. Ich verstand nicht, warum ein solcher Schicksalsschlag gleich zweimal innerhalb eines Jahres in mein Leben trat. Ich war nicht vorbereitet, hatte keine Zeit meinen Kopf einzuschalten.

Doch wie soll das auch gehen, sich auf eine Fehlgeburt gedanklich vorzubereiten?

Erst als es dunkel wurde und die Nacht eintrat, habe ich verstanden, wie knapp ich dem Tod entkommen bin. Im selben Moment begriff ich aber auch, dass mein Kind tot ist. Ich musste Abschied nehmen, lernen diesen Verlust zu akzeptieren und aufhören zu hinterfragen.

 

Fehlgeburt – Ursachen und Risikofaktoren

 

Fehlgeburten können viele Ursachen haben. Allgemein können auslösende Faktoren in Problemen der Entwicklung der Leibesfrucht liegen (fetoplazentare Gründe) oder in akuten und chronischen Erkrankungen, körperbaulichen Anomalien, seelischem Leid oder äußeren physikalischen Einwirkungen gesehen werden (maternale und andere Gründe). Bei der Ursachensuche lassen sich manchmal eindeutige Gründe erkennen, manchmal bleibt der tatsächliche Grund aber verborgen.

In meinem Fall ist der Grund bzw die Ursache für meine erneute Fehlgeburt gefunden worden. Obwohl der Fötus zusammen mit Rosalie im Dezember beigesetzt werden sollte, habe ich mein Einverständnis gegeben, ihn untersuchen zu lassen. Dafür musste ich jedoch auf mein Kind verzichten. Die Beisetzung findet demnach „nur“ symbolisch statt.

Eine Entscheidung, die ich bis dato nicht bereut habe. Denn mit den Ergebnissen kann nun „gearbeitet“ werden. Dennoch schmerzt es ungemein, dass ich diesen Verlust erleben musste.

Die Frage nach dem „Warum“ wird mich daher auch weiter begleiten.

10 Kommentare

  1. Sissi S.
    19. November 2019 / 14:57

    Och Mensch Janine, ich bin den Tränen nahe, fiinde ich das Verhalten dir gegenüber und wenn ich weiter denke auch anderen Betroffenen gegenüber schon klat muss ich zugeben, um nicht zu sagen unprofessionell. Aus der Ferne drücke ich dich in Gedanken. Ich selbst habe keine Kinder, war auch noch nicht schwanger. Ich sehe das Ganze aber so an, dass die emotionale Bindung wenn egal welche Frau schwanger ist, schon inniger ist auf eine andere Art und Weise, als wie eben Freundes oder Familienangehörigen , immerhin spürt man direkt, gibt und nimmt, usw., plötzlich ist ein Teil von einem weg, für welchen man gearbeitet hat, das tut sicher mehr weh als eben mal ein gekündigter Job oder lapidare Dinge. Ich finde es ganz gut, dass du dein lezter Fötus untersuchen lässt, ich bin gewis, dass es irgendwann ein Moment gibt, der dir da zu Gute kommt, ein Ansatz und wer weiss, vielleicht ein Wunder. Ich gönne es dir von Herzen und allen anderen denen es ähnlich geht <3

    • Calista
      Autor
      20. November 2019 / 21:25

      Manchmal kann man nur danken für die schöne gemeinsame Zeit und hoffen, dass es irgendwann auch ein Licht im eigenen Leben gibt.
      Danke für deine lieben Worte!

  2. Netta Schaper
    19. November 2019 / 17:20

    Liebe Janine, ich fühle mit dir. Es macht mich traurig und ich möchte dich gerne drücken. Ich hoffe das du nun am Ergebnis der Untersuchung Bescheid weißt und zuversichtlich wirst. Hast du denn auch Kinder geboren die mit dir leben? Ich wünsche dir das es klappt und du mit Glück erfüllt wirst.

    • Calista
      Autor
      20. November 2019 / 21:24

      Danke für deine lieben Worte

  3. Alexandra
    20. November 2019 / 8:42

    Es wird irgendwann leichter mit dem Schmerz zu leben. Auch meine Sternenkinder sitzen bei deinen und beschützen uns. Darf ich dir eine persönliche medizinische Frage stellen? Ist bei dir ein Test auf Faktor-V-Mutation Typ Leiden gemacht worden? Das ist eine Blutgerinnungsstörung, wodurch der eigene Körper gerade „Fremdkörper“ bekämpft. Bei mir konnte zum Beispiel dagegen erfolgreich gearbeitet werden. Ganz liebe Grüße. Gerade die dunklen Monate sind die schwersten für ein gebrochenes Mutterherz. Ich drücke dich. ❤

    • Calista
      Autor
      20. November 2019 / 8:44

      Aktuell ist noch gar kein Test weiter gemacht worden, lediglich der Fötus untersucht worden. :/
      Aber ab Januar 2020 werde ich mich allen Tests stellen, die nötig sind :)

  4. Ivonne
    20. November 2019 / 16:25

    Ich kann dir gar nicht sagen,wie traurig ich bin. Ich hab mich so dolle gefreut,als du mir die freudige Nachricht verraten hast. Das tut mir alles so leid für dich und ich würde dich so gerne in den Arm nehmen oder dir Schmerz und Leid abnehmen. <3

    • Calista
      Autor
      20. November 2019 / 21:26

      Mir geht es mittlerweile besser, auch wenn der Schmerz noch tief sitzt. Aber es wird. Langsam.

  5. Natascha Reichert
    21. November 2019 / 1:09

    Es gibt leider keine Worte, die diese furchtbare Zeit, dieses Leid lindern könnten…
    Ich wünsche Dir von Herzen alles Liebe und dass auch für Dich die Sonne wieder scheinen mag

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