Bloß nichts sagen. Ruhe bewahren und abwarten. Bangen und hoffen – nach meiner Fehlgeburt im März 2019 wurde ich unerwartet schnell wieder schwanger. Anders als zuvor, wollte ich die freudige Botschaft diesmal länger für mich behalten und die ersten Schwangerschaftsmonate abwarten. Schließlich ist es in der heutigen Gesellschaft noch immer ein Unding, die Schwangerschaft vor der zwölften Woche zu verkünden.

Bis zu vierzig Prozent aller Schwangerschaften enden in dieser Zeit!

Lange hielt ich das Versteckspiel jedoch nicht aus, weshalb ich bereits in der 7. Woche von meinem Regenbogenbaby sprach. Zu dieser Zeit war „Conner“ etwa so groß wie eine Heidelbeere. Die großen inneren Organe, wie die Lunge, die Leber, die Niere und das Herz waren bereits angelegt. Letzteres kann man in dieser Woche bei der Ultraschalluntersuchung übrigens bereits schwach schlagen sehen.

Äußerlich hat sich in der 7. Schwangerschaftswoche hingegen nichts getan. Mein Bauch wurde weder größer, noch habe ich irgendwelche typischen Schwangerschaftsanzeichen bemerkt. Lediglich die starke Müdigkeit machte auf die bestehende Schwangerschaft aufmerksam. Auch kam es vor, dass ich aufgrund der wachsenden Gebärmutter häufiger die Toilette aufsuchen musste.

Leider ist das Risiko einer Fehlgeburt im ersten Drittel der Schwangerschaft am höchsten. Die Angst vor einem erneuten Abort raubte mir regelrecht die Vorfreude. Es fiel mir sichtlich schwer die Schwangerschaft mit einem Lächeln auf den Lippen zu erleben und mich an dem Wachstum meines Kindes zu erfreuen. Demzufolge strich ich alle anstehenden Termine und nahm mir sehr viel Zeit für mich.

Wenige Wochen später musste ich mich dennoch von meinem Kind verabschieden. Starke Blutungen im Bauchraum – einziger Ausweg war, laut den Ärzten im Krankenhaus, ausschließlich eine Not-OP. Bis heute ist mir nicht klar wie es dazu kam und warum man im Zuge dessen meine Schwangerschaft frühzeitig beenden musste.

 

Schwanger werden nach Fehlgeburt

 

Obwohl mir der Schmerz noch immer mein Lächeln raubt, wünsche ich mir auch weiterhin Nachwuchs. Zeitgleich ist die Angst vor einem positiven Schwangerschaftstest enorm. Man hofft auf eine neue Chance und kann dennoch nicht aufhören, sich zu fragen: Wird diesmal alles gut gehen?

Biologisch betrachtet ist es schon mit dem nächsten Eisprung nach einer Fehlgeburt möglich, wieder schwanger zu werden. Meist findet dieser etwa zwei bis acht Wochen nach der Fehlgeburt statt. Auch ist der Körper theoretisch wieder bereit für eine neue Schwangerschaft. Dennoch raten viele Ärzte zu einer Wartezeit von mindestens drei Monaten. In dieser Zeit soll sich nicht nur der Körper und die Gebärmutter ausreichend erholen, sondern auch der Hormonhaushalt wieder einspielen. Desweiteren spielt die seelische Verfassung eine wichtige Rolle dabei, denn eine Fehlgeburt ist für viele Frauen nur schwer zu ertragen und kann zu starken psychischen Problemen führen.

Was dieses Thema angeht, habe ich unterschiedliche Meinungen zu hören bekommen. Während meine Frauenärztin von einer einjährigen „Pause“ sprach und mir im Zuge dessen die Pille verschreiben wollte, sprach man im Krankenhaus von einer geringeren Wartezeit. Hier wurde mehrfach betont, dass ich sofort einen neuen Versuch wagen könnte. Innerhalb der Familie wurde mir hingegen geraten, den Kinderwunsch für die nächsten Jahre auf Eis zu legen.

Letztendlich ist es aber MEINE Entscheidung, wann ich wieder bereit für Nachwuchs bin. Demzufolge habe ich mich auch bewusst gegen die Pille entschieden und damit unbewusst den Groll meiner Frauenärztin auf mich gezogen. Trotzdem bereue ich meinen Entschluss nicht.

 

Ängste im 1. Trimester – Schwanger werden nach Fehlgeburt

 

Doch was kann man eigentlich tun, um nach einer Fehlgeburt wieder mit Freude im Herzen die Schwangerschaft zu genießen?

  • die Sorgen und Ängste mit dem Partner teilen
  • mit der Frauenärztin darüber sprechen
  • einen Austausch mit anderen Betroffenen suchen
  • sich Zeit geben (!)
  • von negativen Glaubenssätzen trennen
  • den Fokus auf die aktuelle Schwangerschaft legen
  • ..

Unzählig viele Ratgeber, Tipps und Tricks bietet das Internet für Fragen dieser Art an, doch die Ängste können sie dennoch nicht nehmen. Während meiner zweiten Schwangerschaft habe ich immer wieder nachgelesen und nach hilfreichen Vorschlägen gesucht, doch innerlich wusste ich, dass ich damit alleine zurecht kommen musste. Am Ende würden alle nur dastehen und sagen „..ich habe es dir doch gesagt..“ oder „..darum soll man seine Schwangerschaft nicht vorher verkünden..“. Ich bereue es keineswegs, schon so früh von meinem Wunder erzählt zu haben, denn auch wenn „Conner“ noch winzig klein war, war er doch auch ein großer Teil meines Lebens. Und auch wenn ich damit auf Unverständnis stoße, stehe ich treu hinter meiner Entscheidung.

Letztendlich sind WIR es, die durch die Schwangerschaft gehen und eventuell auch einen so schweren Verlust ertragen müssen. Dabei sollten wir vor allem eins, auf unser Herz hören.

Janine