„Es geht nicht, dass ich bleib` mich ruft mein Stern. Die Zeit ging schnell vorbei. Mein Ziel ist fern. Vielleicht denkt ihr an mich, wenn ich schon auf der Reise bin. Ich muss zurück, mich ruft mein Stern.“ – Rolf Zuckowski

Vorsichtig öffnete ich das große Holztor der Kirche und nahm direkt im Anschluss die leuchtenden Kerzen auf dem Altar wahr. Liebevoll dekoriert mit zwei unterschiedlich farbigen Stoffen, vielen Kerzen und Engeln sowie einem kleinen Teddy, stand die Urne auf dem Podest. In ihr meine beiden Kinder –  Meine Hoffnung, meine Freude und mein Lächeln. In genau diesem Moment stand ich vor den Trümmern meines Lebens.

Im Hintergrund läuteten unterdessen die Kirchenglocken.

Obwohl ich bereits Anfang des Jahres einen lieben Menschen aus der eigenen Familie verabschieden musste, war die Situation in diesem Moment eine vollkommen andere. Denn es waren meine eigenen Kinder, die ich ziehen lassen musste.

Im Oktober noch stellte sich mir die Frage, wie ich mit meinem Regenbogenbaby unter dem Herzen, die Beisetzung meiner Rosalie ( † März 2019 ) meistern sollte. Mal abgesehen von den vielen Aberglauben, die noch in den Köpfen der Menschen stecken, war ich mir unsicher, wie sich die Trauer auf das Ungeborene auswirken würde. Zudem stellte sich mir die Frage, ob ich mich über mein Regenbogenbaby freuen darf, obwohl Rosalie nicht leben konnte?

Nicht im Traum hätte ich daran gedacht, kurze Zeit später, die Beisetzung beider Kinder vorbereiten zu müssen. Neben Rosalie musste ich nun also auch Conner ( † November 2019) die Reise zu den Engeln ermöglichen.

 

Beerdigung für Sternenkinder – wenn das geliebte Kind stirbt

 

Am 14. Dezember 2019 um 11 Uhr war es schließlich soweit. Ich saß in der Kirche, lauschte den sanften Klängen der Kirchenglocke und fürchtete mich vor den nachfolgenden Minuten. Mein Blick starr auf die Urne gerichtet, schien alles um mich herum vergessen zu sein. Lediglich die Tränen auf den Wangen sowie den Schmerz in der Unterlippe nahm ich wahr, die zu diesem Zeitpunkt bereits blutig gebissen schien. Lautstark schluchzte ich los, konnte mich kaum auf der Bank halten und wippte nervös hin und her. Der Schmerz in meinem Herzen war präsenter denn je.

Mit dem Lied „Mich ruft mein Stern“ von Rolf Zuckowski begann schließlich die Trauerfeier. Neben Rosalie und Conner wurden noch zwei weitere Sternenkinder beigesetzt, deren Eltern samt Familie der Trauerfeier beiwohnten.

 

 

Nachdem wir gemeinsam gebetet und den Worten der Trauerbegleitung gelauscht hatten, folgte die Segnung der Sternenkinder. Die liebevoll geschmückte Urne wurde danach von einem jungen Mann vorsichtig vom Podest genommen und langsam in Richtung Friedhof getragen. Obwohl mein Blick zu jenem Zeitpunkt trüber schien denn je, schloss ich mich dem Trauerzug an. Der gemeinsame Gang zum Grab hat für mich nochmal symbolisiert, dass ich meine Kinder nicht einfach so gehen lassen und ein weiteres mal an ihrer Seite sein möchte. Schritt für Schritt konnte ich an die vergangenen Monate denken, die ich mit ihnen gemeinsam gegangen bin.

Mit jedem Schritt kamen wir jedoch ihrer neuen Heimat näher.

Nach einer kurzen aber liebevollen Verabschiedung seitens der Pfarrerin, durfte ich ein letztes mal meinen Kindern nahe sein und ihnen Blumen, etwas Erde und ein paar liebe Worte mitgeben.

Zu jenem Zeitpunkt schüttete es aus allen Löchern. Innerlich musste ich dabei etwas schmunzeln, denn für mich war das ein Zeichen, dass selbst die Engel auf den Wolken von ihrer Traurigkeit überwältigt wurden.

Bevor wir schließlich von der Trauerfeier „entlassen“ wurden, nahmen wir uns an die Hand und erhielten den Segen durch die Pfarrerin. Zeitgleich stiegen bunte Luftballons in den Horizont.

 

Obwohl die Trauerbewältigung damit nicht beendet war, fühlte sich der tiefe Schmerz im Herzen nach der Trauerfeier erträglicher an. Es schien fast so, als würde die Last leichter werden. Mein Herz ist trotz allem vollgepackt mit Schmerz und Kummer. Mittlerweile mischt sich aber auch Wut hinzu, die sich vor allem der Frage nach dem „Warum“ richtet. Ich finde nur schwer zurück ins Leben, lassen viele Dinge einfach liegen und sehne mich nach einem glücklichen Lächeln auf den Lippen. Es wird noch Monate dauern, bis ich den Verlust verarbeitet habe.Doch ganz egal wie lange die Trauer auch anhalten mag, ich lasse sie zu. An jedem Ort, in jedem Augenblick – wann immer es mir danach ist.

 

Es waren Lebewesen, zwei schlagende Herzen – Meine Kinder!

 

„Du bringst dein Licht im meine Welt:
Der hellste Stern vom Himmelszelt.
Du bist so schwach und doch so stark,
du bist die Nacht und auch der Tag!

Du bringst dein Licht im meine Welt:
Dein Leuchten ist was mich erhellt,
mir Kraft gibt und mich wieder fest,
an echte Wunder glauben lässt.

Du bringst dein Licht im meine Welt:
Und scheinst solang es Dir gefällt;
scheinst Du an einem anderen Ort,
so weiß ich doch: Du bist nicht fort!

Du bringst dein Licht im meine Welt.
Hast es mir in mein Herz gestellt.
Ein warme Raum für Dich bereit:
Hier strahlt dein Licht für alle Zeit.

Ein warme Raum für Dich bereit:
Hier strahlt dein Licht für alle Zeit.“