Ist es normal sich vor Dingen zu fürchten, die eigentlich wertvoller denn je erscheinen? Angst vor einer Erfahrung zu haben, die den Moment bereichern und vergangenes schwinden lassen sollen? Ich bin eine von vielen, die mit einer psychischen Krankheit konfrontiert wurde und seither ihr Leben mit meistern muss. Längst werden diese mit modernen und theoriebegleitenden Konzepten weitgehend gelöst, doch nicht immer kann eine Depression oder emotional instabile Persönlichkeitsstörung behandelt werden. 

In meinem Fall reicht eine medikamentöse Behandlung sowie jährliche Klinikaufenthalte nicht mehr aus, weshalb ich fortan auch eine sogenannte Gruppentherapie in einer speziellen Einrichtung besuchen muss. Letzteres sollte bereits seit Anfang des Jahres vonstatten gehen, allerdings war meine Angst vor den fremden Persönlichkeiten und unterschiedlichsten Krankheitsbildern vor Ort präsenter denn je. Vielleicht habe ich genau deswegen immer wieder nach Ausreden gesucht um diesen Termin nicht wahrnehmen zu müssen.

Um diesen Ängsten, beispielsweise vor Terminen, entgegenzuwirken, greife ich bewusst auf allerhand Skills zurück, die im Ernstfall helfen können. Ab einer Anspannung von 70% und mehr können demnach lediglich diese sogenannten Skills helfen, die starke sensorische Reize auslösen. Psychologen empfehlen hier eine Liste an unterschiedlichsten Helferchen wie Chilischoten essen um wieder ein Gefühl zu bekommen, in die Waschmaschine gucken um den Stress schwinden zu lassen oder Coolpacks auf die Haut legen um den Moment zu fühlen/ wahrzunehmen. Für Borderline-Betroffene, die häufig jeglichen Hochstresssituationen ausgesetzt sind, sind diese Skills wirksame Hilfsmittel, um eine derart hohe Anspannung möglichst schnell zu beenden. Für mich waren Stresssituationen zuvor sehr unangenehm, denn sie forderten innerlich Selbstverletzungen, mittlerweile jedoch weiß ich mit umzugehen und beuge vor.

 

Und plötzlich war alles anders – Zwischen Depressionen und Suizidgedanken

 

Unzählig viele Tränen wurden bereits vergossen und nahmen mir binnen Sekunden mein einst so wundervolles Lächeln. Der Glanz in den Augen schwand in die Ferne des Horizontes und ließ allerhand Leere zurück- sowohl im Herzen als auch in meinem noch recht jungen Leben. Nach einigen erfolglosen Anläufen im Berufsleben, kam meine letzte Chance die ich von Anfang an bewusster wahrnahm und mit einer ordentlichen Portion Ehrgeiz und Motivation anging. So kam es, dass ich meine Zwischenprüfung in der Lehrzeit als eine der besten in den umliegenden Landkreisen abschloss und als Dank für diese überragende Leistung mit einem „Wanderpokal“ ausgezeichnet wurde. Mit einem überglücklichen Lächeln auf den Lippen und einer noch größeren Portion Freude in der Magengegend nahm ich den Pokal vor einem riesen Publikum entgegen und verschaffte ihn am nächsten Tag einen für die Kundschaft deutlich wahrzunehmenden Platz im Lehrbetrieb. Mein Chef war beeindruckt von und präsentierte Kunden als auch Geschäftsleuten immer wieder stolz seinen Lehrling. Es war ein gutes Gefühl zu wissen, wie zufrieden man mit mir war und meine Leistung auch anerkannte. Doch nicht jeder konnte mit meinem Erfolg umgehen und sah mich seither als ernst zunehmende Konkurrenz an, die in naher Zukunft einen Posten wegschnappen könnte.

 

Mein Kampf gegen Depressionen 

 

Was in den darauffolgenden Wochen passierte, lässt sich nur schwer in Worte fassen und schmerzt selbst heute noch sehr. Es waren Tage deren Stunden mit Qual gefüllt wurden… Augenblicke die mir allerhand abverlangten… Momente über die ich auch heute, Jahre später, noch immer nicht offen sprechen kann. Selbst während ich diese Zeilen verfasse, merke ich ganz deutlich wie mein Körper auf jeden einzelnen Gedanken reagiert. Meine Hände zittern…ich wippe nervös hin und her und kämpfe innerlich mit den Tränen, die trotz meiner Bemühungen nicht locker ließen und ihren Weg in Richtung Erde heimsuchten. 

Das Mobbing in der Arbeit wurde täglich schlimmer und nahm mir schneller als gedacht die Freude an meiner Ausbildung. Selbst in der Berufsschule war der Neid enorm und kannte keinen Halt mehr. Trotz allem gab ich mir Mühe nichts an mich heran zu lassen. Ich versank immer tiefer in mir selbst und fand von heute auf morgen den Weg nach draußen nicht mehr. Es fühlte sich falsch an, doch zur gleichen Zeit auch so lebensnotwendig. Jedes Wort schmerzte meinem Herzen und nahm mir die Freude an allem was ich tat. Jede Berührung kostete mich Überwindung…selbst in Gedanken war mein Leben längst nicht mehr das, was es einmal war.

Natürlich habe ich versucht mich zu wehren, habe all meinen Mut zusammengenommen und auf mein Leid aufmerksam gemacht. Doch der Zusammenhalt der Gruppe war stärker, die Angst vor den Konsequenzen deutlich in ihren Gesichtern zu sehen. Jeder einzelne hätte mir zu diesem Zeitpunkt helfen und das was folgte verhindern können.

 

In diesem Moment stand die Welt still und drehte sich ohne mich weiter

 

Die Lebensfreude und das Funkeln in den Augen waren längst verflogen, in mir nur noch Leere und Schmerz der auch nach Monaten in einer Klinik nicht von mir schwand. Ich war gerade 21 Jahre geworden und bereits jetzt schon am Ende meines Lebens angekommen. Für viele unvorstellbar- für mich jedoch offensichtlich die Folgen des Mobbings. Man stopfte mich mit allerhand Medikamenten voll und gab mir einen Platz in der Krisenstation, die mir für den Moment helfen sollte, jedoch keinerlei Wirkung erzielte. Die Dosis der Medikamente wuchs, das Lächeln auf den Lippen schwand immer mehr und mit ihm meine Freunde und mein Lebensgefährte. Letzterer hat mich 7 Jahre lang begleitet und dann plötzlich Lebewohl gesagt, als ich ihn am meisten gebraucht hätte.

Meine Diagnose war längst kein Schock mehr für mich, für die Menschen in meiner Umgebung jedoch unverständlich und schwer zu begreifen. Die Fassung konnte kaum bewahrt werden, dennoch versuchte man mir mit einem Lächeln im Gesicht das Leben wieder schmackhafter zu machen. Ohne sichtbaren Erfolg.

Das ganze ist nun einige Jahre her aber dennoch noch immer präsent und begleitet mich seitdem Tag wie Nacht durch den Alltag. Den Kampf gegen die Ämter habe ich vor Jahren verloren. Trotz unzählig vieler Gutachten von Amtsärzten und Psychologen, verwehrte man mir eine Klinik die zu diesem Zeitpunkt lebensnotwendig gewesen wäre. Als „Ersatz“ bot man mir die Rente an, genauer gesagt handelt es sich hierbei um die „Frührente“ die in gleich zwei unterschiedlichen Varianten angeboten wird. Es mag für viele wie der Himmel auf Erden klingen, für mich hingegen ist es wahrlich eine Qual. Es ist beschämend, macht mir Angst und ist mir peinlich und unangenehm.

 

Chancen, Wege und Methoden gegen Suizidgedanken

 

Mittlerweile bin ich 27 Jahre jung und noch immer Teil dieser Gesellschaft. Doch mit ihr wächst auch die Angst in mir. Ich schneide mich noch immer um meinen Körper zu spüren, um zu verstehen, dass ich noch immer präsent bin. Gegen meine Suizidversuche kam ich an, bin demnach seit Jahren frei von. Doch die Gedanken diesbezüglich sind stets präsent und irgendwie auch zu einem Teil von mir geworden. Längst besuche ich regelmäßig meine Therapie, stehe unter Beobachtung einer Sozialpädagogin und nehme fleißig meine lebensnotwendigen Medikamente. Auch träume ich von einer eigenen Familie und dem damit verbundenen Glück, einem kleinen Wesen meine Liebe und Zuneigung schenken zu können. Der Gedanke daran weckt in mir Glücksgefühle, stimmt mich zufrieden und weckt zeitgleich längst vergessene Emotionen.

Sicher mag jeder einen anderen Weg einschlagen, um sich von seinen Suizidgedanken lösen zu können. Das es für mich der Weg in Richtung Familie und Zusammenhalt sein wird, war mir zu  jener Zeit nicht bewusst. Doch trotz meiner schmerzhaften Vergangenheit und den damit verbundenen Versuchen dem Alltag Lebewohl zu sagen, bin ich der festen Überzeugung, dass genau dieser neue Erdbewohner mein Leben bereichern und die Suizidgedanken schwinden lassen kann.

 

Mein Name ist Janine. Ich bin 27 Jahre jung und lebe mit Depressionen, Angstzuständen und wiederkehrenden Suizidgedanken.

 

Dieser Beitrag entstand im Rahmen einer Blogparade zum Welttag der Suizidprävention am 10. September. Depressionen sowie Suizidgedanken sollten kein Tabuthema sein, weshalb ich hier offen und ehrlich meine vergangenen Jahre wiedergegeben und veröffentlicht habe.

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