Nervös saßen wir im Wartezimmer und lauschten den sanften Klängen aus dem Lautsprecher. Immer wieder sah mein Freund mich von der Seite an und nickte mir lächelnd zu. Mein Herz raste, aufgeregt wippte ich hin und her und wartete sehnsüchtig darauf, dass mein Name aufgerufen wurde. Anfang dieser Woche stand ein ganz besonderer Termin für uns an: das First Trimester Screening mit Nackenfaltentransparenzmessung und Präeklampsiescreening.

Das Ersttrimester-Screening mit Nackenfaltentransparenzmessung und Präeklampsiescreening ist eine freiwillige Untersuchung zu einem frühen Zeitpunkt der Schwangerschaft, das ein Mindestmaß an Gewissheit geben kann. Der Gedanke, dass etwas mit dem ungeborenen Kind nicht stimmen kann, hat uns bereits nach dem positiven Schwangerschaftstest gepackt. Aufgrund dessen mussten wir gar nicht lange überlegen und haben sofort dafür gestimmt. Vor allem die vielen ungeklärten Fehlgeburten vergangener Monate waren ausschlaggebend für diese Entscheidung.

 

Das passiert beim First Trimester Screening

 

Bevor ich in den Behandlungsraum gerufen wurde, musste ich eine Vielzahl an Formularen ausfüllen und unterzeichnen. Neben einer Selbstauskunft zur eigenen Gesundheit wurde auch nach Krankheiten innerhalb der Familie gefragt. Zusätzlich bekam ich reichlich Informationsmaterial in die Hand gedrückt, dass mir einen Überblick über die nachfolgenden Minuten gewähren sollte.

Nachdem der Papierkram erledigt war, wurde ich in den Behandlungsraum gerufen. Zusammen mit meinem Partner lauschte ich den Worten der Fachärztin, bis schließlich der erste Ultraschall anstand. Beim First Trimester Screening wird mittels hochauflösender Ultraschalluntersuchung die fetale Nackentransparenz des Kindes, Länge des kindlichen Nasenbeins, sowie der Blutfluss über die rechte Herzklappe und der venöse Blutkreislauf untersucht.

Die Messung der fetalen Nachentransparenz (auch Nackenfaltenmessung genannt) spielt dabei eine besonders wichtige Rolle beim First Trimester Screening. Zwischen der 10. und 14. Schwangerschaftswoche lässt sich bei jedem Kind im Nackenbereich etwas Flüssigkeit unter der Haut erkennen. Die breiteste Stelle dieser sogenannten Nackenfalte wird beim Ultraschall gemessen. Der Messwert gibt einen möglichen Hinweis darauf, ob ein Herzfehler, eine Chromosomenanomalie oder eine Zwerchfellhernie vorliegt. Auch andere Fehlbildungen können erkannt werden. Je größer die Nackentransparenz ist, desto höher ist das Risiko für eine mögliche Erkrankung.

Ein auffälliger Befund bedeutet aber nicht, dass das Kind zwangsläufig eine Chromosomenanomalie oder Fehlbildung aufweist. Denn das Screening erlaubt nur die Berechnung einer Wahrscheinlichkeit für genetische Krankheiten. Direkt nachweisen lässt sich diese damit nicht.

 

So lief unser Ersttrimester Screening ab

 

Nervös lag ich auf der Liege und starrte auf den Bildschirm. Mein Partner durfte zum ersten Mal mit in den Behandlungsraum und sein kleines Wunder live auf dem Monitor bewundern. Während dem Ultraschall winkte uns der kleine Glückskeks immer wieder zu und sorgte dafür, dass unzählig viele Tränen ihren Weg heimsuchten. Während der Untersuchung erklärte uns die Fachärztin, was wir gerade auf dem Monitor sahen. Zwei Füßchen, zwei Hände, das schlagende Herz, den Popo des kleinen Wunders – wir konnten unser Kind zum ersten Mal aus den unterschiedlichsten Perspektiven sehen und uns an den Turnübungen des kleinen Glückskeks erfreuen. Aufgrund der enormen Aktivität unseres Kindes fiel es der Ärztin jedoch schwer, die Ultraschalluntersuchung ordnungsgemäß abzuschließen, weshalb sie zwischendurch auf einen anderen Ultraschallkopf umsteigen musste.

Trotz aller Schwierigkeiten während dem Ultraschall gab es aber auch sofort Entwarnung: keine Auffälligkeiten.

 

Das frühe Screening auf Präeklampsie

 

Direkt nach der Ultraschalluntersuchung folgte die Blutabnahme in einem separaten Raum. Diese wurde aufgrund vieler Risikofaktoren für Präeklampsie angeordnet. Präeklampsie (Gestose, Schwangerschaftsvergiftung) kann in der zweiten Schwangerschaftshälfte auftreten. Die Folgen: hoher Blutdruck, häufig verbunden mit einer vermehrten Eiweißausscheidung im Urin. Gleichzeitig kommt es zu einer verminderten Durchblutung des Mutterkuchens. In besonders schweren Fällen kann es zur Störung der Leber- und Nierenfunktionen, sowie Auffälligkeiten des Blutbildes und Krampfanfällen kommen. Beim ungeborenen Kind führt die Präeklampsie zu vermindertem Wachstum, Verzögerung der Lungenreife und verringertem Geburtsgewicht. Um eine lebensbedrohliche Komplikation von Mutter und Kind zu vermeiden, ist nicht selten eine vorzeitige Entbindung einzuleiten als zwingende Therapie notwendig.

In  meinem Fall gibt es mehrere Faktoren, die das Risiko für die Präeklampsie erhöhen. Neben meinem Übergewicht und Diabetes mellitus, leide ich auch an Bluthochdruck. Aufgrund dessen wurden im Rahmen des Ersttrimester-Screening zusätzliche Untersuchungen durchgeführt. Auf die Ergebnisse der Blutuntersuchung warte ich derzeit noch, hoffe aber, dass auch diese keinen Grund zur Sorge geben.

 

Schwanger nach Fehlgeburt

 

Inzwischen befinden wir uns in der 14. Schwangerschaftswoche (13+6) und können unser Glück noch immer nicht realisieren. Die ersten Wochen waren überschattet von Ängsten, weshalb die Freude über den Nachwuchs nicht ausgelebt werden konnte. Bereits in der 7. Woche hatten wir mit starken Blutungen zu kämpfen, die einen längeren Krankenhausaufenthalt mit sich brachten. Obwohl wir uns vornahmen ausschließlich positive Gedanken zu teilen, war die Angst vor einer weiteren Fehlgeburt präsenter denn je.

Nach jedem Frauenarzttermin strahlen wir wie zwei Honigkuchenpferde und teilen unsere Freude innerhalb der Familie. Längst haben wir für unseren Glückskeks einen passenden Namen gefunden (Mädchen: FF / Doppelname, Junge: N) und auch schon die erste Babykleidung gekauft. Mit dem Einzug des Beistellbettes wurde die Schwangerschaft realer und wir haben gelernt, die Ängste gegen positive Gedanken und Gefühle einzutauschen. Beinahe täglich sprechen wir über unseren Glückskeks und denken darüber nach, wem das Kind ähnlicher sein könnte.

So langsam kommen wir in unserer Rolle an, auch wenn die vergangenen Jahre und Verluste nur schwer zu vergessen sind.

Wir freuen uns riesig auf unser Regenbogenbaby und nehmen euch auch weiterhin mit auf diese besondere Reise.

Janine und Baby Glückskeks