„..und, wie sieht es mit Nachwuchs aus?“ Keine Frage zog sich mehr durch mein Leben, als die Frage nach meinem Familienstatus. Anfangs noch lächelte ich und warf ein „irgendwann“ in die Gesprächsrunde, doch irgendwann begann meine Fassade zu bröckeln und ich der Frage gekonnt auszuweichen. Denn was viele nicht wussten, ich musste in den vergangenen drei Jahren viele Schicksalsschläge meistern und den Kinderwunsch nahezu auf Eis legen. Vor wenigen Wochen dann plötzlich die unerwartete Wendung: Wir bekommen ein Regenbogenbaby!

Regenbogenbaby: ein Baby, das nach einer Fehlgeburt, Totgeburt oder plötzlichem Kindstod geboren oder adoptiert wird.

Wir bekommen ein Regenbogenbaby

 

In den vergangenen Jahren ähnelte mein Körper einem hormonellen Wrack. Innerhalb eines Jahres musste ich zwei Fehlgeburten meistern und sowohl psychisch als auch körperlich ein unangenehmes Chaos durchleben. Zwischen starken Unterleibschmerzen, Heulanfällen und massivem Haarausfall gesellten sich auch schwere depressive Phasen hinzu. Ich war am Ende meiner Kräfte und völlig verzweifelt auf der Suche nach Antworten.

Innerhalb des privaten Umfelds wurde der Verlust dieser Wunder totgeschwiegen. Die Sternenkinder Beerdigung fand ohne Unterstützung von Familie und Freunde statt. Zu den hormonellen Problemen kamen also auch die Problematiken im eigenen Umfeld dazu. Ich fühlte mich missverstanden, alleine und zog mich immer mehr zurück. Innerlich schloss ich mit dem Thema „Kinder kriegen“ ab.

Vor wenigen Wochen hielt ich plötzlich einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Unzählig viele Tränen suchten sich ihren Weg und raubten mir für den Moment die Luft zum Atmen. Statt Freude empfand ich große Angst. Angst vor einem erneuten Verlust.

 

Schwanger nach Fehlgeburt

 

Inzwischen haben wir bereits einige Termine beim Frauenarzt gemeistert und unser Regenbogenbaby auch schon mehrmals bewundern dürfen. Die Entwicklung ist zeitgemäß und die anfängliche Angst zu Vorfreude geworden. Das Herz des kleinen Bauchbewohners schlägt kräftig. Auch die ersten Schwangerschafts-Wehwehchen ließen nicht lange auf sich warten und sorgen seither für Chaos im Alltag.

Die Schwangerschaft nach einer Fehlgeburt stellt eine enorme Herausforderung dar, vor allem psychisch. Ich musste lernen, meine Ängste schwinden zu lassen und mich vollständig auf die jetzige Schwangerschaft zu konzentrieren. Jedes noch so kleine Ziehen in der Leiste oder im Unterbauch hat in mir Panik ausgelöst, dabei handelt es sich hierbei um eine normale Reaktion des Körpers. Immerhin wächst mit dem Baby der Uterus. Auch sind leichte Blutungen in der Frühschwangerschaft nicht selten und meist harmlos. (Blutungen dennoch IMMER beim Arzt melden!) In meinem Fall kam es jedoch zu einer sehr starken Blutung, weshalb ich mehrere Tage im Krankenhaus verbringen musste. Woher die Blutung kam, beispielsweise durch eine hormonelle Schwankung, konnte allerdings nicht beantwortet werden. Dem Baby ging es gut – mehr war zu jenem Zeitpunkt nicht relevant.

 

In den kommenden Wochen werde ich euch online mitnehmen und die Entwicklung meines Regenbogenbabys teilen. Gemeinsam werden wir das Kinderzimmer einrichten, über die Hebammensuche sprechen, Ängste und Sorgen teilen und einen Austausch mit anderen werdenden Mamas herstellen.

Janine